nachgiebig

Nachgiebig: Bereit, auf eine Forderung einzugehen oder den eigenen Widerstand aufzugeben; bei Materialien auch einem Druck leicht nachgebend.

Was bedeutet nachgiebig?

Nachgiebig ist jemand, der seine ursprüngliche Forderung oder seinen Widerstand relativ leicht zurücknimmt. Die Person lässt sich umstimmen, erlaubt eine Ausnahme oder kommt einem Wunsch entgegen. Das Wort beschreibt zunächst diese Bereitschaft zum Nachgeben. Ob sie sinnvoll oder problematisch ist, hängt von Anlass und Folgen ab.

Nachgiebigkeit kann Rücksicht und Verständigungsbereitschaft zeigen. Sie kann aber auch bedeuten, dass jemand wichtige eigene Grenzen zu schnell aufgibt. Eine Charakterisierung sollte deshalb prüfen, worin die Person nachgibt und ob sie ihre Entscheidung begründen kann. Ein einzelner vernünftiger Kompromiss beweist noch keine allgemeine Schwäche.

Nachgiebig ist außerdem nicht dasselbe wie nachsichtig. Nachsichtig bewertet Fehler oder Schwächen milde; nachgiebig verändert einen Widerstand oder eine Forderung. Eine Person kann einen Fehler freundlich beurteilen und dennoch an einer notwendigen Regel festhalten. Bei Sachen bezeichnet das Wort dagegen die körperliche Eigenschaft, unter Druck nachzugeben.

Auf den PunktNachgiebig beschreibt die Bereitschaft zum Nachgeben. Die Bewertung hängt davon ab, welche Grenze verändert wird und aus welchem Grund.

Beispiele und Verwendung

Bei der Wahl des Ausflugsziels war er nachgiebig, weil ihm beide Möglichkeiten recht waren.

So ist es gemeint: Das Nachgeben betrifft eine für ihn wenig wichtige Entscheidung.

Sie zeigte sich zu nachgiebig und übernahm trotz eigener Überlastung erneut die Aufgabe der anderen.

So ist es gemeint: Die Kritik wird durch eine aufgegebene wichtige Grenze begründet.

Das nachgiebige Polster passte sich dem Druck an.

So ist es gemeint: Hier liegt eine Materialbeschreibung vor, keine menschliche Haltung.

Typische Verbindungen: nachgiebig sein, jemandem gegenüber nachgiebig werden, eine nachgiebige Haltung, nachgiebiges Material.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

flexibel
Betont Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen. Dafür muss nicht immer eine fremde Forderung übernommen werden.
angepasst
Beschreibt Orientierung an Erwartungen oder Regeln. Nachgiebig setzt häufig einen zuvor vorhandenen Widerstand oder eigenen Wunsch voraus.
Nachsichtig
Bezeichnet einen milden Umgang mit Fehlern. Nachgiebig betrifft dagegen das Zurücknehmen einer Forderung oder Grenze.

konsequent kann das Festhalten an einem begründeten Maßstab hervorheben. Unnachgiebig bezeichnet fehlende Bereitschaft zum Nachgeben und kann je nach Situation anerkennend oder kritisch gemeint sein.

Nachgiebig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Wohngemeinschaftsszene möchte Amir am Wochenende einen Raum für eigene Arbeit nutzen. Als zwei Mitbewohner nacheinander um eine Änderung bitten, stimmt er jeweils sofort zu. Der Erzähler zeigt zugleich, dass Amir die Zeit dringend braucht und sich später über die erneut aufgegebene Arbeitsmöglichkeit ärgert.

  1. Beobachtung: Amir nimmt seinen begründeten eigenen Wunsch rasch zugunsten fremder Bitten zurück.
  2. Deutung: Er wirkt in dieser Situation nachgiebig; der spätere Ärger zeigt, dass er dabei eine für ihn wichtige Grenze aufgegeben hat.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene erklärt nicht sicher, ob Angst vor Streit oder ein anderer Beweggrund dahintersteht. Ein gleichberechtigter, für alle passender Kompromiss wäre anders zu bewerten.

Musterformulierung

Amir verhält sich bei der Raumnutzung nachgiebig. Er stimmt beiden Änderungswünschen sofort zu, obwohl er die Arbeitszeit dringend benötigt. Sein späterer Ärger verdeutlicht, dass das Nachgeben hier zulasten eines wichtigen eigenen Anliegens geht; über das genaue Motiv lässt der Text die Lesenden jedoch im Unklaren.

Der Absatz bewertet nicht jedes Entgegenkommen negativ, sondern erklärt die konkrete aufgegebene Grenze. Zugleich bleibt die nicht mitgeteilte Motivation offen.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
nach·gie·big
Verwandtes Nomen
die Nachgiebigkeit

Nachgiebig wird mit ie geschrieben. Vor Nomen heißt es eine nachgiebige Haltung oder mit nachgiebigem Verhalten. Die Steigerung vergleicht die Bereitschaft oder Leichtigkeit des Nachgebens. Bei Material kann sie den Grad der Verformbarkeit unter Druck bezeichnen.

Grundformnachgiebig
Komparativnachgiebiger
Superlativam nachgiebigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativnachgiebigernachgiebigenachgiebigesnachgiebige
Genitivnachgiebigennachgiebigernachgiebigennachgiebiger
Dativnachgiebigemnachgiebigernachgiebigemnachgiebigen
Akkusativnachgiebigennachgiebigenachgiebigesnachgiebige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder nachgiebigedie nachgiebigedas nachgiebigedie nachgiebigen
Genitivdes nachgiebigender nachgiebigendes nachgiebigender nachgiebigen
Dativdem nachgiebigender nachgiebigendem nachgiebigenden nachgiebigen
Akkusativden nachgiebigendie nachgiebigedas nachgiebigedie nachgiebigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein nachgiebigereine nachgiebigeein nachgiebigeskeine nachgiebigen
Genitiveines nachgiebigeneiner nachgiebigeneines nachgiebigenkeiner nachgiebigen
Dativeinem nachgiebigeneiner nachgiebigeneinem nachgiebigenkeinen nachgiebigen
Akkusativeinen nachgiebigeneine nachgiebigeein nachgiebigeskeine nachgiebigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Das Wort gehört zur Wortfamilie von nachgeben. In der Personenbeschreibung wird dessen Bedeutung des Zurücknehmens von Widerstand aufgegriffen; beim Material die Bedeutung des Nachgebens unter Druck. Beide Verwendungen dürfen nicht ohne Prüfung ineinander überführt werden.

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