nehmen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- nehmen
- Worttrennung
- neh·men
- Präsens
- er/sie/es nimmt
- Präteritum
- er/sie/es nahm
- Partizip II
- genommen
- Perfekt
- er/sie/es hat genommen
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Gebrauch: Starkes Verb mit vielen kontextabhängigen Bedeutungen. Nimmt und nimm werden mit mm, nahm und nähme mit h geschrieben.
Ergänzungen: etwas nehmen; jemandem etwas nehmen; sich etwas nehmen
Definition · kurz erklärt
Nehmen kann unter anderem greifen, an sich bringen, auswählen oder benutzen bedeuten. In Verbindungen wie jemandem die Hoffnung nehmen oder etwas ernst nehmen verändert der Zusammenhang den Sinn deutlich. Ein einziges Ersatzwort passt deshalb nicht in jeden Satz.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Greifen oder von einer Stelle entfernen
Nehmen kann die Handlung bezeichnen, mit der eine Person etwas ergreift oder an einen anderen Ort bringt. Wohin etwas gelangt, kann durch eine nähere Angabe ausgedrückt werden.
„Sie nimmt das Heft vom Fensterbrett und legt es auf den Tisch.“
Das Heft wechselt seinen Ort. Der Satz sagt nicht, dass es dadurch ihr Eigentum wird.
Bedeutung 2: An sich bringen oder wegnehmen
Das Verb kann bedeuten, etwas in den eigenen Besitz oder die eigene Verfügung zu bringen. Mit einem Dativ kann bezeichnet werden, wem etwas entzogen wird. Das gilt auch für übertragene Dinge wie Hoffnung oder Mut.
„Die neue Absage nimmt ihm die letzte Hoffnung auf eine Teilnahme.“
Gemeint ist kein greifbarer Gegenstand. Beschrieben wird die Wirkung der Absage auf seine Erwartung.
Bedeutung 3: Auswählen oder benutzen
Nehmen kann eine Entscheidung für ein Angebot, einen Weg oder ein Hilfsmittel ausdrücken. Welches Ersatzwort passt, richtet sich nach dem Gegenstand.
„Für die Fahrt zur Bibliothek nehmen wir den Bus.“
Hier bedeutet nehmen benutzen. Eine Umschreibung durch ergreifen würde den Sinn verfehlen.
Bedeutung 4: Annehmen oder bei sich aufnehmen
Etwas Angebotenes kann angenommen werden. Bei Personen kann zu sich nehmen heißen, sie im eigenen Umfeld unterzubringen. Diese Verwendungen lassen sich nicht auf eine körperliche Greifbewegung reduzieren.
„Die Familie nimmt den Gast für zwei Nächte zu sich.“
Die Person wird bei der Familie untergebracht. Eine Aussage über Eigentum oder Besitz wäre hier unpassend.
Bedeutung 5: Als Preis verlangen
Im Zusammenhang mit einer Dienstleistung oder einem Angebot kann nehmen die Höhe eines geforderten Preises bezeichnen.
„Für die Reparatur nimmt die Werkstatt einen vorher vereinbarten Betrag.“
Der Satz betrifft den Preis. Er sagt nicht allein, ob die Reparatur ihren Preis wert ist.
Bedeutung 6: Etwas zu sich nehmen
Bei Speisen und Getränken kann zu sich nehmen essen oder trinken bedeuten. Bei einem Medikament wird nehmen im Sinne von einnehmen gebraucht.
„Im Tagebuch steht, dass die Figur seit dem Morgen nichts zu sich genommen hat.“
Der Satz betrifft die Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme. Daraus folgt keine Empfehlung zu einer Behandlung.
Bedeutung 7: Auffassen oder auf eine bestimmte Weise bewerten
Mit näheren Angaben kann nehmen ausdrücken, wie eine Aussage oder Person verstanden und behandelt wird. Auch eine angenommene Beispielsituation kann mit nehmen wir eingeleitet werden.
„Sie nimmt die Frage als Zeichen echten Interesses.“
Die Figur deutet die Frage auf eine bestimmte Weise. Ob diese Deutung zutrifft, muss der weitere Zusammenhang zeigen.
Bedeutung 8: Ein Hindernis überwinden oder etwas hinnehmen
In bestimmten Zusammenhängen kann nehmen das Überwinden einer Hürde, das Erobern eines Ortes oder das Hinnehmen von Treffern bezeichnen. Der Gegenstand und das Fachgebiet müssen klar sein.
„Im Bericht nimmt die Reiterin das letzte Hindernis ohne Fehler.“
Hier ist ein sportlicher Bewegungsablauf gemeint. Ein allgemeines Synonym wie annehmen würde diese Bedeutung nicht wiedergeben.
nehmen: Synonyme und andere Wörter
Bei Gegenständen
greifen · ergreifen · wegnehmen · an sich nehmen
Greifen betont die Handbewegung. Wegnehmen hebt das Entfernen oder Entziehen hervor. Nehmen lässt diese Einzelheiten häufig erst durch weitere Satzteile erkennen.
„Sie nimmt das Glas.“ kann ein Ergreifen bezeichnen. „Sie nimmt ihm das Glas weg.“ nennt zusätzlich die Person, der es entzogen wird.
Bei einer Entscheidung
auswählen · sich entscheiden für · benutzen
Auswählen passt zu einer Entscheidung zwischen Möglichkeiten. Benutzen passt zu einem Hilfsmittel. Die gleiche Verbform kann deshalb in zwei Sätzen unterschiedliche Umschreibungen verlangen.
„Ich nehme das blaue Heft.“ → „Ich wähle das blaue Heft.“ Dagegen heißt „Ich nehme den Zug“ gewöhnlich „Ich benutze den Zug“.
Bei einer Deutung
auffassen · ansehen als · bewerten
Auffassen benennt das Verständnis einer Äußerung. Bewerten betont stärker ein Urteil. Die Ergänzungen sollten beim Umformulieren erhalten bleiben.
„Er nimmt die Rückfrage als Kritik.“ → „Er fasst die Rückfrage als Kritik auf.“ Der Satz gibt eine Deutung wieder, keinen Nachweis tatsächlicher Kritikabsicht.
Beispiele und Verwendung
Die Ergänzung beachten
„Sie nimmt das Buch. Sie nimmt sich Zeit. Sie nimmt ihm die Sorge.“
Die unterschiedlichen Ergänzungen führen zu unterschiedlichen Bedeutungen. Für eine genaue Paraphrase muss der ganze Satz betrachtet werden.
Eine Inhaltsangabe präzisieren
„Der Erzähler berichtet, dass die Figur den Vorschlag annimmt.“
Wenn im Ausgangstext sie nimmt den Vorschlag steht, kann annimmt präziser sein als ein unpassendes Synonym wie greift. Der tatsächliche Zusammenhang entscheidet.
Grammatik und Beugung
Die Hauptformen lauten nimmt, nahm, hat genommen. Das starke Verb bildet das Perfekt mit haben. Die Worttrennung lautet neh·men.
Die Formen du nimmst, er nimmt, nimm! werden mit mm geschrieben. Im Präteritum heißt es nahm, im Konjunktiv II nähme. Die Tabellen zeigen jeweils eine belegte Form; zusätzlich sind etwa du nähmst und ihr nähmt möglich.
Bei jemandem etwas nehmen steht die betroffene Person im Dativ und das Entzogene im Akkusativ. Bei sich Zeit nehmen steht sich im Dativ. Der jeweilige Satzbau gehört zur Bedeutung.
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| ich | ich nehme | ich nahm | ich habe genommen |
| du | du nimmst | du nahmst | du hast genommen |
| er/sie/es | er/sie/es nimmt | er/sie/es nahm | er/sie/es hat genommen |
| wir | wir nehmen | wir nahmen | wir haben genommen |
| ihr | ihr nehmt | ihr nahmt | ihr habt genommen |
| sie | sie nehmen | sie nahmen | sie haben genommen |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich nehme | ich nähme |
| du | du nehmest | du nähmest |
| er/sie/es | er/sie/es nehme | er/sie/es nähme |
| wir | wir nehmen | wir nähmen |
| ihr | ihr nehmet | ihr nähmet |
| sie | sie nehmen | sie nähmen |
| Anrede | Form |
|---|---|
| du | nimm! |
| ihr | nehmt! |
| Sie | nehmen Sie! |
Redewendungen und feste Verbindungen
Etwas auf sich nehmen
Eine Belastung, Mühe oder Verantwortung übernehmen.
„Für das Treffen nimmt sie einen langen Umweg auf sich.“
Die Verbindung betont den übernommenen Aufwand. Sie bedeutet nicht, etwas auf den Körper zu legen.
Sich nicht nehmen lassen, etwas zu tun
Sich nicht davon abhalten lassen, etwas Bestimmtes selbst zu tun.
„Er lässt es sich nicht nehmen, den Gästen persönlich zu danken.“
Häufig wird damit ein ausdrücklicher eigener Wunsch betont. Sich steht in dieser Verbindung im Dativ.
Etwas ernst nehmen
Eine Sache als wichtig behandeln und sich angemessen mit ihr befassen.
„Die Gruppe nimmt den Einwand ernst und prüft die fehlende Angabe.“
Ernst nehmen bedeutet nicht automatisch zustimmen. Auch eine gründlich geprüfte Behauptung kann sich als falsch erweisen.
