kundtun
Form & Grammatik
- Stichwort
- kundtun
- Worttrennung
- kund·tun
- Präsens
- tut kund
- Präteritum
- tat kund
- Partizip II
- kundgetan
- Perfekt
- hat kundgetan; reflexiv: hat sich kundgetan
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- trennbar
Gehoben. Sich kundtun: sich zeigen oder ausdrücken. Tabellen: nicht reflexive Aktivformen.
Definition · kurz erklärt
Kundtun bedeutet, etwas zum Ausdruck zu bringen. Die Wortwahl klingt gehoben. Mit sich kann das Verb auch beschreiben, wie ein Gefühl oder eine Haltung erkennbar wird: Ihre Freude tut sich in einem Lächeln kund.
Bedeutungen
Etwas zum Ausdruck bringen
Eine Person macht eine Meinung, Absicht oder ein Gefühl wahrnehmbar. Das kann durch Worte, einen Text oder eine andere Äußerung geschehen. Eine Kundgabe muss nicht schon einen Nachweis ihrer Richtigkeit enthalten.
„Die Sprecherin tut vor der Gruppe ihre Bedenken kund.“
Sie bringt Einwände zum Ausdruck. Damit ist noch keine endgültige Ablehnung des gesamten Vorhabens festgestellt.
Reflexiv erkennbar werden
Bei sich kundtun zeigt sich ein Gefühl oder eine Haltung in einer bestimmten Erscheinung. Das grammatische Subjekt muss dann keine sprechende Person sein. Die Verwendung wirkt ebenfalls gehoben.
„Ihre Erleichterung tat sich in einem langen Aufatmen kund.“
Das Aufatmen wird als sichtbarer oder hörbarer Ausdruck der Erleichterung gedeutet. Ein wörtlich gesprochenes Bekenntnis ist nicht erforderlich.
Synonyme: andere Wörter für kundtun
Beim Ausdrücken
äußern · kundgeben · bekannt machen
Äußern ist im Alltag häufig die unmittelbar verständliche Alternative. Bekannt machen betont, dass eine Information andere erreicht. Kundtun kann auch eine persönliche Haltung zum Ausdruck bringen.
„Sie tut Bedenken kund“ lässt sich als „Sie äußert Bedenken“ wiedergeben. „Sie beweist die Unmöglichkeit des Plans“ wäre eine stärkere Behauptung.
Aus einer geäußerten Einschätzung wird durch den Austausch kein Beweis.
Beim Erkennbarwerden
sich zeigen · sich ausdrücken · erkennbar werden
Diese Umschreibungen passen zu sich kundtun. Eine absichtliche Mitteilung durch die betroffene Person ist dabei nicht in jedem Satz nötig.
„Die Freude tut sich in ihrem Lächeln kund“ bedeutet, dass das Lächeln als Ausdruck der Freude verstanden wird. Die Freude selbst spricht nicht.
Die reflexive Satzform und das Subjekt sind für das Verständnis wichtig.
Beispiele und Verwendung
Ein Stilmittel benennen
„Im feierlich formulierten Brief tut die Figur ihren Dank kund.“
Die Wortwahl kann einen gehobenen Ton unterstützen. Für einen neutralen Alltagsbrief kann drückt ihren Dank aus leichter verständlich sein.
Eine fehlende Äußerung nicht deuten
„Ob die Figur ihre Zustimmung kundtun wird, bleibt am Ende der Szene offen.“
Das Schweigen belegt weder Zustimmung noch Ablehnung. Eine Interpretation braucht weitere Anhaltspunkte.
Grammatik und Beugung
Das unregelmäßige Verb ist trennbar: tut kund – tat kund – hat kundgetan. Der Konjunktiv II lautet etwa täte kund.
Beim Ausdrücken kann ein Akkusativobjekt stehen: ihre Meinung kundtun. Bei Die Freude tut sich im Lächeln kund gehört sich zur Verbindung; im Lächeln nennt die Erscheinungsweise.
Der Infinitiv mit zu lautet kundzutun. Die Tabellen zeigen die nicht reflexive Aktivreihe. Im Nebensatz steht weil sie ihre Meinung kundtut.
Gegenwart und Vergangenheit
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich tue kund | ich tat kund | ich habe kundgetan |
| du | du tust kund | du tatest kund / du tatst kund | du hast kundgetan |
| er/sie/es | er/sie/es tut kund | er/sie/es tat kund | er/sie/es hat kundgetan |
| wir | wir tun kund | wir taten kund | wir haben kundgetan |
| ihr | ihr tut kund | ihr tatet kund | ihr habt kundgetan |
| sie | sie tun kund | sie taten kund | sie haben kundgetan |
Vorvergangenheit und Zukunft
| Person | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich hatte kundgetan | ich werde kundtun | ich werde kundgetan haben |
| du | du hattest kundgetan | du wirst kundtun | du wirst kundgetan haben |
| er/sie/es | er/sie/es hatte kundgetan | er/sie/es wird kundtun | er/sie/es wird kundgetan haben |
| wir | wir hatten kundgetan | wir werden kundtun | wir werden kundgetan haben |
| ihr | ihr hattet kundgetan | ihr werdet kundtun | ihr werdet kundgetan haben |
| sie | sie hatten kundgetan | sie werden kundtun | sie werden kundgetan haben |
Konjunktiv und würde-Verbindung
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II | würde-Verbindung |
|---|---|---|---|
| ich | ich tue kund | ich täte kund | ich würde kundtun |
| du | du tuest kund | du tätest kund | du würdest kundtun |
| er/sie/es | er/sie/es tue kund | er/sie/es täte kund | er/sie/es würde kundtun |
| wir | wir tuen kund | wir täten kund | wir würden kundtun |
| ihr | ihr tuet kund | ihr tätet kund | ihr würdet kundtun |
| sie | sie tuen kund | sie täten kund | sie würden kundtun |
Aufforderungen
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | tu kund! / tue kund! |
| ihr | tut kund! |
| Sie | tun Sie kund! |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet kund·tun. Die Form ich tue kund hat ein e; der Imperativ lautet tu kund oder tue kund. Im Partizip kundgetan steht tan, nicht tun.
Redewendungen und feste Verbindungen
Kindermund tut Wahrheit kund
Das Sprichwort kommentiert, dass ein Kind etwas offen ausspricht, was Erwachsene vielleicht aus Höflichkeit oder Rücksicht verschweigen. Es ist keine Regel, nach der jede kindliche Aussage zutrifft.
„Als das Kind die viel zu lange Ansprache ungeduldig unterbricht, meint eine Zuhörerin lächelnd: »Kindermund tut Wahrheit kund.«“
Die Zuhörerin bewertet die Bemerkung als offen und treffend. Ob ihre Einschätzung gerechtfertigt ist, hängt von der Szene ab.
