widerborstig

Widerborstig: Sich gegen Wünsche, Anweisungen oder Einflussnahme sträubend und sich nur schwer fügen lassend. Daneben kann das Wort Haare bezeichnen, die sich schlecht glätten oder ordnen lassen.

Was bedeutet widerborstig?

Widerborstig nennt man eine Person, die sich einer Erwartung oder Anweisung spürbar widersetzt. Sie lässt sich nicht ohne Weiteres lenken, lehnt sich gegen eine Forderung auf oder begegnet Einflussversuchen mit sperriger Abwehr. Das Wort wird oft aus der Sicht derjenigen verwendet, die Zustimmung oder Gehorsam erwarten.

Damit ist noch nicht entschieden, ob der Widerstand unvernünftig ist. Eine Forderung kann unangemessen sein, eine Figur kann gute Einwände haben oder ihre Ablehnung nur ungeschickt äußern. Für die Charakterisierung sollten deshalb die Art der Gegenwehr und ihre Gründe getrennt geprüft werden. Die Bezeichnung allein macht die anweisende Person nicht automatisch zur richtigen Seite.

Widerborstig wird außerdem für schwer zu bändigendes Haar verwendet. Dieser anschauliche Gebrauch kann in literarischen Beschreibungen mit einer widersetzlichen Haltung verbunden werden. Ein solches äußeres Bild ist jedoch zunächst eine Gestaltung des Textes und kein allgemeingültiger Schluss von Frisur auf Charakter.

Auf den PunktWiderstand beschreiben, seine Gründe mitprüfen. Widerborstig ist eine Sicht auf das Verhalten, kein fertiges Urteil über die Berechtigung einer Forderung.

Beispiele und Verwendung

Er zeigte sich widerborstig, als die Gruppe ohne Rückfrage über seine Aufgabe bestimmte.

So ist es gemeint: Der Widerstand hat einen benannten Anlass; dessen Berechtigung bleibt zu prüfen.

Mit einer knappen Gegenfrage reagierte sie widerborstig auf jeden neuen Vorschlag.

So ist es gemeint: Das wiederholte Muster beschreibt eine sperrige Gesprächshaltung.

Sein widerborstiges Haar ließ sich kaum glätten.

So ist es gemeint: Hier geht es ausschließlich um eine äußere Beschaffenheit.

Typische Verbindungen: sich widerborstig zeigen, widerborstig reagieren, eine widerborstige Antwort, widerborstiges Haar.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

bockig
Betont häufig eine trotzige, als wenig begründet wahrgenommene Verweigerung. Auch dieses Urteil sollte durch die Szene geprüft werden.
eigensinnig
Richtet den Blick auf das Festhalten am eigenen Willen oder Urteil.
dickköpfig
Ist eine umgangssprachliche Bewertung hartnäckigen Festhaltens. Widerborstig hebt die sperrige Reaktion auf äußere Einflussnahme hervor.

Fügsam oder bereitwillig kann das unmittelbare Gegenverhalten beschreiben. Vernünftig ist kein notwendiges Gegenwort: Auch begründeter Widerspruch kann auf andere widerborstig wirken.

Widerborstig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Schulgeschichte teilt eine Gruppenleiterin Emil ohne Rückfrage alle Aufräumarbeiten zu. Er verschränkt die Arme und sagt zunächst nur Nein. Erst auf Nachfrage erklärt er, dass er bereits den gesamten Aufbau übernommen hat. Als die Aufgaben neu verteilt werden, beteiligt er sich an seinem Anteil.

  1. Beobachtung: Emil verweigert sich zunächst schroff, nennt später einen konkreten Einwand und stimmt einer veränderten Verteilung zu.
  2. Deutung: Seine erste Reaktion wirkt widerborstig. Der weitere Verlauf zeigt aber, dass sein Widerstand an eine bestimmte Ungleichverteilung gebunden ist.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene trägt nicht die Behauptung, Emil sei grundsätzlich unkooperativ. Ebenso macht sein berechtigter Einwand die knappe Abwehr nicht automatisch zur hilfreichsten Gesprächsform.

Musterformulierung

Emil reagiert zunächst widerborstig auf die Aufgabenzuteilung. Seine knappe Verweigerung erschwert das Gespräch, erhält durch den Hinweis auf den bereits geleisteten Aufbau jedoch einen nachvollziehbaren Anlass. Dass er die neue Verteilung akzeptiert, begrenzt das Urteil auf die konkrete Situation.

Der Absatz hält Reaktionsweise und sachlichen Grund auseinander. Die spätere Kooperation verhindert, dass ein einzelner Moment zur pauschalen Charakterbeschreibung wird.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
wi·der·bors·tig
Verwandtes Nomen
die Widerborstigkeit

Widerborstig beginnt mit wider-, ohne zusätzliches e. Gemeint ist die Gegenrichtung, nicht wieder im Sinn von noch einmal. Formen sind eine widerborstige Antwort und mit widerborstigem Auftreten.

Grundformwiderborstig
Komparativwiderborstiger
Superlativam widerborstigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativwiderborstigerwiderborstigewiderborstigeswiderborstige
Genitivwiderborstigenwiderborstigerwiderborstigenwiderborstiger
Dativwiderborstigemwiderborstigerwiderborstigemwiderborstigen
Akkusativwiderborstigenwiderborstigewiderborstigeswiderborstige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder widerborstigedie widerborstigedas widerborstigedie widerborstigen
Genitivdes widerborstigender widerborstigendes widerborstigender widerborstigen
Dativdem widerborstigender widerborstigendem widerborstigenden widerborstigen
Akkusativden widerborstigendie widerborstigedas widerborstigedie widerborstigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein widerborstigereine widerborstigeein widerborstigeskeine widerborstigen
Genitiveines widerborstigeneiner widerborstigeneines widerborstigenkeiner widerborstigen
Dativeinem widerborstigeneiner widerborstigeneinem widerborstigenkeinen widerborstigen
Akkusativeinen widerborstigeneine widerborstigeein widerborstigeskeine widerborstigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Ältere Belege verbinden das Wort mit borstigem, struppigem Tierhaar. Dazu gehört die anschauliche Vorstellung von etwas, das sich nicht glatt ordnen lässt. Im heutigen Personenbezug wird dieses Bild auf ein Verhalten übertragen, das sich Einflussnahme widersetzt; die äußere Haarbeschaffenheit beweist keine solche Haltung.

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