woll
Form & Grammatik
- Stichwort
- woll
- Worttrennung
- woll
Mit westfälischer und angrenzender regionaler Alltagssprache verbunden, insbesondere Sauerland und Bergisches Land.
Gebrauch: Unveränderliche Gesprächspartikel; einsilbig, ohne Kasus-, Personen- oder Steigerungsformen.
Woll? kann regional an eine Aussage angehängt werden. Die Gesprächspartikel bedeutet dann ungefähr nicht wahr? und sucht eine gemeinsame Einschätzung oder Bestätigung.
Bedeutung
1 Eine Aussage gemeinsam bestätigen
Die sprechende Person stellt etwas fest und bezieht das Gegenüber mit woll ein. Das angehängte Wort kann eine erwartete Zustimmung anregen, ist aber keine Zusicherung, dass die andere Person wirklich derselben Meinung ist.
„Das war ein schöner Nachmittag, woll?“
Die Person bewertet das gemeinsame Erlebnis und lädt zur Zustimmung ein. Das Gegenüber kann trotzdem anders darüber denken.
Woll ist regional geprägt und wird unter anderem mit dem Sauerland und dem Bergischen Land verbunden. Es passt zu mündlicher Alltagssprache und bewusst gesprächsnah geschriebenen Dialogen. Es ist kein ausschließlich jugendsprachlicher Ausdruck.
Woll und ähnliche Rückfragen
Ähnliche Aufgabe: ne und gell
Ne und das besonders süddeutsche gell können ebenfalls an eine Aussage anschließen. „Das war schön, gell?“ kann eine ähnliche Bestätigung suchen. Mit dem Austausch ändert sich aber die regionale Färbung.
Ausdrücklich fragen: nicht wahr
„Wir sind hier richtig, nicht wahr?“ macht die Rückfrage auch für Menschen verständlich, denen woll nicht vertraut ist. Die Formulierung klingt ausgeschriebener als die kurze Alltagspartikel. Sie ist keine genaue Nachbildung jedes möglichen Tonfalls.
Beispiele und Verwendung
„Die Tasche gehört dir, woll?“ Die Person will eine Zuordnung bestätigen lassen. Woll bezeichnet weder die Tasche noch deren Besitzer.
„Ganz schön steil hier, woll?“ Die Person bietet einen Eindruck zur gemeinsamen Bewertung an. Das Beispiel nennt kein gemessenes Gefälle.
Grammatik und Beugung
Woll ist in dieser Verwendung eine unveränderliche Gesprächspartikel. Es bleibt woll, unabhängig davon, wie viele Personen sprechen oder angesprochen werden. Das einsilbige Wort erhält keine Trennstelle und keine Beugungstabelle.
Woll steht in den Beispielen als abgesetzter Nachtrag. Es ist nicht einfach überall durch wohl zu ersetzen: „Das wird wohl reichen“ drückt eine Vermutung innerhalb des Satzes aus; „Das reicht, woll?“ bezieht das Gegenüber nachträglich ein. Ebenso ist woll keine Personenform des Verbs wollen.
