Natur
Form & Grammatik
- Stichwort
- Natur
- Worttrennung
- Na·tur
- Artikel
- die
- Geschlecht
- feminin
- Genitiv
- der Natur
- Plural
- die Naturen (besonders Menschen unterschiedlicher Art)
Gebrauch: Natürliche Welt, Landschaft und Beschaffenheit einer Sache ohne Plural. Beim Wesen einer Person ist der Plural selten; bei Personen nach ihrer Art ist er üblich.
Definition · kurz erklärt
Natur bezeichnet die natürliche Welt und ihre Erscheinungen. Das Wort kann außerdem die Eigenart eines Menschen, die Beschaffenheit einer Sache oder einen natürlichen Zustand meinen. Der Plural Naturen passt besonders zu Menschen unterschiedlicher Art.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Die natürliche Welt und Landschaft
Hierzu gehören Lebewesen ebenso wie Gewässer, Gesteine und andere natürliche Erscheinungen. Im Alltag kann Natur enger die Umgebung draußen meinen. Ein Spaziergang „in der Natur“ muss dabei nicht durch eine völlig unberührte Landschaft führen.
„Die Kinder beobachteten die Natur am Rand des Stadtparks.“
Gemeint sind die Tiere, Pflanzen und natürlichen Vorgänge dort. Der Park kann zugleich von Menschen gestaltet sein.
Bedeutung 2: Die Eigenart eines Menschen oder Tieres
Natur kann das körperliche oder seelische Wesen bezeichnen, das jemandem zugeschrieben wird. In „eine geduldige Natur“ steht das Wort für einen Menschen mit einer bestimmten Eigenschaft. Solche Beschreibungen sind Einordnungen, keine vollständigen Erklärungen einer Persönlichkeit.
„Die beiden Schwestern gelten als sehr unterschiedliche Naturen.“
Der Plural meint hier Menschen, deren Art als verschieden wahrgenommen wird. Er bezeichnet nicht mehrere Landschaften.
Bedeutung 3: Die Art einer Sache oder Frage
In Wendungen wie „Fragen technischer Natur“ benennt das Wort, welcher Art ein Sachverhalt ist. Die Formulierung klingt eher sachlich oder gehoben. Sie hat in diesem Gebrauch keinen Bezug zu Wäldern oder Tieren.
„Die Verzögerung war organisatorischer Natur.“
Der Satz ordnet den Grund der Verzögerung dem organisatorischen Bereich zu. Welche konkrete Absprache fehlte, bleibt offen.
Bedeutung 4: Ein natürlicher Zustand
Natur kann außerdem die ursprüngliche oder nicht künstlich nachgebildete Beschaffenheit bezeichnen. In Material- und Farbangaben wie „Eiche Natur“ oder „Eiche natur“ geht es um die natürliche Färbung. Daraus folgt nicht automatisch, dass ein Gegenstand gänzlich unbehandelt ist.
„Für das Regal wählten sie Eiche Natur statt einer weißen Lackierung.“
Die Angabe grenzt die gewünschte Farbwirkung ab. Über sämtliche Schritte der Oberflächenbehandlung informiert sie nicht.
Synonyme: andere Wörter für Natur
Natur hat je nach Zusammenhang verschiedene Ersatzwörter. Umwelt, Charakter und Beschaffenheit meinen nicht dasselbe.
Die natürliche Umgebung
natürliche Umwelt · Landschaft
Landschaft bezeichnet ein Gebiet in seiner sichtbaren Gestalt und kann menschliche Bauten einschließen. Flora und Fauna umfasst Pflanzen und Tiere, aber nicht alle unbelebten Bestandteile der Natur.
„Auf dem Ausflug beobachteten wir die Pflanzen und Tiere der Natur.“ → „Auf dem Ausflug beobachteten wir die Flora und Fauna.“ Der ausdrücklich genannte Umfang erlaubt die kürzere Fassung.
Die Art einer Person
Wesensart · Charakter · Naturell
Wesensart beschreibt die typische Art eines Menschen. Charakter kann stärker auf Haltungen und Verhalten zielen; körperliche Verfassung wird dadurch nicht automatisch mitbezeichnet.
„Das entspricht ihrer Natur.“ → „Das entspricht ihrer Wesensart.“ Die Umschreibung passt, wenn ihre persönliche Art gemeint ist.
Die Art eines Sachverhalts
Beschaffenheit · Art · Wesen
Art ist oft die einfachste Entsprechung. Beschaffenheit betont, wie etwas geartet ist. Wesen zielt eher auf das Grundlegende oder Kennzeichnende.
„Die Einwände waren formaler Natur.“ → „Die Einwände betrafen formale Fragen.“ Beide Fassungen ordnen den Bereich der Einwände ein.
Beispiele und Verwendung
Eine Beobachtung genau benennen
„Im Gedicht erscheint die Natur als handelndes Gegenüber: Der Wind antwortet dem Wanderer.“
Das Antworten schreibt dem Wind eine menschliche Fähigkeit zu. Für eine Analyse ist hier die Personifikation konkreter als die bloße Feststellung, dass Natur vorkommt.
Eine Zuschreibung erkennen
„Der Erzähler beschreibt Jona als eine friedliche Natur, doch in der Streitszene schlägt er einen scharfen Ton an.“
Die spätere Szene kann die frühere Einordnung einschränken. Eine Charakterisierung sollte beide Textstellen berücksichtigen.
Grammatik und Beugung
Es heißt die Natur und der Natur. Die Worttrennung lautet Na·tur. Der Plural Naturen ist bedeutungsabhängig: Er bezeichnet etwa verschiedene Menschen als „unterschiedliche Naturen“.
Für die natürliche Welt oder eine Landschaft wird kein Plural gebraucht. Auch „Fragen technischer Natur“ enthält den Singular. Die Pluralspalte der Tabelle gehört zu den zählbaren Verwendungen, besonders der Bezeichnung von Personen nach ihrer Art.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Natur | die Naturen |
| Genitiv | der Natur | der Naturen |
| Dativ | der Natur | den Naturen |
| Akkusativ | die Natur | die Naturen |
Feste Wendungen mit Natur
Zur zweiten Natur werden
Was jemandem zur zweiten Natur wird, ist durch Gewöhnung selbstverständlich geworden: „Die Kontrolle der Fahrradbeleuchtung war ihm zur zweiten Natur geworden.“ Die Wendung bezeichnet gerade eine erlernte Gewohnheit, nicht zwingend etwas Angeborenes.
In der Natur der Sache liegen
Die Wendung erklärt etwas aus der Eigenart einer Sache: „Dass ein Gruppenprojekt Abstimmung braucht, liegt in der Natur der Sache.“ Sie sollte eine nachvollziehbare Verbindung ausdrücken und nicht bloß eine fehlende Begründung ersetzen.
Von Natur aus
Damit wird eine Eigenschaft als ursprünglich oder wesensgemäß dargestellt: „Sie bezeichnet sich als von Natur aus neugierig.“ Der Satz gibt ihre Selbsteinschätzung wieder; er liefert keinen Nachweis dafür, wie diese Eigenschaft entstanden ist.
Älterer und regionaler Gebrauch
In älteren regionalen Texten kann Natur verhüllend für ein Geschlechtsteil oder für Samenflüssigkeit stehen. In einem heutigen sachlichen Text sind die eindeutigen anatomischen Bezeichnungen verständlicher. Beim Lesen historischer Texte muss der Zusammenhang geprüft werden; die moderne Landschaftsbedeutung passt dort nicht immer.
Bei einer Charakterisierung hilft die Unterscheidung zwischen beobachtbarem Handeln und einer zugeschriebenen „Natur“. Ein einzelner Wutausbruch beschreibt noch nicht den ganzen Menschen.
