großmäulig

Großmäulig: Prahlerisch redend und die eigenen Fähigkeiten, Leistungen oder Vorhaben übertrieben darstellend. Das Wort wird umgangssprachlich und abwertend verwendet.

Was bedeutet großmäulig?

Großmäulig nennt man vor allem Äußerungen, mit denen jemand mehr Größe, Können oder Bedeutung für sich beansprucht, als die Situation rechtfertigt. Häufig sind das vollmundige Versprechen: Eine Aufgabe sei ein Kinderspiel, alle anderen seien unterlegen, ein Erfolg bereits sicher. Die kritische Wertung betrifft das Reden und dessen unangemessenen Anspruch.

Dass eine Ankündigung später scheitert, kann ihre Großmäuligkeit sichtbar machen, ist aber keine notwendige Voraussetzung. Schon der Ton oder die Herabsetzung anderer kann dazu führen, dass eine Aussage großmäulig wirkt. Umgekehrt ist ein nicht eingehaltenes Versprechen nicht automatisch großmäulig: Jemand kann sich ehrlich geirrt haben oder durch unvorhersehbare Umstände gehindert worden sein.

Der Ausdruck ist bildhaft und klingt umgangssprachlich. Er beschreibt kein körperlich großes Maul. In einer Analyse lohnt sich daher der Blick auf die konkrete Rede: Welche Wörter machen den Anspruch überzogen? Wird die eigene Überlegenheit nur behauptet oder durch nachvollziehbare Leistungen gestützt?

Auf den PunktGroßmäulig richtet den Blick besonders auf prahlerische Worte. Lautstärke und Gesprächigkeit sind für sich keine Beweise.

Beispiele und Verwendung

Noch vor dem ersten Training verkündete er großmäulig, er werde jede erfahrene Spielerin mühelos schlagen.

So ist es gemeint: Der absolute Erfolgsanspruch steht einer noch ungeprüften Leistung gegenüber.

Die großmäulige Zusage, das gesamte Fest allein zu organisieren, ließ kaum Raum für realistische Rückfragen.

So ist es gemeint: Nicht der Wunsch zu helfen, sondern das überzogene Versprechen und der Umgang mit Einwänden bestimmen den Eindruck.

Sie sprach laut und lebhaft, aber ihre begründete Einschätzung war keineswegs großmäulig.

So ist es gemeint: Der Satz grenzt ausdrucksvolles Sprechen von inhaltlich übertriebener Selbstdarstellung ab.

Typische Verbindungen: großmäulig behaupten, etwas großmäulig ankündigen, ein großmäuliges Versprechen, großmäulig daherreden.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

angeberisch
Kann Reden, Gesten und die Vorführung von Besitz betreffen. Großmäulig konzentriert sich stärker auf das prahlerische Sprechen.
großspurig
Umfasst das gesamte Auftreten. Auch ein herablassender Empfang oder eine übertriebene Inszenierung kann großspurig wirken.
selbstbewusst
Benennt Sicherheit im eigenen Auftreten. Eine selbstbewusste Person kann Grenzen anerkennen und ihre Einschätzung sachlich begründen.

Bescheiden, sachlich oder zurückhaltend können passende Gegenbeschreibungen sein. Ob jemand viel redet, ist eine andere Frage.

Großmäulig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

Vor dem Vorlesewettbewerb erklärt Nora, die Jury könne den Preis schon für sie einpacken. Die anderen bräuchten eigentlich gar nicht anzutreten. Auf die Frage nach ihrer Vorbereitung antwortet sie, Talent brauche keine Übung. Später verliert sie beim Lesen mehrfach den Faden.

  1. Beobachtung: Nora stellt den Sieg als sicher dar und erklärt die Konkurrenz für überflüssig.
  2. Deutung: Die Äußerungen wirken großmäulig, weil sie einen absoluten Vorrang beansprucht und Rückfragen mit Selbstlob abwehrt.
  3. Grenze der Aussage: Das spätere Stolpern verstärkt den Gegensatz zwischen Anspruch und Leistung. Es allein würde den Vorwurf noch nicht tragen.

Musterformulierung

Noras großmäulige Ankündigung erzeugt einen deutlichen Gegensatz zu ihrem späteren unsicheren Vortrag. Bereits vor dem Wettbewerb stellt sie den eigenen Sieg als selbstverständlich dar und wertet damit die Mitbewerber ab. Dass sie auf eine sachliche Frage nur mit dem Hinweis auf ihr Talent antwortet, zeigt die fehlende Begründung ihrer Gewissheit.

Die Deutung untersucht den Zusammenhang von Wortwahl und Handlung. Sie behauptet nicht, Nora sei grundsätzlich untalentiert. Entscheidend ist, dass ihre demonstrative Siegesgewissheit durch die Szene nicht gestützt wird.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
groß·mäu·lig
Verwandtes Nomen
die Großmäuligkeit; das Großmaul

Geschrieben wird großmäulig mit ß und äu. Das äu lässt sich an der Wortfamilie Maul – Mäuler erkennen. Vor einem Nomen wird gebeugt: eine großmäulige Behauptung. Adverbial bleibt die Form unverändert: Er verspricht es großmäulig.

Grundformgroßmäulig
Komparativgroßmäuliger
Superlativam großmäuligsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativgroßmäuligergroßmäuligegroßmäuligesgroßmäulige
Genitivgroßmäuligengroßmäuligergroßmäuligengroßmäuliger
Dativgroßmäuligemgroßmäuligergroßmäuligemgroßmäuligen
Akkusativgroßmäuligengroßmäuligegroßmäuligesgroßmäulige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder großmäuligedie großmäuligedas großmäuligedie großmäuligen
Genitivdes großmäuligender großmäuligendes großmäuligender großmäuligen
Dativdem großmäuligender großmäuligendem großmäuligenden großmäuligen
Akkusativden großmäuligendie großmäuligedas großmäuligedie großmäuligen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein großmäuligereine großmäuligeein großmäuligeskeine großmäuligen
Genitiveines großmäuligeneiner großmäuligeneines großmäuligenkeiner großmäuligen
Dativeinem großmäuligeneiner großmäuligeneinem großmäuligenkeinen großmäuligen
Akkusativeinen großmäuligeneine großmäuligeein großmäuligeskeine großmäuligen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Bild eines großen Mauls verbindet auffälliges Reden mit einem übertriebenen Anspruch. Großmäulig und Großmaul gehören zu dieser bildhaften Wortfamilie. Im heutigen Gebrauch zählt der prahlerische Inhalt, nicht die körperliche Beschaffenheit des Mundes.

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