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lüstern

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
lüstern
Worttrennung
lüs·tern
Komparativ
lüsterner
Superlativ
am lüsternsten

Die Steigerung vergleicht starkes Begehren. Der Bezug kann sexuell sein oder im gehobenen Gebrauch Besitz und Genuss betreffen; die Grundform endet ohne d.

Formen und Verwendung im Detail

Von starker sexueller Begierde erfüllt; gehoben auch gierig nach Besitz oder einem Genuss verlangend.

Was bedeutet lüstern?

Lüstern beschreibt starkes Begehren und wird besonders für sexuelle Begierde gebraucht. Das Wort kann eine Person, ihre Gedanken oder einen Blick bezeichnen. Es hat dabei eine deutlich andere Wirkung als ein allgemeines Wort für Sympathie. Wer einen Blick lüstern nennt, deutet darin ein begehrendes Verlangen und beschreibt nicht bloß, dass jemand aufmerksam hinsieht.

In gehobener Verwendung kann sich das Begehren auch auf Besitz oder Genuss richten. Eine Figur kann etwa lüstern auf ein kostbares Schmuckstück blicken oder nach einem besonderen Leckerbissen verlangen. Der Gegenstand macht diese nichtsexuelle Bedeutung erkennbar. Ohne einen solchen Zusammenhang kann die sexuelle Lesart näherliegen.

Bei einer Personenbeschreibung ist zwischen Empfindung, beobachtbarem Ausdruck und Verhalten zu unterscheiden. Ein zugeschriebenes Begehren beweist noch keine Handlung und keine bestimmte Absicht im Umgang mit anderen. Ebenso lässt sich daraus keine Erwiderung durch die betrachtete Person ableiten. In einer Erzählung sollte klar bleiben, ob der Text Gedanken offenlegt oder ob nur eine Figur den Blick einer anderen so deutet.

Drei Beispiele für lüstern

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der Erzähler lässt die Figur lüstern auf das wertvolle Collier blicken, das sie unbedingt besitzen möchte.“

Das anschließende Besitzverlangen erklärt die gehobene nichtsexuelle Bedeutung. Der Blick richtet sich auf einen begehrten Gegenstand.

„Sie empfand seinen langen Blick als lüstern und wandte sich ab.“

Das Urteil wird ihrer Wahrnehmung zugeordnet. Ihre Reaktion zeigt zugleich, dass das zugeschriebene Interesse nicht als gegenseitige Annäherung beschrieben werden darf.

„Seine Gedanken kreisten lüstern um die erwachsene Person, mit der er zuvor geflirtet hatte; im Gespräch blieb er dennoch zurückhaltend.“

Innere Begierde und äußeres Verhalten werden getrennt. Der Satz behauptet nicht, dass aus dem Gefühl bereits eine Handlung folgt.

Synonyme für lüstern: passend zum Zusammenhang

Lüstern hebt starkes Begehren hervor, häufig in sexueller Bedeutung. In gehobener Sprache kann das Verlangen auch Besitz oder Genuss betreffen. Ein Ersatzwort muss den Gegenstand erkennen lassen. Ein Blick auf eine Person, ein Schmuckstück oder ein Essen erhält nicht automatisch dieselbe Deutung, nur weil jeweils ein intensives Interesse sichtbar scheint.

Wortalternativen und ihre Unterschiede
ErsatzwortPasst beiUnterschied
begehrlichBlicken und starkem Besitz- oder sinnlichem VerlangenLiegt nahe und richtet den Blick besonders auf das ersehnte Gegenüber oder Objekt.
begierigstarkem Verlangen nach etwasIst deutlich weiter und kann auch Wissen oder eine Gelegenheit betreffen, ohne sexuelle Bedeutung.
gierigals maßlos wahrgenommenem VerlangenVerstärkt häufig die negative Bewertung und kann einen fehlenden Maßstab oder Rücksichtsmangel unterstellen.

Wörter im Satz vergleichen

Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.

Ausgangssatz: „Die Figur betrachtet das kostbare Armband lüstern.“
Alternative: „Die Figur betrachtet das kostbare Armband begehrlich.“

Begehrlich passt, wenn die Erzählung den Besitzwunsch zeigt. Es verdeutlicht die nichtsexuelle Lesart, ohne bereits zu behaupten, die Figur werde das Armband an sich nehmen.

Ausgangssatz: „Er wartet lüstern auf den angekündigten Nachtisch.“
Alternative: „Er wartet begierig auf den angekündigten Nachtisch.“

Begierig wirkt hier weniger ungewöhnlich und beschreibt den starken Wunsch nach Genuss. Gierig würde das Verlangen deutlicher als übermäßig bewerten und wäre deshalb keine ganz neutrale Variante.

Hier passt der Austausch nicht: Liebend bezeichnet empfundene Liebe. Lüsternes Begehren beweist weder eine Liebesbeziehung noch, dass die betrachtete Person das Interesse erwidert. Auch lasziv kann eher eine aufreizende Wirkung des Auftretens beschreiben als das eigene Verlangen.

Bei „Sie empfindet seinen Blick als lüstern“ bleibt die Deutung an ihre Wahrnehmung gebunden. Eine Umformulierung sollte diesen Bezug erhalten. Das Wort allein belegt keine Handlung; in einer Analyse müssen Blick, zugeschriebene Gedanken und tatsächliches Verhalten getrennt betrachtet werden.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Liebend
Beschreibt empfundene Liebe und kann viele Beziehungen betreffen. Lüstern hebt dagegen Begehren hervor; daraus folgt weder eine Liebesbeziehung noch deren Fehlen.
Lasziv
Kann eine aufreizende oder sinnlich wirkende Art bezeichnen. Lüstern richtet den Blick stärker auf das begehrende Verlangen oder dessen Ausdruck.
Begierig
Ist weiter gefasst und kann sich etwa auf Wissen oder eine Gelegenheit beziehen. Lüstern hat einen stärkeren Bezug zu sinnlichem Genuss, Besitz oder sexueller Begierde.

Schreibung und Grammatik

Lüstern ist ein Adjektiv. Vor einem Nomen lauten die Formen ein lüsterner Blick, eine lüsterne Vorstellung und lüsterne Gedanken. In sie blickt lüstern bleibt das Adjektiv ungebeugt. Vergleichsformen sind lüsterner und am lüsternsten. Bei einer Ergänzung ist beispielsweise lüstern auf einen Gegenstand möglich; auf steht dabei mit Akkusativ.

Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.

Beugung von lüstern

Ein lüsterner Blick drückt starkes Begehren aus. Der Bezug kann sexuell sein oder im gehobenen Gebrauch Besitz und Genuss betreffen. Die Beugungsformen haben kein zusätzliches d.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlüsternerlüsternelüsterneslüsterne
Genitivlüsternenlüsternerlüsternenlüsterner
Dativlüsternemlüsternerlüsternemlüsternen
Akkusativlüsternenlüsternelüsterneslüsterne
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlüsternelüsternelüsternelüsternen
Genitivlüsternenlüsternenlüsternenlüsternen
Dativlüsternenlüsternenlüsternenlüsternen
Akkusativlüsternenlüsternelüsternelüsternen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativlüsternerlüsternelüsterneslüsternen
Genitivlüsternenlüsternenlüsternenlüsternen
Dativlüsternenlüsternenlüsternenlüsternen
Akkusativlüsternenlüsternelüsterneslüsternen

Herkunft und Wortbildung

Lüstern entstand aus lüsternd, der Partizipform eines heute veralteten Verbs mit der Bedeutung Lust haben. Dieses gehört zu den älteren Formen lüsten und lusten und zur Wortfamilie von Lust. Das heutige Adjektiv wird ohne abschließendes d geschrieben; seine Herkunft ist nicht mit einer noch heutigen Partizipschreibung gleichzusetzen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur mustert das Collier und stellt sich mehrfach vor, es selbst zu besitzen. Im Zusammenhang lässt sich ihr Blick als lüstern beschreiben. Bei einem Blick auf einen Menschen müsste die Analyse ebenso sorgfältig belegen, wer das Begehren wahrnimmt und welche weiteren Hinweise der Text dafür gibt.

Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.

Lüstern in der Übersicht der Charaktereigenschaften