sich betrinken

Sich betrinken bedeutet, durch das Trinken von Alkohol in einen Rauschzustand zu geraten. Das Verb beschreibt den Vorgang; betrunken sein bezeichnet den Zustand.

Vorgang und Zustand unterscheiden

In der gewöhnlichen Verwendung gehört zu betrinken ein Reflexivpronomen: Eine Person betrinkt sich. Damit wird mehr gesagt als mit „Sie trinkt Alkohol“. Der Satz beschreibt, dass der Konsum zu einem Rausch führt. Welche Menge getrunken wurde und wie stark der Zustand ausgeprägt ist, lässt sich aus dem Verb allein nicht ablesen.

„Er hat sich betrunken“ blickt auf einen Vorgang zurück. „Er ist betrunken“ beschreibt dagegen einen Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die Aussagen hängen zusammen, sind aber nicht in jeder Erzählung austauschbar. Ein Bericht über den vergangenen Abend sagt beispielsweise nicht automatisch, wie es der Person am nächsten Mittag geht.

Das Reflexivpronomen beweist keine bewusste Absicht. „Sie hat sich betrunken“ bedeutet nicht zwingend, dass sie sich vorher vorgenommen hatte, betrunken zu werden. Für eine Aussage über ihre Absicht braucht es eine zusätzliche Information, etwa einen ausdrücklich wiedergegebenen Plan. Ebenso darf aus einer einzelnen geschilderten Situation keine dauerhafte Gewohnheit gemacht werden.

Welche Formulierung passt?

Ähnliche Ausdrücke und ihre Grenzen
AusdruckVerwendungUnterschied
sich einen Rausch antrinkenDen durch Alkohol entstandenen Zustand hervorhebenAnschauliche Umschreibung; nicht bloß ein anderes Wort für jedes Trinken.
sich besaufenDerbe AlltagsspracheVerändert den Ton erheblich und kann die Person zusätzlich abwerten.
zu viel trinkenEine Menge als übermäßig bewertenKann sich auf Alkohol beziehen, benennt ohne Zusammenhang aber weder das Getränk noch ausdrücklich einen Rausch.
Alkohol trinkenDen Konsum sachlich benennenWeiter gefasst: Der Satz behauptet für sich genommen nicht, dass jemand betrunken wird.

Zwei eigene Satzvergleiche

Ausgangssatz: „Die Erzählung berichtet, dass sich der Gast beim Fest betrank.“

Zum Vergleich: „Die Erzählung berichtet, dass der Gast beim Fest Alkohol trank.“

Die zweite Fassung lässt eine Information weg: Sie nennt den Konsum, aber nicht dessen im ersten Satz behauptetes Ergebnis. Als vorsichtige Zusammenfassung kann sie passend sein, wenn nur das Trinken sicher belegt ist. Als vollständiger Ersatz für eine ausdrücklich geschilderte Trunkenheit wäre sie weniger genau.

Ausgangssatz: „Mara behauptet, Paul habe sich betrunken.“

Zum Vergleich: „Mara behauptet, Paul habe sich besoffen.“

Beide Fassungen schreiben die Aussage Mara zu. Die zweite klingt jedoch derber. Eine sachliche Inhaltsangabe sollte diesen Ton nur übernehmen, wenn er für die Darstellung wichtig ist. Die Zuschreibung „Mara behauptet“ darf nicht verschwinden: Sonst würde aus einer Figurenäußerung eine scheinbar gesicherte Feststellung.

In einer Textanalyse genau bleiben

Erfundene Beispielsituation: Eine Figur kommt spät zu einer Feier. Eine andere sagt, sie habe sich bereits betrunken. Der Erzähler bestätigt dies nicht. Eine genaue Zusammenfassung lautet deshalb: „Lena hält den verspäteten Gast für betrunken.“ Die Formulierung gibt die Perspektive wieder, ohne eine Vermutung in eine Tatsache umzuwandeln.

Für eine Charakterisierung sind außerdem Anlass, Häufigkeit und erzählerische Perspektive getrennt zu betrachten. Ein Text kann einen einzelnen Abend schildern oder ausdrücklich von wiederholtem Verhalten erzählen. „Er betrinkt sich regelmäßig“ fügt eine Wiederholung hinzu, die ein einzelner Beispielsatz nicht trägt. Aus unsicherem Gehen allein lässt sich der Alkoholkonsum ebenfalls nicht zuverlässig ableiten.

Betrinkt sich, betrank sich, hat sich betrunken

Betrinken ist ein starkes, nicht trennbares Verb. Das Reflexivpronomen steht im Akkusativ. Es wechselt mit der Person:

Präsens und Präteritum im Indikativ
PersonPräsensPräteritum
ichbetrinke michbetrank mich
dubetrinkst dichbetrankst dich
er / sie / esbetrinkt sichbetrank sich
wirbetrinken unsbetranken uns
ihrbetrinkt euchbetrankt euch
sie / Siebetrinken sichbetranken sich

Das Perfekt lautet hat sich betrunken, nicht „ist sich betrunken“. Das Hilfsverb gehört zum Verb, während „ist betrunken“ eine Zustandsbeschreibung bildet. Der Infinitiv mit zu heißt sich zu betrinken. Nach mit steht der Dativ. Weitere Tätigkeitswörter erschließt das Verbenwörterbuch.