listig
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- listig
- Worttrennung
- lis·tig
- Komparativ
- listiger
- Superlativ
- am listigsten
Die Steigerung betrifft verborgenes Geschick oder eine List. Ob das Vorgehen bewundert oder als Täuschung kritisiert wird, ergibt sich aus Absicht und Folgen.
Geschickt verdeckte Möglichkeiten oder Einfälle nutzend, um ein Ziel zu erreichen; von einem für andere nicht sofort erkennbaren Plan zeugend.
Was bedeutet listig?
Listig beschreibt ein Vorgehen, bei dem jemand einen Vorteil erkennt oder einen Plan entwickelt, den andere zunächst nicht durchschauen. Statt das Ziel nur offen und unmittelbar anzustreben, nutzt die Person einen geschickten Umweg, eine Ablenkung oder eine übersehene Möglichkeit. Das Wort kann die handelnde Person ebenso charakterisieren wie ihren Einfall, ihren Blick oder ihre Frage.
List wird je nach Zusammenhang unterschiedlich bewertet. In einer erfundenen Abenteuergeschichte kann eine schwächere Figur listig einer Gefahr entkommen. In einer anderen Szene dient derselbe Einfallsreichtum dazu, jemanden unfair auszunutzen. Für das moralische Urteil sind deshalb Ziel, Mittel und Folgen wichtig. Listig bedeutet weder automatisch bewundernswert noch notwendig bösartig.
Das Verborgene unterscheidet List von bloßem Können oder offener Überzeugungskraft. Wer eine schwierige Rechnung nachvollziehbar erklärt, kann klug sein, ohne listig zu handeln. Bei einer listigen Frage liegt dagegen vielleicht eine zusätzliche Absicht hinter dem scheinbar harmlosen Wortlaut. Ob diese Absicht tatsächlich besteht, muss ein Text erkennbar machen; ein Lächeln allein reicht dafür nicht.
Drei Beispiele für listig
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Die gefangene Märchenfigur stellte sich listig schlafend, bis der Wächter unaufmerksam wurde und sie entkommen konnte.“
Die Täuschung dient im erfundenen Beispiel der Flucht aus einer Gefahr. Das Wort betont den verdeckten Plan, nicht die körperliche Stärke.
„Mit einer listigen Frage brachte sie ihren Mitspieler dazu, den geheim gehaltenen Namen versehentlich zu nennen.“
Die Frage verfolgt ein zusätzliches, zunächst verborgenes Ziel. Ob dies fair ist, hängt unter anderem von den Regeln des Spiels ab.
„Seine Erklärung war klug, aber nicht listig: Er legte alle Schritte offen und versuchte niemanden in die Irre zu führen.“
Das Gegenbeispiel trennt gedankliches Geschick von einem verdeckten Vorgehen. Nicht jede raffinierte Lösung beruht auf List.
Synonyme für listig: passend zum Zusammenhang
Listig betont ein geschickt verdecktes Vorgehen. Eine Figur nutzt eine übersehene Möglichkeit, lenkt jemanden ab oder verfolgt hinter einer harmlosen Frage ein weiteres Ziel. Nahe Wörter unterscheiden sich darin, wie deutlich sie diesen verborgenen Plan mitmeinen. Ob die List hilfreich, spielerisch oder unfair ist, ergibt sich aus Ziel und Folgen.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| schlau | geschickter Nutzung einer Lage | Kann listiges Vorgehen meinen, ist aber weiter und lobt auch offene, praktische Klugheit. |
| gewitzt | einfallsreichem, wendigem Handeln | Betont den klugen Einfall und klingt oft anerkennend; eine Täuschung ist nicht immer enthalten. |
| raffiniert | ausgeklügelten Einfällen und Verfahren | Hebt die geschickte Ausarbeitung hervor, die harmlos oder problematisch eingesetzt werden kann. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Mit einer listigen Rückfrage erfährt sie den geheimen Treffpunkt.“
Alternative: „Mit einer raffinierten Rückfrage erfährt sie den geheimen Treffpunkt.“
Raffiniert passt, wenn die Frage so geschickt gebaut ist, dass sie mehr preisgeben lässt, als ihr Gegenüber beabsichtigt. Listig hebt die verborgene Absicht noch deutlicher hervor.
Ausgangssatz: „Die Spielfigur lockt den Wächter listig vom Tor weg.“
Alternative: „Die Spielfigur lockt den Wächter schlau vom Tor weg.“
Schlau kann im erfundenen Spiel die clevere Lösung loben. Der konkrete Vorgang des Weglockens erhält die verdeckte Strategie, die im allgemeineren Wort schlau allein nicht immer steckt.
Hier passt der Austausch nicht: Hinterhältig ist ein stärkerer negativer Vorwurf. Eine listige Flucht aus einer ungerechten Gefangenschaft kann anerkennend erzählt werden. Der Austausch würde dann die moralische Bewertung verändern und wäre ohne weitere Gründe unpassend.
Bei einem listigen Blick wird ein Plan aus einem sichtbaren Ausdruck erschlossen. Eine genaue Analyse braucht dafür mehr als ein Lächeln. Erst eine folgende Handlung, ein Gedanke oder eine ausdrücklich erzählte Absicht macht nachvollziehbar, weshalb der Blick als listig verstanden wird.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Klug
- Betont gutes Verstehen und zweckmäßiges Urteilen. Listig ergänzt den Gedanken eines verdeckten oder nicht sofort erkennbaren Vorgehens.
- Arglistig
- Hebt eine negativ bewertete, hinterhältige Täuschung hervor. Listig lässt je nach Situation auch eine anerkennende Beurteilung des Einfalls zu.
- Clever
- Beschreibt geschicktes und gewitztes Handeln. Es kann mit listig zusammenpassen, setzt aber nicht in jeder Verwendung eine verborgene Absicht voraus.
Schreibung und Grammatik
Listig ist ein Adjektiv: ein listiger Einfall, eine listige Frage. Die Steigerung lautet listiger, am listigsten. In sie ging listig vor wird das Adjektiv adverbial und ohne Beugungsendung gebraucht. Das Nomen List bezeichnet das verdeckte Vorgehen oder einen entsprechenden Einfall; Listigkeit kann die Eigenschaft benennen. Listig ist keine Ableitung von Liste im Sinn einer geordneten Aufzählung.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von listig
Ein listiger Plan arbeitet mit einem schwer durchschaubaren Vorgehen. Ob das Geschick bewundert oder als Täuschung kritisiert wird, hängt von Absicht und Folgen ab.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | listiger | listige | listiges | listige |
| Genitiv | listigen | listiger | listigen | listiger |
| Dativ | listigem | listiger | listigem | listigen |
| Akkusativ | listigen | listige | listiges | listige |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | listige | listige | listige | listigen |
| Genitiv | listigen | listigen | listigen | listigen |
| Dativ | listigen | listigen | listigen | listigen |
| Akkusativ | listigen | listige | listige | listigen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | listiger | listige | listiges | listigen |
| Genitiv | listigen | listigen | listigen | listigen |
| Dativ | listigen | listigen | listigen | listigen |
| Akkusativ | listigen | listige | listiges | listigen |
Herkunft und Wortbildung
Mittelhochdeutsch listec und althochdeutsch listīg gehören zu List. Das heutige Adjektiv kann Geschick hervorheben, aber auch eine verborgene Täuschungsabsicht kritisieren. Welche Bewertung gerechtfertigt ist, ergibt sich nicht aus der Wortgeschichte, sondern aus dem beschriebenen Vorgehen.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur erkennt, dass sie dem Wächter körperlich unterlegen ist, täuscht Schlaf vor und nutzt den passenden Augenblick zur Flucht. Ihr Vorgehen ist listig, weil es auf einem verdeckten Plan beruht. Die Analyse kann anschließend erklären, warum diese List innerhalb der erzählten Gefahr anders beurteilt wird als die Ausnutzung eines arglosen Menschen.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
