habgierig
Habgierig: Übermäßig darauf aus, Geld, Besitz oder andere materielle Vorteile für sich zu gewinnen. Die Bezeichnung bewertet dieses Habenwollen als unangemessen.
Was bedeutet habgierig?
Habgierig beschreibt ein starkes, als übermäßig bewertetes Verlangen nach Besitz. Eine habgierige Person möchte immer mehr an sich bringen, auch wenn sie bereits genug hat oder andere dadurch benachteiligt werden. Das Wort ist deutlich abwertend. Es bezeichnet nicht einfach den Wunsch nach einem sicheren Einkommen oder die Freude an einer gelungenen Anschaffung.
Für die Bewertung ist das Verhältnis zwischen Wunsch, Bedarf und Vorgehen wichtig. Wer für eine Wohnung spart, handelt nicht schon deshalb habgierig. Aussagekräftiger wäre, dass jemand seinen Gewinn ohne Rücksicht auf eine faire Verteilung vergrößert. In literarischen Texten kann dieser Gegensatz durch wiederholtes Fordern, heimliches Einbehalten oder die Geringschätzung fremder Bedürfnisse sichtbar werden.
Habgier betrifft vor allem das Habenwollen. Das Festhalten am bereits vorhandenen Besitz heißt eher Geiz. Beide Haltungen können zusammen auftreten, müssen es aber nicht: Eine Figur kann verschwenderisch leben und zugleich habgierig nach immer neuen Einnahmen streben.
Beispiele und Verwendung
Der habgierige Verwalter behielt auch den Anteil zurück, der ausdrücklich den Helfern versprochen worden war.
So ist es gemeint: Die ungerechte Aneignung stützt die negative Bewertung.
Sie verlangte einen angemessenen Lohn; das machte sie nicht habgierig.
So ist es gemeint: Ein nachvollziehbarer Anspruch auf Bezahlung ist etwas anderes als übermäßiges Habenwollen.
Sein Blick wanderte habgierig über die Sammlung, als gehöre ihm jedes wertvolle Stück bereits.
So ist es gemeint: Ein Blick wird als Ausdruck eines Besitzwunsches gedeutet. Im Text sollte diese Zuschreibung durch den Kontext gestützt sein.
Typische Verbindungen: habgierig nach Besitz streben, eine habgierige Forderung, ein habgieriger Blick, aus Habgier handeln.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- habsüchtig
- Ist ein sehr nahes Synonym. Eine feste Bedeutungsgrenze lässt sich im gewöhnlichen Gebrauch nicht ziehen.
- geizig
- Betont das übermäßige Zurückhalten von Geld oder Besitz. Habgierig betont stärker den Erwerbswunsch.
- ehrgeizig
- Bezieht sich auf angestrebte Leistung, Anerkennung oder Erfolg. Dieses Streben kann ohne materielle Habgier bestehen.
genügsam beschreibt das Auskommen mit wenig; großzügig die Bereitschaft zum Geben. Beides kann einen anderen Aspekt der Habgier kontrastieren.
Habgierig in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
Beim gemeinsamen Verkauf haben vier Freunde vereinbart, den Erlös zu gleichen Teilen zu teilen. Jonas entdeckt kurz vor der Abrechnung eine zusätzliche Geldkassette. Obwohl alle gleich viel gearbeitet haben, versteckt er sie und erklärt später, es sei nicht mehr eingenommen worden.
- Beobachtung: Jonas verschweigt einen Teil des gemeinsamen Erlöses und eignet ihn sich allein an.
- Deutung: Der Wunsch nach einem größeren eigenen Anteil lässt sein Verhalten habgierig erscheinen.
- Grenze der Aussage: Die Szene belegt keine Notlage und nennt keinen anderen Zweck. Über weitere Beweggründe sollte die Analyse nichts erfinden.
Musterformulierung
Jonas handelt habgierig, weil er einen Teil des gemeinsam erwirtschafteten Geldes verheimlicht, um seinen eigenen Anteil zu vergrößern. Die zuvor vereinbarte gleiche Aufteilung macht deutlich, dass er keinen zusätzlichen Anspruch besitzt. Er stellt seinen Besitzwunsch über die berechtigten Interessen der anderen.
Die Deutung verbindet Besitzstreben und konkreten Regelverstoß. „Er mag Geld“ wäre dafür zu ungenau. Die verheimlichte Kassette und die bekannte Vereinbarung liefern dagegen nachvollziehbare Anhaltspunkte für die Wertung.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- hab·gie·rig
- Verwandtes Nomen
- die Habgier
Die Schreibung enthält ie in gierig. Das Nomen Habgier ist feminin. Vor einem Nomen wird gebeugt: ein habgieriger Verwalter. Als nähere Bestimmung einer Handlung bleibt die Grundform stehen: habgierig zugreifen.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | habgieriger | habgierige | habgieriges | habgierige |
| Genitiv | habgierigen | habgieriger | habgierigen | habgieriger |
| Dativ | habgierigem | habgieriger | habgierigem | habgierigen |
| Akkusativ | habgierigen | habgierige | habgieriges | habgierige |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der habgierige | die habgierige | das habgierige | die habgierigen |
| Genitiv | des habgierigen | der habgierigen | des habgierigen | der habgierigen |
| Dativ | dem habgierigen | der habgierigen | dem habgierigen | den habgierigen |
| Akkusativ | den habgierigen | die habgierige | das habgierige | die habgierigen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein habgieriger | eine habgierige | ein habgieriges | keine habgierigen |
| Genitiv | eines habgierigen | einer habgierigen | eines habgierigen | keiner habgierigen |
| Dativ | einem habgierigen | einer habgierigen | einem habgierigen | keinen habgierigen |
| Akkusativ | einen habgierigen | eine habgierige | ein habgieriges | keine habgierigen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Habgierig gehört zur Wortfamilie Habgier. Der Bestandteil Hab- verweist auf das Haben beziehungsweise den Besitz, Gier auf ein starkes Verlangen. Diese Verbindung erklärt, warum das Wort enger auf Aneignung gerichtet ist als das allgemeine gierig.
