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schlau

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
schlau
Worttrennung
schlau
Komparativ
schlauer
Superlativ
am schlausten / am schlauesten

Beide Superlativvarianten sind belegt. Kluges Geschick und kritisch bewertete List sind verschiedene Lesarten. Aus etwas schlau werden steht mit Dativ.

Formen und Verwendung im Detail

Geschickt darin, Zusammenhänge oder günstige Möglichkeiten zu erkennen und für ein Ziel zu nutzen; je nach Zusammenhang anerkennend klug oder kritisch listig.

Was bedeutet schlau?

Schlau ist, wer günstige Möglichkeiten erkennt und geschickt nutzt. Dabei geht es oft um praktische Einfälle: Jemand findet einen ungewöhnlichen Lösungsweg, durchschaut eine Absicht oder erreicht mit wenig Aufwand sein Ziel. Der Ausdruck kann Anerkennung enthalten, ohne eine umfassende Aussage über Bildung oder Wissen zu machen. Auch eine Entscheidung, eine Frage oder ein Vorgehen kann schlau sein.

Zugleich kann schlau einen listigen Unterton haben. Der Vorteil entsteht dann etwa dadurch, dass jemand eine Schwachstelle ausnutzt oder seine Absicht verdeckt. Ob das bewundernswert oder unfair wirkt, hängt von Mitteln und Folgen ab. Ein schlauer Plan kann allen helfen; ein ebenso schlauer Trick kann andere benachteiligen. Die Wendung aus jemandem nicht schlau werden bedeutet dagegen, dessen Verhalten oder Absichten nicht recht zu verstehen.

Drei Beispiele für schlau

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Es war schlau von ihr, zuerst ein kleines Modell zu bauen, bevor sie das teure Material zuschnitt.“

Der überschaubare Versuch spart mögliche Fehler. Schlau lobt hier eine praktische Entscheidung, durch die niemand getäuscht wird.

„Er stellte eine schlau formulierte Frage und erfuhr dabei, welche Ausrede sein Gegenüber vorbereitet hatte.“

Die Frage liefert mehr Information, als sie zunächst erkennen lässt. Das gezielte Nutzen dieses Wissensvorsprungs bringt den listigen Unterton ins Spiel.

„Aus seinem plötzlichen Rückzug wurde sie nicht schlau: Am Morgen hatte er noch begeistert zugesagt.“

Die feste Wendung beschreibt fehlendes Verständnis. Sie besagt nicht, dass die Person grundsätzlich wenig intelligent wäre.

Synonyme für schlau: passend zum Zusammenhang

Schlau lobt häufig das geschickte Erkennen und Nutzen einer Möglichkeit. Es kann aber auch einen listigen Unterton haben. Das Ersatzwort sollte deshalb klären, ob eine praktische Lösung, ein umsichtiges Urteil oder ein verdeckter Plan gemeint ist. Ein schlauer Einfall beweist weder umfassende Bildung noch moralische Fairness. Für die Bewertung zählen neben dem Erfolg auch die eingesetzten Mittel und ihre Folgen.

Alternativen nach Zusammenhang auswählen
AlternativePassend beiUnterschied
cleverpraktischen Einfällen und geschickt genutzten MöglichkeitenLiegt nahe und wirkt häufig anerkennend, garantiert aber ebenfalls keine Fairness.
kluggut begründeten EntscheidungenKann stärker vorausschauendes Urteil und die Berücksichtigung von Folgen hervorheben.
listigindirektem oder verdecktem VorgehenBetont einen zunächst nicht durchschaubaren Plan und fügt damit einen engeren Schwerpunkt hinzu.

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Es war schlau, die Konstruktion zuerst mit Restmaterial zu erproben.“

Alternative: „Es war klug, die Konstruktion zuerst mit Restmaterial zu erproben.“

Klug passt zum vorausschauenden Vermeiden unnötiger Kosten. Die Entscheidung ist offen und für alle nachvollziehbar; listig würde ohne zusätzlichen verdeckten Plan eine unpassende Nuance einführen.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Mit einer schlauen Ablenkung brachte die Figur den Gegner dazu, den Ausgang freizugeben.“

Alternative: „Mit einer listigen Ablenkung brachte die Figur den Gegner dazu, den Ausgang freizugeben.“

Listig hebt die indirekte Strategie hervor. Ob sie bewundernswert oder unfair ist, hängt vom Ziel und von der Situation ab, nicht allein von ihrem Gelingen.

Grenze des Austauschs: Gebildet betrifft Wissen und Bildung, nicht jede praktische Lösung. Die Wendung „aus jemandem nicht schlau werden“ bedeutet dagegen, dessen Verhalten nicht zu verstehen. Hier funktionieren clever oder klug als bloßer Worttausch nicht.

Vor Nomen steht eine Endung: eine schlaue Frage. Bei „aus etwas schlau werden“ folgt auf aus der Dativ. Eine verständliche Analyse erklärt anschließend den erkannten Vorteil oder Umweg; die bloße Anhäufung von schlau, clever und klug liefert noch keine Begründung.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Klug
Kann ein weiter reichendes, umsichtiges Urteil bezeichnen. Schlau hebt oft stärker den geschickten Weg zu einem konkreten Vorteil oder Ziel hervor.
Scharfsinnig
Betont das genaue Erfassen und Durchdenken von Zusammenhängen. Eine schlau gewählte Abkürzung muss keine tiefgehende Analyse voraussetzen.
Listig
Stellt das indirekte, möglicherweise täuschende Vorgehen in den Vordergrund. Schlau kann diese Färbung annehmen, ist aber auch ohne Täuschung positiv verwendbar.

Schreibung und Grammatik

Schlau wird als Adjektiv gebeugt: ein schlauer Einfall, eine schlaue Frage, ein schlaues Vorgehen. Gebräuchliche Steigerungsformen sind schlauer und am schlausten. In sie handelt schlau steht das Wort adverbial; in ihre Entscheidung war schlau steht es prädikativ. Aus etwas schlau werden verlangt aus mit dem Dativ. Sich schlaumachen bezeichnet das Einholen von Informationen: Er macht sich über die Möglichkeiten schlau.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von schlau

Ein schlauer Einfall nutzt eine günstige Möglichkeit. Ob das kluge Geschick allen hilft oder andere täuscht, geht aus Absicht und Vorgehen hervor; die Form allein entscheidet darüber nicht.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschlauerschlaueschlauesschlaue
Genitivschlauenschlauerschlauenschlauer
Dativschlauemschlauerschlauemschlauen
Akkusativschlauenschlaueschlauesschlaue
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschlaueschlaueschlaueschlauen
Genitivschlauenschlauenschlauenschlauen
Dativschlauenschlauenschlauenschlauen
Akkusativschlauenschlaueschlaueschlauen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschlauerschlaueschlauesschlauen
Genitivschlauenschlauenschlauenschlauen
Dativschlauenschlauenschlauenschlauen
Akkusativschlauenschlaueschlauesschlauen

Herkunft und Wortbildung

Schlau wurde aus dem Niederdeutschen übernommen. Die ältere Form slū bedeutete schleichend und ist mit schlüpfen verwandt. Heute kann schlau jedoch auch einen offen erklärten, für alle nützlichen Einfall loben; verborgenes Vorgehen ist keine notwendige Bedeutung jedes Satzes.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Nuri prüft seine Idee zunächst am Modell und verhindert damit einen kostspieligen Fehler. Er geht schlau vor, weil er eine einfache Möglichkeit zur Absicherung erkennt. Soll daraus ein wiederkehrender Charakterzug werden, braucht die Analyse weitere vergleichbare Entscheidungen. Bei einer verdeckten List sollte sie außerdem benennen, wem der Vorteil zugutekommt und ob andere dadurch Nachteile haben.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Schlau in der Übersicht der Charaktereigenschaften