ungerecht

Ungerecht: Einen begründbaren Maßstab der Gerechtigkeit verletzend, etwa durch unbegründete Benachteiligung, Bevorzugung oder unangemessene Folgen.

Was bedeutet ungerecht?

Ungerecht bewertet die Behandlung von Menschen, die Verteilung von Gütern oder die Zuordnung von Verantwortung. Eine Person wird etwa für etwas bestraft, das sie nicht getan hat, oder vergleichbare Fälle werden ohne sachlichen Grund unterschiedlich beurteilt.

Eine begründete Analyse muss den Maßstab nennen. Gleiche Behandlung kann gerecht sein, doch unterschiedliche Voraussetzungen können auch unterschiedliche Unterstützung rechtfertigen. Die bloße Unzufriedenheit einer Figur beweist daher noch keine Ungerechtigkeit.

Auf den PunktUngerecht braucht einen benennbaren Vergleich oder Anspruch.

Beispiele und Verwendung

Ungerecht gab sie dem Abwesenden die Schuld an einer Entscheidung, die alle gemeinsam getroffen hatten.

So ist es gemeint: Die Verantwortung wird falsch verteilt.

Die ungerechte Regel bevorzugte Mitglieder einer Familie ohne sachlichen Grund.

So ist es gemeint: Die Bevorzugung ist an ein ungeeignetes Merkmal gebunden.

Zusätzliche Hilfe für eine besonders belastete Person ist nicht automatisch ungerecht.

So ist es gemeint: Gerechtigkeit verlangt nicht unter allen Umständen dieselbe Leistung für alle.

Typische Verbindungen: ungerecht urteilen, ungerechte Behandlung, eine ungerechte Strafe, ungerecht gegenüber jemandem sein.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unfair
Liegt nahe, besonders bei Regeln, Chancen und dem Umgang im Wettbewerb.
parteiisch
Bezeichnet die Bevorzugung einer Seite, die zu einem ungerechten Urteil führen kann.
streng
Betrifft hohe Anforderungen oder harte Konsequenzen; diese können im Einzelfall gerecht oder ungerecht sein.

gerecht ist der direkte Gegenbegriff. Gleichförmige Behandlung ist dafür nicht in jedem Fall ausreichend.

Ungerecht in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte bewertet eine Kursleiterin zwei identische Verspätungen verschieden. Ihrem Lieblingsschüler erlässt sie die vereinbarte Zusatzaufgabe, während sie eine andere Teilnehmerin dafür vor der Gruppe tadelt. Beide hatten denselben ausgefallenen Bus genommen. Auf Nachfrage nennt die Leiterin keinen weiteren Unterschied.

  1. Beobachtung: Vergleichbare Fälle mit demselben Anlass erhalten unterschiedliche Folgen, ohne dass ein sachlicher Grund genannt wird.
  2. Deutung: Die Behandlung wirkt ungerecht, weil persönliche Bevorzugung den gemeinsamen Maßstab verdrängt.
  3. Grenze der Aussage: Die Deutung setzt die bekannte Vergleichbarkeit voraus. Unbekannte besondere Umstände dürften nicht einfach ausgeschlossen werden, wenn der Text sie offenließe.

Musterformulierung

Die Kursleiterin behandelt die beiden Teilnehmenden ungerecht, indem sie dieselbe Verspätung bei ihrem Lieblingsschüler entschuldigt und bei der anderen Person sanktioniert. Da der Anlass übereinstimmt und kein weiterer Grund genannt wird, erscheint die unterschiedliche Behandlung sachlich unbegründet.

Der Absatz erläutert die Vergleichsgrundlage und die ungleich verteilten Folgen.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·ge·recht
Verwandtes Nomen
die Ungerechtigkeit

Es heißt ein ungerechtes Urteil und mit ungerechten Folgen. In der Steigerung wird ein e eingeschoben: am ungerechtesten.

Grundformungerecht
Komparativungerechter
Superlativam ungerechtesten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativungerechterungerechteungerechtesungerechte
Genitivungerechtenungerechterungerechtenungerechter
Dativungerechtemungerechterungerechtemungerechten
Akkusativungerechtenungerechteungerechtesungerechte
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder ungerechtedie ungerechtedas ungerechtedie ungerechten
Genitivdes ungerechtender ungerechtendes ungerechtender ungerechten
Dativdem ungerechtender ungerechtendem ungerechtenden ungerechten
Akkusativden ungerechtendie ungerechtedas ungerechtedie ungerechten
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein ungerechtereine ungerechteein ungerechteskeine ungerechten
Genitiveines ungerechteneiner ungerechteneines ungerechtenkeiner ungerechten
Dativeinem ungerechteneiner ungerechteneinem ungerechtenkeinen ungerechten
Akkusativeinen ungerechteneine ungerechteein ungerechteskeine ungerechten

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Un- verneint gerecht. Im heutigen Gebrauch steht die Abweichung von einem Gerechtigkeitsmaßstab im Mittelpunkt; der Maßstab muss aus dem konkreten Zusammenhang hervorgehen.

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