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singen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
singen
Worttrennung
sin·gen
Präsens
er singt
Präteritum
er sang
Partizip II
gesungen
Hilfsverb
haben

Starkes Verb: sang, gesungen; Konjunktiv II sänge. Poetisches Erzählen dichterisch veraltend, Aussagen bei einer Vernehmung salopp.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Singen heißt zunächst, mit der Stimme Töne, eine Melodie oder ein Lied hervorzubringen. Das Verb hat daneben besondere Verwendungen: Man kann eine Stimmlage singen, jemanden in den Schlaf singen oder in älteren Texten von etwas singen. Salopp kann singen auch bedeuten, bei einer Vernehmung andere zu verraten.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Mit der Stimme eine Melodie hervorbringen

Menschen können mit ihrer Stimme Töne zu einer Melodie oder einem Lied verbinden. Auch Vogelgesang wird mit singen bezeichnet. Wird das Verb auf einen Gegenstand übertragen, beschreibt es einen singenden Klangeindruck.

Die Klasse singt das Lied leise und ohne Begleitung.

Das Lied wird mit Stimmen vorgetragen. Der Satz sagt noch nichts über eine musikalische Bewertung der Aufführung.

Bedeutung 2: Eine bestimmte Stimmlage übernehmen

In einem Chor oder Ensemble kann singen mit der Bezeichnung einer Stimmlage verbunden sein. Gemeint ist die gesungene Stimme innerhalb des musikalischen Satzes.

Im Schulchor singt die Figur Alt.

Alt bezeichnet hier eine Stimmlage. Es ist weder das Alter der Figur noch der Titel eines Liedes gemeint.

Bedeutung 3: Durch Gesang einen Zustand bewirken

Mit einer passenden Ergänzung kann singen ein Ergebnis ausdrücken. Jemanden in den Schlaf singen nennt die Wirkung auf eine andere Person; sich heiser singen beschreibt einen Zustand der singenden Person.

Die Romanfigur singt ihr Kind mit einem ruhigen Lied in den Schlaf.

Das Kind schläft im erzählten Geschehen durch den Gesang ein. Ohne in den Schlaf würde nur die Tätigkeit bezeichnet.

Bedeutung 4: Wie es sich unter bestimmten Bedingungen singt

Unpersönlich-reflexiv lässt sich mit es singt sich beschreiben, wie leicht oder schwer das Singen unter bestimmten Bedingungen fällt. Die singende Person muss dabei nicht einzeln genannt sein.

Im kleinen, gut hörbaren Raum singt es sich für die Gruppe leichter.

Die Konstruktion beschreibt die Singbedingungen. Das Pronomen es bezeichnet keine selbst singende Sache.

Bedeutung 5: In Versen von etwas erzählen

Dichterisch veraltend kann von etwas singen ein Erzählen in Gedichten oder Liedern meinen. In einem heutigen Sachtext ist erzählen oder dichterisch darstellen meist unmittelbarer verständlich.

Die Einleitung erklärt, der Dichter singe vom Aufbruch der Reisenden.

Hier ist eine dichterische Darstellung gemeint. Dass der Dichter den Text hörbar vorgetragen hat, folgt daraus nicht.

Bedeutung 6: Bei einer Vernehmung andere verraten

Salopp kann singen heißen, belastende Angaben über andere zu machen, etwa über Beteiligte an einer Tat. Diese Verwendung ist sprachlich wertend und kein neutraler Ausdruck für jede Aussage.

Im Kriminalroman behauptet eine Figur, ihr Komplize habe bei der Vernehmung gesungen.

Die Figur meint belastende Angaben. Ob ihre Behauptung zutrifft, müsste die Handlung erst zeigen.

singen: Synonyme und andere Wörter

Bei Gesang

ein Lied vortragen · trällern · zwitschern

Ein Lied vortragen ist eine sachliche Umschreibung. Trällern lässt oft einen leichten oder heiteren Gesang erwarten. Zwitschern passt besonders zu bestimmten Vogelklängen und ist keine genaue Alternative für jede menschliche Singstimme.

„Sie singt ein Lied“ ist allgemein. „Sie trällert es vor sich hin“ fügt eine Vorstellung von Leichtigkeit hinzu.

Bei dichterischem und saloppem Gebrauch

erzählen · dichterisch darstellen · verraten

Erzählen passt zum Inhalt einer dichterischen Darstellung. Verraten passt zur saloppen Vernehmungsbedeutung. Bloßes Plaudern würde den möglichen Verrat an anderen nicht genau wiedergeben.

„Der Dichter singt vom Meer“ betrifft die Darstellung. „Der Komplize singt“ kann in einem Krimi eine belastende Aussage meinen.

Beispiele und Verwendung

Die Ergänzung verändert die Aussage

Sie singt ein Lied; ihre Schwester singt im Chor Sopran.

Im ersten Satz steht das vorgetragene Stück im Vordergrund, im zweiten die Stimmlage.

Ein Klangeindruck ist ein Bild

Im Gedicht singt der Teekessel, während draußen der Wind pfeift.

Dem Gegenstand wird bildhaft ein singender Klang zugeschrieben. Er hat keine menschliche Singstimme.

Grammatik und Beugung

Singen wird sin·gen getrennt. Die Stammformen lauten singt, sang, hat gesungen; der Konjunktiv II heißt sänge. Im Imperativ sind sing! und singe! möglich.

Das Verb kann ohne Objekt oder mit einem Akkusativobjekt stehen: sie singt, sie singt ein Lied. Vom Meer singen hat nach von den Dativ. In es singt sich leicht gehört sich zur unpersönlichen Konstruktion.

singen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichsingesang
dusingstsangst
er/sie/essingtsang
wirsingensangen
ihrsingtsangt
siesingensangen
singen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe gesungenhatte gesungen
duhast gesungenhattest gesungen
er/sie/eshat gesungenhatte gesungen
wirhaben gesungenhatten gesungen
ihrhabt gesungenhattet gesungen
siehaben gesungenhatten gesungen
singen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde singenwerde gesungen haben
duwirst singenwirst gesungen haben
er/sie/eswird singenwird gesungen haben
wirwerden singenwerden gesungen haben
ihrwerdet singenwerdet gesungen haben
siewerden singenwerden gesungen haben
singen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichsingesänge
dusingestsängest
er/sie/essingesänge
wirsingensängen
ihrsingetsänget
siesingensängen
singen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe gesungenhätte gesungen
duhabest gesungenhättest gesungen
er/sie/eshabe gesungenhätte gesungen
wirhaben gesungenhätten gesungen
ihrhabet gesungenhättet gesungen
siehaben gesungenhätten gesungen
singen: Imperativ
AnredeImperativ
dusing! / singe!
ihrsingt!
Siesingen Sie!

Redewendungen und feste Verbindungen

Das kannst du singen

Die umgangssprachliche Wendung bekräftigt, dass etwas sicher zutrifft oder dass man sich darauf verlassen kann. Gesang ist dabei nicht wörtlich gemeint.

Auf ihre Frage, ob er beim Aufbau wirklich helfe, antwortet die Figur: „Das kannst du singen.“

Die Antwort soll die Zusage nachdrücklich bekräftigen. In einem formellen Schreiben wäre darauf kannst du dich verlassen verständlicher.