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schäbig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
schäbig
Worttrennung
schä·big
Komparativ
schäbiger
Superlativ
am schäbigsten

Vergleichsformen können Abnutzung oder eine stark abgewertete Handlungsweise betreffen. Die Beschaffenheit eines Mantels ist kein Beleg für den Charakter seines Trägers.

Formen und Verwendung im Detail

Abgenutzt und unansehnlich oder armselig gering; auf Verhalten bezogen stark abwertend für gemeines, unredliches, kleinliches oder geiziges Handeln.

Was bedeutet schäbig?

Schäbig beschreibt Dinge, die durch Abnutzung unansehnlich geworden sind oder ärmlich wirken. Auch ein kümmerlicher Rest kann so genannt werden. Bei einer Handlung oder einer Person ist dagegen eine starke moralische Abwertung gemeint: Das Verhalten erscheint gemein, unredlich oder verachtenswert. Außerdem kann schäbig einen kleinlichen, geizigen Umgang mit anderen bezeichnen.

Diese Bedeutungen müssen auseinandergehalten werden. Abgetragene Kleidung ist kein Beleg für einen schlechten Charakter, und geringe Mittel machen einen Menschen nicht geizig. Im moralischen Gebrauch benötigt das Urteil eine konkrete Grundlage, etwa das Ausnutzen fremder Not oder das bewusste Abschieben einer eigenen Schuld. Der Ausdruck schäbiger Mensch geht dabei weiter als die Kritik an einer einzelnen schäbigen Handlung. Er sollte in einer Analyse als umfassendes und deutlich wertendes Urteil erkennbar bleiben.

Drei Beispiele für schäbig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Der schäbige Koffer hatte abgescheuerte Ecken und einen mehrfach geflickten Griff, erfüllte aber weiterhin seinen Zweck.“

Das Wort beschreibt den äußeren Zustand. Die Gebrauchstauglichkeit und die Eigenschaften seines Besitzers werden damit nicht beurteilt.

„Es war schäbig von ihm, der abwesenden Kollegin die Schuld an dem Fehler zuzuschieben, den er selbst verursacht hatte.“

Die bewusste Verlagerung der Verantwortung begründet die moralische Kritik. Hier geht es um eine Handlung und nicht um eine äußere Erscheinung.

„Obwohl er den vereinbarten Anteil problemlos zahlen konnte, zog er seiner Helferin schäbig jeden kleinen Materialrest vom Lohn ab.“

Die Szene richtet den Vorwurf auf kleinlichen Eigennutz. Der Zusatz zur vorhandenen Möglichkeit unterscheidet Geiz von fehlenden Mitteln.

Synonyme für schäbig: passend zum Zusammenhang

Schäbig kann einen abgenutzten äußeren Zustand oder ein moralisch missbilligtes Verhalten beschreiben. Diese Bedeutungen dürfen beim Ersetzen nicht vermischt werden. Ein schäbiger Mantel belegt keine schlechte Haltung seines Besitzers. Bei einer Handlung sollte dagegen deutlich werden, ob bewusste Gemeinheit, Unredlichkeit oder kleinlicher Geiz kritisiert wird. Die Alternative gewinnt an Genauigkeit, wenn der jeweilige Anlass im Satz sichtbar bleibt.

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AlternativePassend beiUnterschied
abgetragenKleidung mit deutlichen GebrauchsspurenBeschreibt die Abnutzung neutraler und enthält weniger Abwertung des Aussehens.
gemeinverletzendem oder unfairem VerhaltenPasst zum moralischen Urteil, nicht zum bloßen Zustand eines Gegenstands.
geizigunangemessenem Zurückhalten vorhandener MittelErfasst nur die entsprechende Lesart und braucht Hinweise auf Möglichkeiten und Verhalten.

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Der schäbige Mantel hatte blank gescheuerte Ärmel.“

Alternative: „Der abgetragene Mantel hatte blank gescheuerte Ärmel.“

Abgetragen beschreibt dieselben Gebrauchsspuren mit weniger Geringschätzung. Ob der Mantel noch warm hält oder sein Besitzer knapp bei Kasse ist, geht aus diesem Merkmal allein nicht hervor.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Es war schäbig, der abwesenden Kollegin den eigenen Fehler anzulasten.“

Alternative: „Es war gemein, der abwesenden Kollegin den eigenen Fehler anzulasten.“

Gemein trifft die moralische Kritik am Abschieben der Verantwortung. Die Handlung selbst begründet das Urteil; eine Aussage über sämtliche Eigenschaften der Person ist damit noch nicht gerechtfertigt.

Grenze des Austauschs: Arm bezeichnet fehlende Mittel und ist kein Synonym für geizig oder moralisch schäbig. Scheinheilig setzt eine vorgetäuschte gute Haltung voraus, während eine schäbige Handlung auch ganz offen geschehen kann.

Schäbig wird mit ä geschrieben und regelmäßig gebeugt: ein schäbiger Koffer, eine schäbige Ausrede. In einer Analyse sollte außerdem erkennbar sein, wer urteilt. Die Formulierung „Die Erzählerin nennt das Verhalten schäbig“ wahrt diese Perspektive, bis das Urteil anhand der dargestellten Handlung geprüft wird.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Abgetragen
Beschreibt Spuren längerer Benutzung, etwa an Kleidung. Schäbig fügt eine deutlich negative Bewertung des Erscheinungsbilds hinzu.
Geizig
Benennt eine übertriebene Zurückhaltung beim Geben oder Ausgeben. Schäbig kann diesen Vorwurf enthalten, umfasst aber auch andere Formen gemeinen Verhaltens.
Scheinheilig
Bezeichnet den Widerspruch zwischen vorgetäuschter Tugend und tatsächlichem Verhalten. Eine schäbige Handlung kann offen geschehen und muss nicht durch eine tugendhafte Fassade verdeckt sein.

Schreibung und Grammatik

Schäbig wird mit ä geschrieben: ein schäbiger Mantel, eine schäbige Ausrede, schäbiges Verhalten. Die Steigerung lautet schäbiger, am schäbigsten. Das Substantiv heißt Schäbigkeit. In er handelt schäbig steht das Adjektiv adverbial; in sein Verhalten ist schäbig prädikativ. Die Verbindung jemandem gegenüber schäbig sein benennt, gegen wen sich das kritisierte Verhalten richtet.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von schäbig

Ein schäbiger Mantel ist abgenutzt, ein schäbiger Trick wird moralisch verurteilt. Die Beschaffenheit der Kleidung sagt nichts über den Charakter ihres Trägers aus.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschäbigerschäbigeschäbigesschäbige
Genitivschäbigenschäbigerschäbigenschäbiger
Dativschäbigemschäbigerschäbigemschäbigen
Akkusativschäbigenschäbigeschäbigesschäbige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschäbigeschäbigeschäbigeschäbigen
Genitivschäbigenschäbigenschäbigenschäbigen
Dativschäbigenschäbigenschäbigenschäbigen
Akkusativschäbigenschäbigeschäbigeschäbigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschäbigerschäbigeschäbigesschäbigen
Genitivschäbigenschäbigenschäbigenschäbigen
Dativschäbigenschäbigenschäbigenschäbigen
Akkusativschäbigenschäbigeschäbigesschäbigen

Herkunft und Wortbildung

Die mittelhochdeutsche Form schebic bezog sich ursprünglich auf Räude. Sie gehört zu den heute veralteten Krankheitsbezeichnungen Schabe und Schäbe und zur Wortfamilie von schaben. Die heutigen Urteile über abgenutzte Dinge oder gemeines Verhalten sind von diesem historischen Krankheitsbezug zu unterscheiden.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Obwohl Ralf den Fehler kennt, nutzt er die Abwesenheit einer Kollegin, um ihr die Verantwortung zuzuschieben. Sein Verhalten erscheint schäbig, weil er sich bewusst auf Kosten einer anderen Person entlastet. Eine Charakterisierung sollte diese Handlung anführen. Die Beschreibung seines abgetragenen Mantels wäre für dasselbe moralische Urteil kein Beleg.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Schäbig in der Übersicht der Charaktereigenschaften