abbrechen

Abbrechen bedeutet, etwas durch Brechen abzutrennen oder einen Vorgang vor seinem vorgesehenen Ende zu beenden. Ein Teil oder eine Verbindung kann auch ohne absichtliches Eingreifen abbrechen. Bei Gebäuden bezeichnet das Verb das Niederlegen beziehungsweise Beseitigen des Bauwerks.

Die Bedeutungen von abbrechen

Das Verb kann sowohl eine Handlung als auch ein plötzliches Ende beschreiben. „Mira bricht ein Stück Kreide ab“ nennt eine handelnde Person. „Die Spitze bricht ab“ richtet den Blick dagegen auf das, was mit einem Gegenstand geschieht. Der zweite Satz verrät noch nicht, wer oder was den Bruch verursacht hat.

  • Einen Teil lösen: Ein Stück wird durch einen Bruch von einem Ganzen getrennt, etwa eine Ecke von einer dünnen Platte.
  • Vorzeitig beenden: Jemand bricht einen Versuch, ein Gespräch oder eine Veranstaltung ab. Der vorgesehene Ablauf wird nicht zu Ende geführt.
  • Unvermittelt enden: Eine Verbindung oder ein Kontakt bricht ab. Das Wort kann den Verlauf beschreiben, ohne eine Entscheidung zu nennen.
  • Ein Gebäude beseitigen: Ein alter Schuppen wird abgebrochen. In diesem Zusammenhang ist häufig auch von einem Abriss die Rede.

Abbrechen legt nicht fest, ob später ein neuer Versuch möglich ist. Wer heute eine Probe abbricht, kann sie morgen erneut beginnen. Es besagt aber mehr als eine bloße Pause innerhalb des laufenden Ablaufs.

Abbrechen, unterbrechen oder beenden?

AlternativePassender ZusammenhangBedeutungsunterschied
abtrennenein Stück ablösenNennt die Trennung, aber nicht zwingend einen Bruch; auch Schneiden ist möglich.
vorzeitig beendeneine Probe abbrechenMacht das Ende vor dem vorgesehenen Abschluss ausdrücklich.
unterbrecheneinen laufenden Vorgang anhaltenLässt eher eine Fortsetzung desselben Vorgangs erwarten.
abreißenein Gebäude abbrechenIst bei Bauwerken üblich; bei einem Stück Papier wäre damit ein anderer Trennvorgang gemeint.

Beispielpaar 1: Die Probe endet

Ausgangssatz: Wegen eines Stromausfalls brach die Gruppe ihre Probe ab.

Alternative: Wegen eines Stromausfalls beendete die Gruppe ihre Probe vorzeitig.

Die eigenen Sätze stimmen im Kern überein. „Unterbrach ihre Probe“ würde eher nahelegen, dass die Gruppe nach einer Pause weitermacht. „Beendete ihre Probe“ ohne Zusatz könnte auch einen planmäßigen Abschluss meinen.

Beispielpaar 2: Ein Stück löst sich

Ausgangssatz: Beim Verpacken brach eine Ecke der Wachsplatte ab.

Alternative: Beim Verpacken löste sich eine Ecke der Wachsplatte.

Die Alternative beschreibt die Ablösung allgemeiner. Nur der Ausgangssatz nennt eindeutig einen Bruch. Für eine genaue Schadensbeschreibung ist diese zusätzliche Information wichtig; das Ersatzwort wäre sonst zu unbestimmt.

Konjugation: bricht ab, brach ab, abgebrochen

Abbrechen ist ein starkes, trennbares Verb. Der Stammvokal verändert sich: brechen – brichst – brach – gebrochen. Mit Akkusativobjekt heißt es beispielsweise den Versuch abbrechen; ohne Objekt kann der Kontakt abbrechen.

PersonPräsensPräteritum
ichbreche abbrach ab
dubrichst abbrachst ab
er / sie / esbricht abbrach ab
wirbrechen abbrachen ab
ihrbrecht abbracht ab
sie / Siebrechen abbrachen ab

Wann steht haben, wann sein?

Haben steht bei der Handlung: „Sie hat ein Stück abgebrochen.“ „Wir haben den Versuch abgebrochen.“ Auch „Er hat mitten im Satz abgebrochen“ beschreibt, dass jemand aufhört zu sprechen; ein ausgesprochenes Akkusativobjekt ist dafür nicht nötig.

Sein steht beim Geschehen am Teil oder an der Verbindung: „Die Spitze ist abgebrochen.“ „Die Verbindung ist abgebrochen.“ Deshalb genügt die Regel „ohne Objekt immer sein“ nicht. Prüfe, welche Bedeutung der ganze Satz ausdrückt.

Die Befehlsformen lauten Brich ab! und Brecht ab! Im Konjunktiv II ist bräche ab möglich; im Alltag ist auch würde abbrechen gebräuchlich.

Abzubrechen oder ab zu brechen?

Richtig ist abzubrechen: Das zu steht innerhalb des zusammengeschriebenen Infinitivs. Im Hauptsatz heißt es „Sie bricht das Gespräch ab“, im Nebensatz „weil sie das Gespräch abbricht“. Das Partizip lautet abgebrochen. Als Nomen schreibt man das Abbrechen groß, ebenso das verwandte Nomen der Abbruch.

Ein Ende genau beschreiben

In einem Bericht helfen Anlass und Zeitpunkt: „Nach zehn Minuten brach die Leiterin die Übung wegen des Lärms ab.“ Der Satz unterscheidet Handlung, Grund und Zeitpunkt. „Die Übung war plötzlich vorbei“ lässt diese Informationen offen. Das Adjektiv abrupt kann einen unvermittelten Übergang kennzeichnen, erklärt aber für sich genommen nicht dessen Ursache.

Weitere Bedeutungen und Formen findest du im Wörterbuch der Verben.