willkürlich
Willkürlich: Ohne nachvollziehbare, gleichmäßig angewandte Gründe oder Regeln entscheidend beziehungsweise erfolgend. In anderem Zusammenhang kann willkürlich auch bewusst vom eigenen Willen gesteuert bedeuten.
Was bedeutet willkürlich?
Willkürlich nennt man ein Vorgehen, wenn persönliche Vorlieben oder Launen an die Stelle eines nachvollziehbaren Maßstabs treten. Zwei vergleichbare Anliegen werden unterschiedlich behandelt, ohne dass dafür ein sachlicher Grund erkennbar ist. Bei Personen beschreibt man deshalb oft genauer ihre Entscheidungen als pauschal ihren ganzen Charakter.
Eine willkürliche Auswahl kann außerdem bedeuten, dass ohne bestimmtes System ausgewählt wurde. Das ist nicht in jeder Situation ein moralischer Vorwurf: Bei einer unverbindlichen Übung dürfen Teilnehmende beispielsweise irgendeine Farbe wählen. Sobald jedoch Ansprüche und Folgen ungleich verteilt werden, wird die Frage nach sachlichen Gründen bedeutsam.
Davon zu unterscheiden ist die Bedeutung bewusst gewollt. Eine willkürliche Bewegung steht dann einer unwillkürlichen Reaktion gegenüber. In einer Charakterisierung sollte deutlich werden, welche Bedeutung gemeint ist. Wer absichtlich handelt, entscheidet dadurch noch nicht ungerecht oder launenhaft.
Beispiele und Verwendung
Die Leiterin verteilte die freien Tage willkürlich: Gleich begründete Wünsche behandelte sie nach persönlicher Sympathie.
So ist es gemeint: Die Ungleichbehandlung lässt sich nicht durch einen sachlichen Unterschied erklären.
Für die Schreibübung wählte er willkürlich drei Bilder aus dem Stapel.
So ist es gemeint: Die fehlende Auswahlregel ist hier zunächst kein Vorwurf.
Sie hob den Arm willkürlich, während das erschrockene Zucken unwillkürlich erfolgte.
So ist es gemeint: Gemeint ist bewusstes Steuern, nicht eine ungerechte Entscheidung.
Typische Verbindungen: willkürlich entscheiden, willkürliche Regeln, eine willkürliche Auswahl; in anderer Bedeutung: willkürliche Bewegung.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- ungerecht
- Bewertet einen Verstoß gegen Gerechtigkeit. Willkür ist ein möglicher Grund dafür, aber nicht jede Ungerechtigkeit entsteht durch Laune.
- unberechenbar
- Beschreibt schwer vorhersehbares Verhalten. Willkürliche Bevorzugung kann für Beobachter sogar gut vorhersehbar sein.
- zufällig
- Bezeichnet das Zustandekommen durch Zufall. Eine willkürliche Benachteiligung kann dagegen durchaus absichtlich erfolgen.
Bei Entscheidungen passen regelgebunden, sachlich begründet oder nachvollziehbar. Bei bewusst gesteuerten Vorgängen lautet der Gegensatz unwillkürlich.
Willkürlich in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Erzählung vergibt ein Hausverwalter die Schlüssel für einen Gemeinschaftsraum. Zwei Bewohnerinnen beantragen denselben freien Termin rechtzeitig. Er lehnt die erste ohne Begründung ab und gibt der zweiten den Schlüssel, weil er gern mit ihr plaudert. Auf die Frage nach den Regeln antwortet er, dass er das jedes Mal selbst entscheide.
- Beobachtung: Vergleichbare Anfragen werden unterschiedlich behandelt; als Unterschied zeigt die Szene nur persönliche Sympathie.
- Deutung: Die Vergabe erscheint willkürlich, weil kein verlässlicher, sachlicher Maßstab angewandt wird.
- Grenze der Aussage: Die Szene belegt ein problematisches Vergabeverfahren. Ein allgemeines Urteil über sämtliche Entscheidungen des Verwalters wäre ohne weitere Beobachtungen zu weitreichend.
Musterformulierung
Der Verwalter entscheidet über den Raum willkürlich. Obwohl beide Anfragen dieselben Voraussetzungen erfüllen, bevorzugt er eine Bewohnerin aufgrund persönlicher Sympathie und verweigert eine allgemeine Regel. Die Ungleichbehandlung wird damit nicht sachlich begründet.
Der Absatz nennt Vergleichbarkeit und tatsächlich erkennbares Auswahlkriterium. Erst diese Verbindung begründet die Deutung; bloßes Missfallen an einer Entscheidung würde nicht genügen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- will·kür·lich
- Verwandtes Nomen
- die Willkür
Willkürlich wird zusammengeschrieben, mit doppeltem l und ü. Beispiele sind ein willkürlicher Beschluss, die willkürliche Vergabe und mit willkürlichem Vorgehen. Die Steigerung passt besonders zum bewertenden Gebrauch; bei der bloßen Unterscheidung bewusst oder unbewusst ist sie meist entbehrlich.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | willkürlicher | willkürliche | willkürliches | willkürliche |
| Genitiv | willkürlichen | willkürlicher | willkürlichen | willkürlicher |
| Dativ | willkürlichem | willkürlicher | willkürlichem | willkürlichen |
| Akkusativ | willkürlichen | willkürliche | willkürliches | willkürliche |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der willkürliche | die willkürliche | das willkürliche | die willkürlichen |
| Genitiv | des willkürlichen | der willkürlichen | des willkürlichen | der willkürlichen |
| Dativ | dem willkürlichen | der willkürlichen | dem willkürlichen | den willkürlichen |
| Akkusativ | den willkürlichen | die willkürliche | das willkürliche | die willkürlichen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein willkürlicher | eine willkürliche | ein willkürliches | keine willkürlichen |
| Genitiv | eines willkürlichen | einer willkürlichen | eines willkürlichen | keiner willkürlichen |
| Dativ | einem willkürlichen | einer willkürlichen | einem willkürlichen | keinen willkürlichen |
| Akkusativ | einen willkürlichen | eine willkürliche | ein willkürliches | keine willkürlichen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Das Adjektiv steht in der Wortfamilie von Willkür; die Form willekürlich ist bereits im Spätmittelhochdeutschen belegt. Die heutigen Verwendungen müssen trotzdem getrennt werden: Freies oder bewusstes Wählen ist nicht automatisch dasselbe wie ein sachlich unbegründeter Machtgebrauch.
