erschrecken

Erschrecken beschreibt entweder das Erleben oder das Auslösen eines Schrecks. Für eine klare standardsprachliche Unterscheidung helfen diese Formen: Ich erschrak; ich bin erschrocken – aber ich erschreckte jemanden; ich habe jemanden erschreckt. Beim reflexiven Gebrauch gibt es Formschwankungen.

Wer erlebt den Schreck, wer löst ihn aus?

In „Das Kind erschrickt“ erlebt das Kind die plötzliche Reaktion. In „Der Knall erschreckt das Kind“ ist der Knall der Auslöser. Derselbe Vorgang wird aus zwei unterschiedlichen Blickrichtungen beschrieben.

Ein Schreck muss nicht absichtlich verursacht werden. Eine zufallende Tür kann jemanden erschrecken, ohne dass jemand dies geplant hat. Anders ist es bei „Sie versteckt sich hinter der Tür, um ihn zu erschrecken“: Der Zweck wird ausdrücklich genannt.

Erschrecken ist außerdem nicht dasselbe wie dauerhaft Angst haben. Der Schreck bezeichnet häufig eine plötzliche Reaktion. Eine länger anhaltende Furcht kann folgen, wird durch das Verb allein aber nicht behauptet.

Die wichtigsten Stammformen

Für den nicht reflexiven Gebrauch bietet die folgende Unterscheidung eine zuverlässige Orientierung. Schwache Nebenformen kommen auch beim eigenen Erschrecken vor; für einen sorgfältig formulierten Text sind die hier gezeigten starken Formen besonders eindeutig.

BedeutungPräsensPräteritumPerfekt
selbst einen Schreck bekommensie erschricktsie erschraksie ist erschrocken
jemandem einen Schreck einjagensie erschreckt ihnsie erschreckte ihnsie hat ihn erschreckt

In der ersten Reihe lautet die zweite Person du erschrickst, der Imperativ erschrick nicht. In der zweiten Reihe heißt es du erschreckst mich. Das Akkusativobjekt zeigt, wer den Schreck erlebt. Im Infinitiv sind beide Verwendungen gleich geschrieben.

Ich habe mich erschreckt oder erschrocken?

Beim vor allem umgangssprachlich gebrauchten reflexiven sich erschrecken begegnen schwache und starke Formen. „Ich habe mich erschreckt“ und „ich habe mich erschrocken“ sind gebräuchliche Varianten. Wer mögliche Unsicherheiten vermeiden möchte, kann schlicht „Ich bin erschrocken“ schreiben.

Die Form erschreckend beschreibt etwas, das Schrecken auslöst oder Anlass zur Bestürzung gibt. Erschrocken beschreibt dagegen häufig den Zustand einer betroffenen Person. Eine erschrockene Person ist nicht dasselbe wie eine erschreckende Person.

Drei eigene Beispiele mit Erklärung

„Als das Glas zu Boden fiel, erschrak Nuri.“
Die starke Vergangenheitsform beschreibt seine eigene Reaktion.

„Der unerwartete Ruf erschreckte die Zuhörer.“
Der Ruf löst den Schreck bei anderen aus. Deshalb passt die schwache Form mit Akkusativobjekt.

„In der erfundenen Szene blickt die Figur erschrocken zur Tür.“
Das Partizip beschreibt ihren Zustand. Die Beobachtung belegt einen Schreck in dieser Situation, keine dauerhafte Ängstlichkeit.

Reaktion und Charakter trennen

Für eine Charakterisierung kann ein erschrockener Blick wichtig sein. Er sollte jedoch mit dem Auslöser verbunden werden. Auch eine gewöhnlich mutige Figur kann bei einem plötzlichen Geräusch erschrecken. Die Formulierung „Der überraschende Knall lässt sie zusammenzucken“ beschreibt zunächst die sichtbare Reaktion, ohne ihr vorschnell einen festen Charakterzug zuzuschreiben.

← Stichwörter mit E