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Naturell

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Naturell
Worttrennung
Na·tu·rell
Artikel
das
Geschlecht
neutrum
Genitiv
des Naturells
Plural
die Naturelle

Gebrauch: Bildungssprachlich. Dativ Plural: den Naturellen. Gemeint ist die Wesensart, nicht bloß eine momentane Stimmung.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Das Naturell ist die typische persönliche Art eines Menschen, besonders seine Gemüts- oder Wesensart. Das bildungssprachliche Wort bezeichnet eher eine grundlegende Neigung als eine kurze Stimmung.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Die persönliche Wesensart

Mit Naturell wird beschrieben, wie jemand seiner Art nach wirkt oder gewöhnlich auf Situationen reagiert. Begleitende Adjektive machen die Aussage genauer: ein heiteres, zurückhaltendes oder lebhaftes Naturell. Das Wort allein legt keine bestimmte Eigenschaft fest.

Die Bezeichnung richtet den Blick auf etwas Typisches oder Beständigeres. Sie beweist aber weder, dass eine Eigenschaft angeboren ist, noch dass die betreffende Person niemals anders reagieren kann.

„Ihr zugewandtes Naturell zeigte sich darin, dass sie neue Mitschüler immer wieder von sich aus ansprach.“

Die wiederholte Handlung stützt die Zuschreibung. Eine einzelne freundliche Begrüßung wäre eine schmalere Grundlage.

Synonyme: andere Wörter für Naturell

Wesensart ist meist die naheliegende Entsprechung. Andere Wörter setzen eigene Schwerpunkte.

Die persönliche Art ausdrücken

Wesensart · Art · Wesen

Wesensart benennt den persönlichen Grundzug deutlich. Art ist schlichter und benötigt oft eine Ergänzung. Wesen kann ebenfalls die Persönlichkeit meinen, hat aber noch andere Bedeutungen. Auch Natur kann die persönliche Art bezeichnen, etwa in „Das entspricht ihrer Natur“; die Bedeutung „natürliche Welt“ ist hier nicht gemeint.

„Sein ruhiges Naturell fiel der Gruppe auf.“ → „Seine ruhige Wesensart fiel der Gruppe auf.“ Die Aussage bleibt in diesem Zusammenhang weitgehend gleich.

Temperament oder Charakter genauer unterscheiden

Temperament · Charakter

Temperament hebt häufig das emotionale Reagieren und dessen Lebhaftigkeit hervor. Charakter kann stärker die Haltungen und die Art des Handelns betreffen. Ein Austausch ist sinnvoll, wenn genau dieser Schwerpunkt belegt ist.

„Ihr lebhaftes Naturell zeigte sich in ihren spontanen, begeisterten Reaktionen.“ → „Ihr lebhaftes Temperament zeigte sich in ihren spontanen, begeisterten Reaktionen.“ Die ausdrücklich beschriebenen Reaktionen tragen den Schwerpunkt.

Eine momentane Stimmung nicht verwechseln

Laune · Stimmung

Diese Wörter sind keine allgemeinen Synonyme für Naturell. Sie können einen vorübergehenden Zustand bezeichnen. Jemand mit einem meist heiteren Naturell kann an einem Tag schlecht gelaunt sein.

„Heute wirkt er niedergeschlagen.“ lässt sich ohne weitere Beobachtungen nicht zu „Er hat ein niedergeschlagenes Naturell“ umschreiben.

Beispiele und Verwendung

Verhalten als Beleg verwenden

„Der Erzähler nennt sie eine Frau von gelassenem Naturell und zeigt anschließend, wie sie mehrere Störungen ruhig aufnimmt.“

Behauptung und wiederholte Beobachtung passen hier zusammen. In einer Analyse kann genau diese Verbindung erläutert werden.

Gegensätzliche Eindrücke abwägen

„Seinem zurückhaltenden Naturell zum Trotz übernahm er an diesem Abend die Begrüßung der Gäste.“

Die Formulierung stellt eine einzelne Handlung der als typisch beschriebenen Art gegenüber. Der Gegensatz macht das Verhalten bemerkenswert, ohne einen Widerspruch in der Person beweisen zu müssen.

Grammatik und Beugung

Das Wort hat das grammatische Geschlecht Neutrum: das Naturell. Der Genitiv lautet des Naturells, der Plural die Naturelle. Im Dativ Plural kommt ein n hinzu: den Naturellen. Die Worttrennung lautet Na·tu·rell.

Das doppelte l bleibt in allen Formen erhalten. In „Menschen mit unterschiedlichen Naturellen“ steht die Mehrzahl, weil verschiedene persönliche Wesensarten verglichen werden. Das Genus des Wortes hängt nicht vom Geschlecht der beschriebenen Person ab.

Beugung von Naturell
FallSingularPlural
Nominativdas Naturelldie Naturelle
Genitivdes Naturellsder Naturelle
Dativdem Naturellden Naturellen
Akkusativdas Naturelldie Naturelle

Naturell in einer Charakterisierung

Für eine Charakterisierung ist die Frage hilfreich: Was tut die Figur wiederholt, und wer deutet dieses Verhalten? „Die Schwester hält ihn für verschlossen“ ist etwas anderes als eine eindeutige Aussage des Erzählers über sein Naturell.

Verknüpfe das Wort deshalb mit konkreten Beobachtungen und passenden Einschränkungen. „In den Gesprächen mit Fremden wirkt sie zurückhaltend“ ist oft genauer als eine pauschale Festlegung für alle Lebensbereiche.

Seinem Naturell entsprechen

Diese gebräuchliche Verbindung bedeutet, zu der persönlichen Art zu passen: „Die leise, aufmerksame Begrüßung entsprach seinem Naturell.“ Sie ordnet eine Handlung ein. Warum diese Einordnung zutrifft, sollte aus dem übrigen Text verständlich werden.