tüchtig

Tüchtig: Mit Können und Einsatz Aufgaben erfolgreich bewältigend; außerdem als umgangssprachliche Verstärkung für ein beträchtliches Ausmaß gebraucht.

Was bedeutet tüchtig?

Tüchtig verbindet bei Personen Leistungsfähigkeit mit praktischem Einsatz. Eine tüchtige Mitarbeiterin versteht ihre Aufgabe und bringt sie verlässlich voran. Das Wort lobt damit mehr als bloße Geschäftigkeit: Auch das Können und das brauchbare Ergebnis zählen.

Bei Sachen kann tüchtig eine beachtliche Menge oder Stärke ausdrücken. Wer einen tüchtigen Schrecken bekommt, beweist dadurch keine besondere Arbeitsleistung. In einer Charakterisierung sollte deshalb klar sein, ob eine Fähigkeit bewertet oder nur ein Ausmaß verstärkt wird.

Auf den PunktTüchtigkeit zeigt sich an passendem Können und dessen wirksamer Anwendung. Viel Bewegung allein ist kein Beleg.

Beispiele und Verwendung

Die tüchtige Schreinerin fand den Fehler und reparierte die Tür noch am selben Tag.

So ist es gemeint: Fachkenntnis und praktische Umsetzung greifen zusammen.

Beim Umzug half er tüchtig mit.

So ist es gemeint: Hier wird der erhebliche Einsatz hervorgehoben.

Die unerwartete Nachricht jagte ihr einen tüchtigen Schrecken ein.

So ist es gemeint: Das Adjektiv verstärkt das Ausmaß und beschreibt keine Charaktereigenschaft.

Typische Verbindungen: eine tüchtige Fachkraft, tüchtig arbeiten, tüchtig mithelfen, eine tüchtige Leistung, tüchtig zu tun haben.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

fleißig
Betont den anhaltenden Arbeitseinsatz. Tüchtig schließt stärker das Können und die Brauchbarkeit der Arbeit ein.
kompetent
Rückt Fähigkeiten und Sachkenntnis in den Mittelpunkt. Ob diese engagiert eingesetzt werden, bleibt damit noch offen.
geschäftig
Beschreibt sichtbare Aktivität, deren Ergebnis nicht unbedingt gut sein muss.

Unfähig ist ein Gegensatz hinsichtlich des Könnens; untätig hinsichtlich des Einsatzes. Eine kurze Ruhepause macht einen tüchtigen Menschen nicht untüchtig.

Tüchtig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte droht ein Dorffest auszufallen, weil mehrere Bänke beschädigt sind. Farah untersucht die Verbindungen, sortiert unbrauchbare Bretter aus und erklärt zwei Helfern die nötigen Arbeitsschritte. Sie prüft jede reparierte Bank, bevor sie freigegeben wird. Eine besonders stark beschädigte Bank nimmt sie aus dem Verkehr, statt eine schnelle Scheinreparatur zu versuchen.

  1. Beobachtung: Farah erkennt Schäden, organisiert passende Hilfe und kontrolliert das Ergebnis. Eine ungeeignete Reparatur lehnt sie ab.
  2. Deutung: Ihr Handeln zeigt Tüchtigkeit, weil fachliches Urteilen, Einsatz und ein brauchbares Ergebnis zusammenkommen.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene belegt ihre Fähigkeiten bei dieser Aufgabe. Daraus folgt keine Kompetenz in allen anderen Bereichen.

Musterformulierung

Farah erweist sich bei der Vorbereitung des Festes als tüchtig. Sie beurteilt die Schäden, verteilt sinnvolle Arbeitsschritte und überprüft die reparierten Bänke. Dass sie eine unsichere Bank aussortiert, zeigt, dass ihr Einsatz von sachlichem Können getragen wird und sich nicht in bloßer Eile erschöpft.

Der Absatz verbindet Aktivität mit fachlicher Entscheidung und Ergebniskontrolle. Die begrenzte Aufgabenbeschreibung verhindert ein pauschales Urteil über sämtliche Fähigkeiten.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
tüch·tig
Verwandtes Nomen
die Tüchtigkeit

Es heißt tüchtige Helfer und mit tüchtiger Unterstützung. In sie arbeitet tüchtig bleibt das Adjektiv ungebeugt. Die Steigerung bezieht sich auf den bewertbaren Personen- oder Leistungsgebrauch.

Grundformtüchtig
Komparativtüchtiger
Superlativam tüchtigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativtüchtigertüchtigetüchtigestüchtige
Genitivtüchtigentüchtigertüchtigentüchtiger
Dativtüchtigemtüchtigertüchtigemtüchtigen
Akkusativtüchtigentüchtigetüchtigestüchtige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder tüchtigedie tüchtigedas tüchtigedie tüchtigen
Genitivdes tüchtigender tüchtigendes tüchtigender tüchtigen
Dativdem tüchtigender tüchtigendem tüchtigenden tüchtigen
Akkusativden tüchtigendie tüchtigedas tüchtigedie tüchtigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein tüchtigereine tüchtigeein tüchtigeskeine tüchtigen
Genitiveines tüchtigeneiner tüchtigeneines tüchtigenkeiner tüchtigen
Dativeinem tüchtigeneiner tüchtigeneinem tüchtigenkeinen tüchtigen
Akkusativeinen tüchtigeneine tüchtigeein tüchtigeskeine tüchtigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Tüchtig ist als mittelhochdeutsch tühtic belegt und gehört sprachgeschichtlich zu taugen. Im heutigen Wortschatz ist die Verbindung von Brauchbarkeit und Können noch gut erkennbar.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften