herausnehmen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- herausnehmen
- Worttrennung
- he·raus·neh·men
- Präsens
- nimmt heraus
- Präteritum
- nahm heraus
- Partizip II
- herausgenommen
- Hilfsverb
- haben
Sich etwas herausnehmen im Sinne von sich anmaßen: umgangssprachlich
Herausnehmen heißt, etwas aus einem Behälter oder Zusammenhang zu nehmen oder jemanden nicht länger in einer bisherigen Umgebung zu lassen. Umgangssprachlich bedeutet sich etwas herausnehmen außerdem, sich etwas dreist zu erlauben. Diese wertende Verbindung ist von einem gewöhnlichen Herausnehmen zu unterscheiden.
Gegenstände, Personen und ein Vorwurf
„Sie nimmt den Ausweis aus der Tasche heraus“ beschreibt eine konkrete Handlung. Was aus der Tasche genommen wird, muss dabei nicht zerstört oder weggeworfen werden. Im medizinischen Alltag kann das Wort auch ein operatives Entfernen meinen; die sprachliche Bezeichnung enthält keine Aussage darüber, ob ein Eingriff erforderlich ist.
Wird ein Kind aus einer Schule herausgenommen oder eine Person aus einem Spiel genommen, endet ihre Teilnahme an diesem bisherigen Zusammenhang. Die Gründe können sehr verschieden sein. Das Verb allein erklärt weder die Entscheidung noch ihre Berechtigung. „Sie nimmt sich viel heraus“ ist dagegen bereits ein Vorwurf: Die sprechende Person bewertet ein Verhalten als unangemessen selbstberechtigt.
Was lässt sich ersetzen?
| Ausdruck | Bedeutung und Grenze |
|---|---|
| entnehmen | Sachlicher Ausdruck beim Nehmen aus einem Behälter, einer Sammlung oder einer Quelle. |
| entfernen | Passt zu einem Wegnehmen aus einem Zusammenhang. Es sagt nicht automatisch, wohin das Entfernte gelangt. |
| auswechseln | Passt bei einer spielenden Person, wenn sie durch eine andere ersetzt wird. Bloßes Herausnehmen nennt den Ersatz nicht immer ausdrücklich. |
| sich anmaßen | Passt zum wertenden reflexiven Gebrauch und klingt förmlicher. |
| sich erlauben | Kann neutral oder vorwurfsvoll sein. Der negative Ton von sich herausnehmen muss nicht vollständig erhalten bleiben. |
„Mila nahm den Zettel aus der Schachtel heraus.“ – „Mila entnahm der Schachtel den Zettel.“
Die zweite Fassung ist sachlicher und ändert den Satzbau: der Schachtel steht im Dativ. Beide beschreiben das Nehmen. Ob Mila den Zettel später zurücklegt, bleibt offen.
„Er nahm sich heraus, für alle zu entscheiden.“ – „Er erlaubte sich, für alle zu entscheiden.“
Die erste Fassung enthält deutlich den Vorwurf einer Grenzüberschreitung. Die zweite kann ebenfalls kritisch klingen, ist aber weniger eindeutig. Ein sachlicher Bericht sollte zusätzlich erklären, welche Entscheidungsregel übergangen wurde.
Ich nehme mir etwas heraus
Die Formen lauten nimmt heraus, nahm heraus und hat herausgenommen. Das Verb ist trennbar. Beim vorwurfsvollen reflexiven Gebrauch steht mir beziehungsweise dir: Ich nehme mir das heraus, nicht mich. Etwas oder ein zu-Infinitiv nennt das angemaßte Verhalten.
Sich etwas herausnehmen im Sinne von sich anmaßen: umgangssprachlich
Konjugation von herausnehmenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | nehme heraus | nahm heraus | nehme heraus | nähme heraus |
| du | nimmst heraus | nahmst heraus | nehmest heraus | nähmest heraus / nähmst heraus |
| er/sie/es | nimmt heraus | nahm heraus | nehme heraus | nähme heraus |
| wir | nehmen heraus | nahmen heraus | nehmen heraus | nähmen heraus |
| ihr | nehmt heraus | nahmt heraus | nehmet heraus | nähmet heraus / nähmt heraus |
| sie/Sie | nehmen heraus | nahmen heraus | nehmen heraus | nähmen heraus |
Das allgemeinere entfernen passt nur zu den nichtreflexiven Bedeutungen. „Er entfernte sich“ beschreibt ein Fortgehen und ersetzt nicht „Er nahm sich etwas heraus“. Der kleine Zusatz sich gehört daher nicht als bloße Stilvariante behandelt, sondern bestimmt zusammen mit den Ergänzungen einen anderen Sinn.
