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selbstüberschätzend

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
selbstüberschätzend
Worttrennung
selbst·über·schät·zend

Adjektivische Partizipverbindung; überschätzt sich stärker ist für Vergleiche oft deutlicher. In sich selbst überschätzend ist sich das reflexive Objekt, keine zusätzliche Adjektivendung.

Formen und Verwendung im Detail

Die eigene Person, ihre Fähigkeiten oder Möglichkeiten höher einschätzend, als es den tatsächlichen Voraussetzungen entspricht.

Was bedeutet selbstüberschätzend?

Selbstüberschätzend beschreibt eine Person oder Haltung, bei der die eigenen Fähigkeiten, Kräfte oder Einflussmöglichkeiten zu hoch angesetzt werden. Die entscheidende Abweichung liegt zwischen Selbsteinschätzung und tatsächlichen Voraussetzungen. Das Wort kritisiert also nicht bloß eine hohe Meinung von sich, sondern eine unzutreffend hohe. Wer eine anspruchsvolle Aufgabe realistisch bewältigen kann, überschätzt sich nicht allein dadurch, dass er sich viel zutraut.

Die Zusammensetzung ist verständlich, klingt aber häufig schwerer als die Formulierung sich selbst überschätzend. Sie kann sich auf einen begrenzten Bereich beziehen: Jemand mag die eigene Erfahrung bei einer neuen Aufgabe überschätzen und andere Fähigkeiten durchaus nüchtern beurteilen. Auch ein späterer Misserfolg beweist noch nicht automatisch Selbstüberschätzung. Unvorhersehbare äußere Ereignisse können einen zuvor gut begründeten Plan scheitern lassen.

Drei Beispiele für selbstüberschätzend

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Er trat selbstüberschätzend auf und versprach, die anspruchsvolle Reparatur ohne Erfahrung und ohne Vorbereitung in wenigen Minuten zu erledigen.“

Die Zusage steht in einem erkennbaren Missverhältnis zu den Voraussetzungen. Die Bewertung wird durch fehlende Erfahrung und unrealistischen Zeitansatz begründet.

„Ihre selbstüberschätzende Planung ließ keinen Raum für die Arbeitsschritte, die sie beim ersten Versuch noch gar nicht beherrschte.“

Hier zeigt sich die Fehleinschätzung in der Planung. Nicht Ehrgeiz allein, sondern das Übergehen bekannter Lernanforderungen trägt den Ausdruck.

„Der Gegner hielt ihre Ankündigung für selbstüberschätzend, kannte jedoch ihre langjährige Vorbereitung nicht.“

Die Zuschreibung kann selbst auf einer falschen Einschätzung beruhen. Eine Analyse muss prüfen, ob das Urteil des Gegners durch die übrigen Textangaben bestätigt wird.

Ähnliche Wörter unterscheiden

Selbstbewusst
Benennt Vertrauen in den eigenen Wert und die eigenen Fähigkeiten. Selbstüberschätzend fügt den entscheidenden Vorwurf hinzu, dass die Einschätzung zu hoch ausfällt.
Ehrgeizig
Beschreibt den Wunsch nach Leistung oder Erfolg. Ein hohes Ziel kann mit einer realistischen Einschätzung des erforderlichen Lernens verbunden sein.
Selbstgefällig
Betont eitles Wohlgefallen an sich. Selbstüberschätzung kann damit einhergehen, lässt sich aber auch ohne sichtbares Selbstlob in einer unpassenden Entscheidung erkennen.

Schreibung und Grammatik

Die Zusammensetzung wird selbstüberschätzend geschrieben: ein selbstüberschätzender Anfänger, eine selbstüberschätzende Haltung, selbstüberschätzendes Auftreten. Die ausführliche Form lautet sich selbst überschätzend; sich ist dabei das reflexive Objekt des Verbs. Überschätzend ist dessen Partizip I. Für Vergleiche ist überschätzt sich stärker meist klarer als eine lange Steigerungsform. Das Substantiv heißt Selbstüberschätzung.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von selbstüberschätzend

Die Formen passen zu einer selbstüberschätzenden Haltung. Bei Personen ist auch die ausführliche Wendung sich selbst überschätzend anschaulich: ein sich selbst überschätzender Anfänger. Gemeint ist eine zu hohe Selbsteinschätzung, nicht bloß Selbstvertrauen.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstüberschätzenderselbstüberschätzendeselbstüberschätzendesselbstüberschätzende
Genitivselbstüberschätzendenselbstüberschätzenderselbstüberschätzendenselbstüberschätzender
Dativselbstüberschätzendemselbstüberschätzenderselbstüberschätzendemselbstüberschätzenden
Akkusativselbstüberschätzendenselbstüberschätzendeselbstüberschätzendesselbstüberschätzende
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstüberschätzendeselbstüberschätzendeselbstüberschätzendeselbstüberschätzenden
Genitivselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzenden
Dativselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzenden
Akkusativselbstüberschätzendenselbstüberschätzendeselbstüberschätzendeselbstüberschätzenden
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativselbstüberschätzenderselbstüberschätzendeselbstüberschätzendesselbstüberschätzenden
Genitivselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzenden
Dativselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzendenselbstüberschätzenden
Akkusativselbstüberschätzendenselbstüberschätzendeselbstüberschätzendesselbstüberschätzenden

Herkunft und Wortbildung

Die Bildung verbindet selbst mit überschätzend. Überschätzen bedeutet, etwas oder jemanden zu hoch einzuschätzen; selbst richtet diesen Vorgang auf die eigene Person. Die Bedeutung folgt damit dem gleichen Selbstbezug wie das Substantiv Selbstüberschätzung. Eine bewusste Täuschung anderer ist im Wortaufbau nicht enthalten: Die Person kann ihrer überhöhten Einschätzung selbst glauben.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Obwohl Karim mehrere notwendige Fertigkeiten fehlen, lehnt er jede Einführung ab und behauptet, die Aufgabe mühelos zu beherrschen. Er handelt selbstüberschätzend. Die Analyse stellt seine Behauptung den im Text erkennbaren Voraussetzungen gegenüber. Erst dieser Vergleich begründet die Bewertung; ein lauter oder sicherer Ton allein würde nur sein Auftreten beschreiben.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Selbstüberschätzend in der Übersicht der Charaktereigenschaften