überkandidelt
Überkandidelt: In übertriebener, auffälliger Weise extravagant oder verschroben wirkend.
Was bedeutet überkandidelt?
Überkandidelt ist ein umgangssprachlicher, meist abwertender Ausdruck. Er beschreibt ein Auftreten, eine Idee oder eine Gestaltung, die als übermäßig ausgefallen empfunden wird. Gemeint sein können große Gesten, aufwendige Inszenierungen oder eine auffällige Abkehr vom schlichten Zweck.
Das Urteil ist stark vom Geschmack und vom erwarteten Rahmen abhängig. Ungewöhnliche Kleidung oder ein origineller Einfall sind nicht für sich genommen ein Beleg. In einer Charakterisierung ist deshalb zu zeigen, wer das Übermaß wahrnimmt und woran es sich festmachen lässt.
Beispiele und Verwendung
Für die einfache Einladung wirkte die aufwendige Zeremonie überkandidelt.
So ist es gemeint: Das Urteil entsteht aus dem Verhältnis von Anlass und Inszenierung.
Er nannte ihren Entwurf überkandidelt, während andere ihn originell fanden.
So ist es gemeint: Unterschiedliche Betrachter bewerten dieselbe Gestaltung verschieden.
Ihre überkandidelten Auftritte waren Teil der bewusst komischen Rolle.
So ist es gemeint: Die Übertreibung kann absichtlich gestaltet sein.
Typische Verbindungen: überkandidelt wirken, ein überkandidelter Auftritt, überkandidelte Ideen, etwas überkandidelt finden.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- extravagant
- Betont auffällige Besonderheit und kann anerkennend gemeint sein.
- exzentrisch
- Beschreibt eine ungewöhnliche, eigenwillige Art, ohne zwingend deren Übermaß zu werten.
- überspannt
- Kann stärker übertriebene Erwartungen oder eine erregte, verschrobene Haltung meinen.
Schlicht, unaufdringlich und zurückgenommen können einen Gegensatz bilden.
Überkandidelt in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte soll Bruno eine kleine Buchrunde begrüßen. Er lässt für seinen Auftritt den Raum abdunkeln, verteilt mit Siegeln verschlossene Sitzkarten und hält eine lange Ansprache in Reimen. Die Gäste wollten lediglich das gelesene Kapitel besprechen. Eine Teilnehmerin findet den Aufwand komisch, eine andere nennt ihn überkandidelt.
- Beobachtung: Bruno gestaltet einen einfachen Beginn als aufwendige Inszenierung; die Gäste reagieren unterschiedlich.
- Deutung: Überkandidelt ist eine nachvollziehbare, aber perspektivische Bewertung des Missverhältnisses von Anlass und Aufwand.
- Grenze der Aussage: Die Szene beweist keine allgemeine Unvernunft. Der Aufwand kann absichtlicher Humor oder persönlicher Geschmack sein.
Musterformulierung
Brunos Begrüßung wirkt auf eine Teilnehmerin überkandidelt. Abdunklung, Siegelkarten und Reimansprache gehen weit über den erwarteten schlichten Einstieg hinaus. Da eine andere Besucherin daran Gefallen findet, sollte die Wertung als Perspektive kenntlich bleiben. Sicher erkennbar ist vor allem sein ausgeprägter Hang zur Inszenierung.
Der Absatz begründet das Wort und macht zugleich die unterschiedlichen Publikumsurteile sichtbar.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- über·kan·di·delt
- Verwandtes Nomen
- die Überkandideltheit
Es heißt ein überkandidelter Auftritt und mit überkandidelten Gesten. Der Superlativ lautet am überkandideltesten.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | überkandidelter | überkandidelte | überkandideltes | überkandidelte |
| Genitiv | überkandidelten | überkandidelter | überkandidelten | überkandidelter |
| Dativ | überkandideltem | überkandidelter | überkandideltem | überkandidelten |
| Akkusativ | überkandidelten | überkandidelte | überkandideltes | überkandidelte |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der überkandidelte | die überkandidelte | das überkandidelte | die überkandidelten |
| Genitiv | des überkandidelten | der überkandidelten | des überkandidelten | der überkandidelten |
| Dativ | dem überkandidelten | der überkandidelten | dem überkandidelten | den überkandidelten |
| Akkusativ | den überkandidelten | die überkandidelte | das überkandidelte | die überkandidelten |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein überkandidelter | eine überkandidelte | ein überkandideltes | keine überkandidelten |
| Genitiv | eines überkandidelten | einer überkandidelten | eines überkandidelten | keiner überkandidelten |
| Dativ | einem überkandidelten | einer überkandidelten | einem überkandidelten | keinen überkandidelten |
| Akkusativ | einen überkandidelten | eine überkandidelte | ein überkandideltes | keine überkandidelten |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Das Wort wird auf niederdeutsch kandidel in der Bedeutung heiter oder lustig bezogen. Als möglicher weiterer Anschluss wird lateinisch candidus genannt; dieser Teil der Herleitung ist nicht gesichert.
