ungestüm

Ungestüm: Mit großer, wenig zurückgehaltener Kraft oder Erregung auftretend und handelnd.

Was bedeutet ungestüm?

Ungestüm beschreibt einen stürmischen Ausdruck von Energie oder Gefühl. Eine Person umarmt jemanden sehr heftig, läuft voller Begeisterung los oder drängt ohne ruhigen Übergang in eine Situation. Die Wirkung kann herzlich, lebendig oder überfordernd sein.

Das Wort bedeutet nicht automatisch aggressiv. Entscheidend sind Richtung und Folgen der Kraft. Eine freudige Begrüßung kann ungestüm sein und trotzdem ungewollt eine Grenze überschreiten. In einer Charakterisierung sollte deshalb auch die Reaktion der anderen berücksichtigt werden.

Auf den PunktUngestüm betont ungebremste Stärke des Ausdrucks. Freude und Rücksichtslosigkeit sind dabei getrennt zu prüfen.

Beispiele und Verwendung

Ungestüm sprang er auf und umarmte die überraschte Besucherin.

So ist es gemeint: Die Freude äußert sich mit wenig Zurückhaltung.

Ihre ungestüme Begeisterung riss die Gruppe mit.

So ist es gemeint: Die starke Energie wirkt anregend.

Er bremste seinen ungestümen Schritt, als er das kleine Kind bemerkte.

So ist es gemeint: Die Bewegung kann bewusst angepasst werden.

Typische Verbindungen: ungestüm begrüßen, eine ungestüme Umarmung, ungestüme Freude, ungestüm loslaufen.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

stürmisch
Liegt sehr nahe und wird ebenfalls für lebhafte Bewegung oder Gefühle verwendet.
impulsiv
Betont die schnelle Reaktion aus einem unmittelbaren Antrieb.
aggressiv
Beschreibt eine angreifende Richtung; diese gehört nicht zwingend zu ungestüm.

Behutsam und zurückhaltend können Gegenbegriffe sein. Lebhaftigkeit allein ist kein Mangel an Rücksicht.

Ungestüm in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte kehrt Amirs Bruder nach langer Zeit zurück. Amir läuft ihm entgegen, packt seinen schweren Koffer und umarmt ihn so plötzlich, dass der Bruder einen Schritt zurückweicht. Als dieser um einen Moment bittet, lässt Amir sofort los, stellt den Koffer ab und wartet lächelnd.

  1. Beobachtung: Amir zeigt seine Freude mit raschen, kräftigen Bewegungen, reagiert aber auf die Bitte um Abstand.
  2. Deutung: Seine Begrüßung ist ungestüm, weil die Begeisterung zunächst wenig gebremst hervortritt.
  3. Grenze der Aussage: Das anschließende Warten spricht gegen eine pauschale Gleichsetzung mit Rücksichtslosigkeit. Die erste Überforderung bleibt dennoch sichtbar.

Musterformulierung

Amir begrüßt seinen Bruder ungestüm, indem er ihm entgegenläuft und ihn ohne Vorwarnung kräftig umarmt. Auf dessen Bitte hält er jedoch sofort inne. Die Szene zeigt starke, spontane Freude und zugleich die Bereitschaft, den Ausdruck an eine geäußerte Grenze anzupassen.

Der Absatz berücksichtigt sowohl die Intensität als auch die Reaktion auf die Bedürfnisse des Gegenübers.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·ge·stüm
Verwandtes Nomen
das Ungestüm (substantiviert); die Ungestümheit

Es heißt eine ungestüme Bewegung und mit ungestümer Freude. Bei Substantivierung wird großgeschrieben, etwa sein Ungestüm.

Grundformungestüm
Komparativungestümer
Superlativam ungestümsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativungestümerungestümeungestümesungestüme
Genitivungestümenungestümerungestümenungestümer
Dativungestümemungestümerungestümemungestümen
Akkusativungestümenungestümeungestümesungestüme
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder ungestümedie ungestümedas ungestümedie ungestümen
Genitivdes ungestümender ungestümendes ungestümender ungestümen
Dativdem ungestümender ungestümendem ungestümenden ungestümen
Akkusativden ungestümendie ungestümedas ungestümedie ungestümen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein ungestümereine ungestümeein ungestümeskeine ungestümen
Genitiveines ungestümeneiner ungestümeneines ungestümenkeiner ungestümen
Dativeinem ungestümeneiner ungestümeneinem ungestümenkeinen ungestümen
Akkusativeinen ungestümeneine ungestümeein ungestümeskeine ungestümen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Ungestüm ist im heutigen Deutsch ein eigenständiges Wort für stürmische, wenig gebremste Heftigkeit. Es lässt sich nicht sinnvoll als einfache Verneinung eines geläufigen Gegenworts „gestüm“ erklären.

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