habsüchtig

Habsüchtig: Von einem übermäßigen Verlangen nach Besitz und materiellen Vorteilen bestimmt; habgierig. Das Wort enthält ein deutlich negatives Urteil über das Habenwollen.

Was bedeutet habsüchtig?

Habsüchtig nennt man jemanden, dessen Streben nach Besitz als maßlos oder beherrschend erscheint. Der Blick richtet sich auf das, was die Person noch erwerben oder für sich beanspruchen möchte. Eine habsüchtige Figur kann andere Menschen vor allem danach beurteilen, welchen materiellen Nutzen sie ihr bringen. Damit ist eine moralische Bewertung verbunden, keine neutrale Beschreibung eines Kaufwunsches.

Das Wort liegt sehr nahe bei habgierig. Manchmal unterstreicht habsüchtig den Eindruck eines kaum stillbaren Begehrens; daraus folgt aber keine feste Regel, nach der eines der Wörter immer stärker wäre. Für die Wortwahl zählen Ton, Zusammenhang und Wiederholungen im eigenen Text. Eine künstliche Trennung würde mehr behaupten, als die Sprache hergibt.

Die Endung des Wortes rechtfertigt keine medizinische Diagnose. Im gewöhnlichen Sprachgebrauch kritisiert die Bezeichnung eine Haltung. Wer einen literarischen Charakter so beschreibt, sollte deshalb das Verhalten und seine Folgen erläutern, statt eine angebliche Erkrankung aus dem Wort abzuleiten.

Auf den PunktHabsüchtig und habgierig sind weitgehend synonym. In einer Analyse liefert die konkrete Handlung den Mehrwert, nicht eine erfundene Rangfolge der Wörter.

Beispiele und Verwendung

Der habsüchtige Sammler kaufte das letzte Stück nur, damit es kein anderer besitzen konnte.

So ist es gemeint: Hier zählt der ausschließliche Besitz mehr als die Freude am Gegenstand.

Mit jeder Schenkung wuchs ihre Forderung; ihr habsüchtiges Verhalten entfremdete sie den Geschwistern.

So ist es gemeint: Die wiederholte Steigerung der Ansprüche und ihre Folgen machen die Wertung verständlich.

Eine größere Wohnung zu wünschen, ist für sich genommen nicht habsüchtig.

So ist es gemeint: Der bloße Wunsch nach mehr Platz sagt nichts über ein maßloses Besitzstreben aus.

Typische Verbindungen: ein habsüchtiger Mensch, ein habsüchtiges Verlangen, habsüchtig nach etwas greifen, aus Habsucht handeln.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

habgierig
Trifft den Kern sehr genau. Beide Wörter können dasselbe Verhalten beschreiben.
gierig
Ist weiter gefasst: Es kann auch ein starkes Verlangen nach Nahrung, Aufmerksamkeit oder Neuigkeiten betreffen.
geldgierig
Richtet sich ausdrücklich auf Geld. Habsüchtig kann auch Gegenstände und anderen materiellen Besitz betreffen.

Eine genügsame Haltung kann den ständigen Wunsch nach mehr kontrastieren. freigiebig bezeichnet dagegen die Bereitschaft zum Abgeben; es ist kein vollständiges Gegenwort zu jedem Besitzwunsch.

Habsüchtig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

Maren erhält nach der Auflösung einer Werkstatt die Werkzeuge, die sie sich gewünscht hat. Als sie sieht, dass ihr Bruder die alte Hobelbank bekommen soll, fordert sie auch diese. Auf seine Frage, wo sie die Bank aufstellen möchte, antwortet sie, das sei unwichtig; er solle sie jedenfalls nicht haben.

  1. Beobachtung: Marens ursprünglicher Wunsch ist erfüllt. Trotzdem verlangt sie einen weiteren Gegenstand, ohne eine Verwendung dafür zu nennen.
  2. Deutung: Die Steigerung des Besitzanspruchs und der Ausschluss des Bruders stützen den Eindruck von Habsucht.
  3. Grenze der Aussage: Ein einzelner Streit beweist keine unveränderliche Gesamtpersönlichkeit. Die Analyse kann zunächst das Verhalten in dieser Verteilungssituation bewerten.

Musterformulierung

Maren zeigt sich bei der Aufteilung habsüchtig. Obwohl sie die gewünschten Werkzeuge bereits erhält, beansprucht sie zusätzlich die für ihren Bruder vorgesehene Hobelbank. Ihre Antwort legt nahe, dass ihr vor allem der alleinige Besitz wichtig ist. Dadurch verschiebt sich ihr Anliegen von einem nachvollziehbaren Wunsch zu einer übermäßigen Forderung.

Der Vergleich zwischen ursprünglichem Wunsch und zusätzlicher Forderung begründet die Deutung. Das Wort „legt nahe“ kennzeichnet den Schluss auf Marens Haltung, während die erhaltenen Werkzeuge und ihre Antwort als beobachtbare Grundlage benannt werden.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
hab·süch·tig
Verwandtes Nomen
die Habsucht

Habsüchtig wird mit ü und zusammengeschrieben. Das verwandte Nomen heißt Habsucht, ohne Umlaut. Formen sind eine habsüchtige Forderung und ein habsüchtiges Verhalten. Die Steigerung bleibt regelmäßig.

Grundformhabsüchtig
Komparativhabsüchtiger
Superlativam habsüchtigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativhabsüchtigerhabsüchtigehabsüchtigeshabsüchtige
Genitivhabsüchtigenhabsüchtigerhabsüchtigenhabsüchtiger
Dativhabsüchtigemhabsüchtigerhabsüchtigemhabsüchtigen
Akkusativhabsüchtigenhabsüchtigehabsüchtigeshabsüchtige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder habsüchtigedie habsüchtigedas habsüchtigedie habsüchtigen
Genitivdes habsüchtigender habsüchtigendes habsüchtigender habsüchtigen
Dativdem habsüchtigender habsüchtigendem habsüchtigenden habsüchtigen
Akkusativden habsüchtigendie habsüchtigedas habsüchtigedie habsüchtigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein habsüchtigereine habsüchtigeein habsüchtigeskeine habsüchtigen
Genitiveines habsüchtigeneiner habsüchtigeneines habsüchtigenkeiner habsüchtigen
Dativeinem habsüchtigeneiner habsüchtigeneinem habsüchtigenkeinen habsüchtigen
Akkusativeinen habsüchtigeneine habsüchtigeein habsüchtigeskeine habsüchtigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Adjektiv gehört zum Nomen Habsucht. Hab- bezeichnet den Bereich des Habens, während -sucht im Gesamtwort das übersteigerte Streben hervorhebt. Diese gegenwärtige Worterklärung ist nicht mit einer klinischen Einordnung gleichzusetzen.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften