integer

Integer: Moralisch verlässlich und unbestechlich; auch unter Druck oder bei Aussicht auf einen eigenen Vorteil an redlichen Grundsätzen festhaltend.

Was bedeutet integer?

Integer ist jemand, auf dessen moralische Verlässlichkeit man sich verlassen kann. Besonders sichtbar wird diese Eigenschaft, wenn ein persönlicher Vorteil mit einer redlichen Entscheidung kollidiert. Eine integre Person verschweigt beispielsweise keinen Interessenkonflikt und passt eine Bewertung nicht heimlich an die Wünsche eines einflussreichen Bekannten an.

Das Wort bedeutet nicht fehlerlos. Auch ein integrer Mensch kann etwas übersehen oder falsch einschätzen. Für die Bewertung zählt dann unter anderem, ob er den Fehler offenlegt, Verantwortung übernimmt und eine Korrektur ermöglicht. Unfehlbarkeit und moralische Verlässlichkeit sind verschiedene Ansprüche.

Integer ist ein weitreichendes positives Urteil. Eine einzige korrekte Handlung kann dafür einen Hinweis geben, trägt aber nicht ohne Weiteres eine Aussage über das gesamte Leben. In einer Charakterisierung ist deshalb besonders auf Situationen zu achten, in denen die Figur eine bequeme Abkürzung hätte wählen können und sich nachvollziehbar dagegen entscheidet.

Auf den PunktInteger beschreibt moralische Verlässlichkeit auch bei Gegenwind oder eigenem Nachteil. Das Wort behauptet keine Freiheit von Irrtümern.

Beispiele und Verwendung

Sie erwies sich als integer, als sie ihren eigenen Rechenfehler offenlegte, obwohl er ihr genutzt hätte.

So ist es gemeint: Der Verzicht auf einen unberechtigten Vorteil macht die Bewertung nachvollziehbar.

Der integre Gutachter lehnte die angebotene Gegenleistung für ein günstigeres Urteil ab.

So ist es gemeint: Die Unbestechlichkeit steht im Mittelpunkt.

Seine Entscheidung war falsch, doch die offene Korrektur sprach nicht gegen seine Integrität.

So ist es gemeint: Ein Sachfehler wird von unredlichem Handeln unterschieden.

Typische Verbindungen: integer handeln, eine integre Person, als integer gelten, ein integrer Charakter.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

ehrlich
Betont Wahrhaftigkeit und das Vermeiden bewusster Täuschung. Integer umfasst darüber hinaus moralische Verlässlichkeit im Handeln.
anständig
Ist ein allgemein gebräuchliches positives Urteil über angemessenes oder redliches Verhalten; integer wirkt stärker und gehobener.
charakterfest
Hebt das Festhalten an Grundsätzen unter Druck hervor. Welche Grundsätze gemeint sind, muss der Zusammenhang zeigen.

Bestechlich oder unredlich sind passende Gegenbegriffe. Ein bloßer Irrtum begründet keinen solchen Gegensatz.

Integer in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Wettbewerbsszene bemerkt Jurorin Alina, dass die Arbeit eines engen Freundes zu viele Punkte erhalten hat. Ohne Korrektur würde er gewinnen. Alina legt den Rechenfehler und ihre persönliche Verbindung offen und bittet eine unbeteiligte Person, die Bewertung erneut zu prüfen.

  1. Beobachtung: Alina ermöglicht eine Korrektur, obwohl der Fehler einem ihr nahestehenden Menschen nützt.
  2. Deutung: Ihr Verhalten wirkt integer, weil sie persönliche Nähe nicht über einen redlichen und überprüfbaren Ablauf stellt.
  3. Grenze der Aussage: Der Beleg betrifft diese konkrete Entscheidung. Über ihre Haltung in jeder denkbaren Situation sagt er nichts Sicheres aus.

Musterformulierung

Alina handelt in der Wettbewerbsszene integer. Sie legt sowohl den günstigen Rechenfehler als auch ihre Verbindung zum betroffenen Teilnehmer offen und überlässt die erneute Prüfung einer unbeteiligten Person. Damit stellt sie einen nachvollziehbaren Ablauf über den möglichen Vorteil ihres Freundes.

Der Absatz belegt das Werturteil durch die offengelegte Interessenkollision und Alinas Entscheidung. Er setzt Integrität nicht mit bloßer Freundlichkeit oder Fehlerfreiheit gleich.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
in·te·ger
Verwandtes Nomen
die Integrität

Die Grundform lautet integer. In den hier gezeigten gebeugten Formen entfällt das unbetonte e vor dem r: ein integrer Mensch, eine integre Haltung, mit integrem Verhalten. Der Komparativ lautet ebenfalls integrer, der Superlativ am integersten. Die Steigerung vergleicht bewertete moralische Verlässlichkeit, keine exakt messbare Größe.

Grundforminteger
Komparativintegrer
Superlativam integersten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativintegrerintegreintegresintegre
Genitivintegrenintegrerintegrenintegrer
Dativintegremintegrerintegremintegren
Akkusativintegrenintegreintegresintegre
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder integredie integredas integredie integren
Genitivdes integrender integrendes integrender integren
Dativdem integrender integrendem integrenden integren
Akkusativden integrendie integredas integredie integren
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein integrereine integreein integreskeine integren
Genitiveines integreneiner integreneines integrenkeiner integren
Dativeinem integreneiner integreneinem integrenkeinen integren
Akkusativeinen integreneine integreein integreskeine integren

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort stammt aus lateinisch integer im Sinn von unversehrt oder unberührt. Die heutige Personenbeschreibung überträgt diese Vorstellung auf moralische Verlässlichkeit und Unbestechlichkeit. Die lateinische Form ist nicht als deutsche Beugungsregel zu behandeln.

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