Erzählerin
Form & Grammatik
- Stichwort
- Erzählerin
- Worttrennung
- Er·zäh·le·rin
- Artikel
- die Erzählerin
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Erzählerin
- Plural
- die Erzählerinnen
Erzählerin bezeichnet eine Frau, die etwas erzählt, oder eine Verfasserin erzählender Werke. In einer literarischen Analyse kann damit auch eine weiblich gestaltete erzählende Stimme gemeint sein. Diese Stimme darf nicht ohne Begründung mit der realen Autorin gleichgesetzt werden.
Bedeutung und Verwendung
Im Alltag kann eine Erzählerin ein eigenes Erlebnis, eine gehörte Geschichte oder einen erfundenen Stoff wiedergeben. Die Bezeichnung beschreibt zunächst ihre Tätigkeit. Ob die Darstellung zuverlässig ist und auf eigener Erfahrung beruht, muss gesondert geklärt werden.
Bei einem literarischen Text ist das Geschlecht der Erzählinstanz nicht immer erkennbar. Eine Ich-Form allein macht aus der Stimme noch keine Erzählerin. Wenn der Text keine entsprechende Zuordnung erlaubt, ist Erzählinstanz oft die präzisere neutrale Bezeichnung. Auch eine Autorin kann eine anders gestaltete Stimme entwerfen.
Synonyme im Gebrauch
- Erzählende Frau
- Passt zur realen Person im Alltag. Die Umschreibung legt weder eine schriftstellerische Tätigkeit noch eine professionelle Rolle fest.
- Erzählinstanz
- Passt zur vermittelnden Stimme eines literarischen Textes. Es lässt die Geschlechtszuordnung offen und ist hilfreich, wenn sie aus dem Text nicht eindeutig hervorgeht.
- Schriftstellerin
- Passt nur zur Lesart Verfasserin literarischer Werke. Es ist kein beliebiger Ersatz für eine Figur oder Stimme, die innerhalb des Werks erzählt.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Die Erzählerin korrigiert ihre erste Einschätzung im letzten Abschnitt.
Alternative: Die erzählende Stimme korrigiert ihre erste Einschätzung im letzten Abschnitt.
Die Alternative konzentriert sich auf die Textfunktion. Beide Sätze betreffen zunächst die Darstellung im Werk, nicht die Meinung der realen Autorin. Der Wandel lässt sich durch den Vergleich konkreter Aussagen begründen.
Ausgangssatz: Mira ist beim Vorleseabend eine geschickte Erzählerin.
Alternative: Mira gestaltet ihre frei erzählte Geschichte beim Vorleseabend geschickt.
Die Umschreibung macht die Tätigkeit genauer. Ein Veranstaltungsname sagt noch nicht, dass jeder Beitrag tatsächlich vorgelesen wird. Ob Mira frei erzählt oder einen Text liest, sollte aus der Beschreibung hervorgehen.
Grammatik und Schreibweise
Das Nomen ist feminin: die Erzählerin, der Erzählerin. Der Plural lautet Erzählerinnen mit nn. Im Dativ Plural heißt es den Erzählerinnen.
Deklination von ErzählerinDie vier Fälle
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Erzählerin | die Erzählerinnen |
| Genitiv | der Erzählerin | der Erzählerinnen |
| Dativ | der Erzählerin | den Erzählerinnen |
| Akkusativ | die Erzählerin | die Erzählerinnen |
Die Form entsteht aus Erzähler mit der Endung -in. Ä und h bleiben erhalten. Das Wort wird großgeschrieben, während das zugrunde liegende Verb erzählen normalerweise kleingeschrieben wird.
Treffend formulieren
Bei einer Analyse hilft die Frage, welche Stimme welche Information besitzt. Eine Autorin kann ihre Erzählerin irren oder etwas verschweigen lassen. Das ist eine Gestaltungsmöglichkeit und kein automatischer Fehler der Verfasserin. Belege deshalb Aussagen über Wissen, Wertungen und Zuverlässigkeit an konkreten Textstellen.
Das Verb erzählen hilft bei der Abgrenzung zu berichten, schildern und vorlesen. Nicht jede mündliche Darbietung ist dieselbe Tätigkeit.
