intolerant
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- intolerant
- Worttrennung
- in·to·le·rant
- Komparativ
- intoleranter
- Superlativ
- am intolerantesten
Intolerant: Abweichende Überzeugungen, Lebensweisen oder Verhaltensformen nicht gelten lassend; im sozialen Gebrauch unduldsam gegenüber Verschiedenheit.
Was bedeutet intolerant?
Intolerant beschreibt im sozialen Zusammenhang eine Haltung, die abweichende Auffassungen oder Lebensweisen nicht gelten lassen will. Die Person widerspricht nicht nur inhaltlich, sondern versucht beispielsweise, Andersdenkenden schon die gleichberechtigte Beteiligung abzusprechen. Entscheidend sind Gegenstand und Form der Ablehnung.
Ein begründeter Widerspruch ist deshalb noch keine Intoleranz. Auch wer eine persönliche Grenze setzt oder gegen die Herabsetzung anderer eintritt, handelt nicht allein dadurch intolerant. Für die Bewertung muss geprüft werden, ob eine konkrete schädigende Handlung begrenzt wird oder ob Menschen wegen ihrer Verschiedenheit grundsätzlich ausgeschlossen werden sollen.
Außerhalb dieses sozialen Gebrauchs kann intolerant in fachsprachlichen Verbindungen fehlende Verträglichkeit bezeichnen. Diese Bedeutung enthält kein moralisches Urteil über eine Person. In einer Charakterisierung sollte das Wort dagegen durch konkrete Aussagen oder Entscheidungen belegt werden und nicht als bloßes Gegenetikett im Streit dienen.
Beispiele und Verwendung
Sie verhielt sich intolerant, als sie einer Mitschülerin allein wegen deren abweichender Überzeugung das Rederecht absprach.
So ist es gemeint: Die Ablehnung richtet sich gegen gleichberechtigte Beteiligung statt gegen ein einzelnes Argument.
Er widersprach entschieden, hörte die Begründung aber an; daraus folgte noch keine intolerante Haltung.
So ist es gemeint: Deutlicher Widerspruch bleibt mit respektvollem Umgang vereinbar.
Die fachsprachliche Angabe einer Unverträglichkeit ist keine Aussage über intolerantes Sozialverhalten.
So ist es gemeint: Verschiedene Bedeutungsbereiche des Wortes werden getrennt.
Typische Verbindungen: intolerant gegenüber anderen Auffassungen, eine intolerante Haltung, sich intolerant verhalten, intolerant reagieren.
Synonyme für intolerant: passend zum Zusammenhang
Intolerant bewertet im sozialen Gebrauch den Umgang mit abweichenden Auffassungen oder Lebensweisen. Die Alternative muss mehr ausdrücken als bloße Meinungsverschiedenheit. Wer widerspricht, kann andere weiterhin respektieren. Der Vorwurf richtet sich darauf, dass Verschiedenheit nicht gelten gelassen oder zum Grund eines grundsätzlichen Ausschlusses gemacht wird.
| Alternative | Passend bei | Unterschied |
|---|---|---|
| unduldsam | Nichtgeltenlassen abweichender Überzeugungen | Nahe soziale Entsprechung mit deutlicher negativer Wertung. |
| engstirnig | Fehlende Offenheit für andere Sichtweisen | Betont die Denkweise; ein tatsächlicher Ausschluss anderer ist nicht zwingend enthalten. |
| abweichende Auffassungen nicht gelten lassend | Konkreter Umgang mit Meinungsverschiedenheit | Erklärende Umschreibung, die Gegenstand und Verhalten sichtbar machen kann. |
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.
Erstes Satzpaar
Ausgangssatz: „Sie reagiert intolerant auf andere religiöse Überzeugungen.“
Alternative: „Sie reagiert unduldsam auf andere religiöse Überzeugungen.“
Unduldsam erhält den Vorwurf des Nichtgeltenlassens. Eine genaue Beschreibung sollte zeigen, welche Äußerung oder Handlung ihn trägt, statt bloß fehlende Zustimmung zu unterstellen.
Zweites Satzpaar
Ausgangssatz: „Die Gruppe handelt intolerant, indem sie Andersdenkenden grundsätzlich das Wort entzieht.“
Alternative: „Die Gruppe lässt abweichende Auffassungen nicht gelten und entzieht Andersdenkenden grundsätzlich das Wort.“
Die Umschreibung stellt das konkrete Verhalten in den Vordergrund. Sie unterscheidet einen pauschalen Ausschluss von einer sachlichen Kritik an einzelnen Argumenten.
Grenze des Austauschs: Konsequent ist nicht gleichbedeutend: Eine begründete Grenze gegen Herabsetzung anderer kann mit Toleranz vereinbar sein. Ebenso bedeutet abweisend zunächst Zurückweisung, deren Grund nichts mit unterschiedlichen Überzeugungen zu tun haben muss.
Intolerant gegenüber einer Auffassung steht mit Dativ. Bei einer Umschreibung als nicht dulden wird ein Akkusativobjekt gebraucht. Fachsprachliche Verwendungen im Sinn fehlender Verträglichkeit gehören in einen anderen Bedeutungsbereich und enthalten kein moralisches Urteil. Diese Trennung sollte auch bei einem sprachlich einfacheren Ersatz erhalten bleiben.
Weitere Abgrenzungen: Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- Unduldsam
- Liegt im sozialen Gebrauch sehr nahe und betont das Nichtdulden einer Abweichung.
- starrsinnig
- Beschreibt hartnäckiges Festhalten am eigenen Standpunkt; daraus folgt nicht zwangsläufig der Ausschluss anderer.
- abweisend
- Bezeichnet ein distanziertes oder zurückweisendes Verhalten, dessen Grund nicht notwendig eine abweichende Überzeugung ist.
Tolerant beschreibt das Geltenlassen von Verschiedenheit. Dazu muss man nicht jede Auffassung teilen oder jede Handlung billigen.
Intolerant in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Gesprächsgruppe schlägt Farid eine andere Gestaltung des gemeinsamen Festes vor. Lea erklärt nicht, welche praktischen Schwierigkeiten sie sieht, sondern fordert, Menschen mit seiner Auffassung sollten grundsätzlich nicht mitentscheiden dürfen. Als die Gruppe nachfragt, wiederholt sie allein den Verweis auf seine abweichende Sicht.
- Beobachtung: Lea lehnt nicht nur den Vorschlag ab, sondern bestreitet Farids gleichberechtigte Beteiligung wegen seiner Auffassung.
- Deutung: Ihre Reaktion wirkt intolerant, weil Verschiedenheit selbst zum Ausschlussgrund wird.
- Grenze der Aussage: Ein sachlich begründetes Nein zum Vorschlag wäre anders zu bewerten. Die Szene belegt Leas Verhalten in dieser Auseinandersetzung, nicht jede künftige Entscheidung.
Musterformulierung
Lea reagiert intolerant auf Farids Vorschlag. Sie setzt sich nicht mit dessen praktischen Folgen auseinander, sondern will ihm wegen seiner abweichenden Auffassung die Mitentscheidung entziehen. Der Vorwurf richtet sich damit auf den ausschließenden Umgang mit Verschiedenheit und nicht auf ihr Recht, dem Vorschlag zu widersprechen.
Die Formulierung trennt das inhaltliche Urteil über einen Vorschlag von der Behandlung seines Urhebers. Diese Unterscheidung macht die starke Bewertung überprüfbar.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- in·to·le·rant
- Verwandtes Nomen
- die Intoleranz
Intolerant wird mit einem l geschrieben. Vor Nomen entstehen Formen wie eine intolerante Haltung oder mit intoleranten Forderungen. Das Nomen lautet Intoleranz. Die Steigerung kann im sozialen Gebrauch das Ausmaß der Unduldsamkeit vergleichen; fachsprachliche Verbindungen sind nach ihrem eigenen Zusammenhang zu behandeln.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | intoleranter | intolerante | intolerantes | intolerante |
| Genitiv | intoleranten | intoleranter | intoleranten | intoleranter |
| Dativ | intolerantem | intoleranter | intolerantem | intoleranten |
| Akkusativ | intoleranten | intolerante | intolerantes | intolerante |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der intolerante | die intolerante | das intolerante | die intoleranten |
| Genitiv | des intoleranten | der intoleranten | des intoleranten | der intoleranten |
| Dativ | dem intoleranten | der intoleranten | dem intoleranten | den intoleranten |
| Akkusativ | den intoleranten | die intolerante | das intolerante | die intoleranten |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein intoleranter | eine intolerante | ein intolerantes | keine intoleranten |
| Genitiv | eines intoleranten | einer intoleranten | eines intoleranten | keiner intoleranten |
| Dativ | einem intoleranten | einer intoleranten | einem intoleranten | keinen intoleranten |
| Akkusativ | einen intoleranten | eine intolerante | ein intolerantes | keine intoleranten |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Das Wort wurde über französisch intolérant vermittelt und geht auf lateinisch intolerans zurück. Der verneinende Bestandteil steht zu einer Form mit der Bedeutung des Ertragens oder Duldens. Der heutige soziale Gebrauch richtet sich auf das Nichtgeltenlassen von Abweichungen.
