allumfassend

Allumfassend: Alle Bereiche oder Bestandteile eines gemeinten Ganzen einschließend; mit dem Anspruch, nichts davon auszunehmen.

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Ein Anspruch auf vollständigen Umfang

Allumfassend bedeutet, dass alle Teile oder Bereiche eines Ganzen einbezogen werden. Das Adjektiv kann eine Erklärung, ein System, einen Anspruch oder eine Regelung betreffen. Es ist stärker als umfangreich: Viele Teile zu berücksichtigen heißt noch nicht, alle Teile zu berücksichtigen.

Was genau das Ganze ist, muss aus dem Zusammenhang hervorgehen. Eine allumfassende Regelung für eine bestimmte Ausstellung würde alle einschlägigen Bereiche dieser Ausstellung einschließen. Sie müsste deswegen nicht zugleich Regeln für jede andere Veranstaltung enthalten. Der Geltungsbereich darf also begrenzt sein, auch wenn innerhalb dieses Bereichs Vollständigkeit beansprucht wird.

Bei sehr großen Themen kann das Wort schnell zu viel versprechen. Eine kurze Übersicht über Literatur wird kaum sämtliche Werke, Epochen, Methoden und Lesarten erklären. Einführend, breit angelegt oder mit den wichtigsten Grundlagen beschreibt die tatsächliche Leistung dann häufig genauer.

Eigene Beispiele und ihre Ansprüche

  • „Die Figur sucht nach einer allumfassenden Erklärung für jedes Unglück.“ Der Satz beschreibt einen Anspruch der Figur. Er besagt nicht, dass eine solche Erklärung tatsächlich gefunden wird.
  • „Das Handbuch wirbt mit einem allumfassenden Überblick.“ Die Formulierung wird als Werbeversprechen gekennzeichnet. Ob es eingelöst wird, müsste anhand des Inhalts geprüft werden.
  • „Die Planung war breit angelegt, aber nicht allumfassend.“ Eine große Reichweite wird anerkannt, ohne Vollständigkeit zu behaupten.

Umfang, Genauigkeit und Vollständigkeit

umfassend
Kann eine weitreichende Behandlung vieler wesentlicher Gesichtspunkte bezeichnen. Allumfassend verstärkt diesen Anspruch bis zum Einschluss aller gemeinten Bereiche.
vollständig
Passt besonders gut zu einem klar abgegrenzten Bestand: Eine Liste enthält alle vorgesehenen Namen. Allumfassend klingt häufig weiter und grundlegender.
detailliert
Bezieht sich auf die Tiefe der Darstellung. Ein einziger Teilbereich kann sehr detailliert erklärt werden, während andere Bereiche fehlen.
allgemein
Kann eine übergeordnete Betrachtung oder einen weiten Geltungsbereich meinen. Allgemeine Hinweise sind deshalb nicht automatisch allumfassend.

Die Verbindungen ein allumfassender Anspruch, eine allumfassende Ordnung, eine allumfassende Theorie und allumfassend erklären sollten jeweils erkennen lassen, welcher Umfang gemeint ist. Ohne diese Begrenzung lässt sich die Aussage nur schwer prüfen.

Grammatik und Schreibweise

Wortart: Adjektiv, gebildet aus all- und umfassend. Geschrieben wird allumfassend mit ll, ss und abschließendem d. Die Wortgruppe alles umfassend kann eine Umschreibung sein; sie ersetzt nicht die Schreibung des Adjektivs.

Steigerung

Im strengen Sinn alle Bereiche einschließend wird allumfassend nicht sinnvoll gesteigert. Für einen Vergleich zunehmenden Umfangs passt umfassender. Eine Form wie ein allumfassender Plan ist keine Steigerung: -er kennzeichnet hier die Beugung vor dem männlichen Nomen Plan.

Beugung vor einem Nomen

Die Tabellen zeigen die Formen des hier erklärten Adjektivs. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl des Nomens. Die Pluralspalte gilt für alle grammatischen Geschlechter. Bei der gemischten Beugung steht im Plural etwa keine oder meine; ein hat keinen Plural.

allumfassend: Starke Beugung – ohne Artikel
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallumfassenderallumfassendeallumfassendesallumfassende
Genitivallumfassendenallumfassenderallumfassendenallumfassender
Dativallumfassendemallumfassenderallumfassendemallumfassenden
Akkusativallumfassendenallumfassendeallumfassendesallumfassende
allumfassend: Schwache Beugung – nach der, die, das
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallumfassendeallumfassendeallumfassendeallumfassenden
Genitivallumfassendenallumfassendenallumfassendenallumfassenden
Dativallumfassendenallumfassendenallumfassendenallumfassenden
Akkusativallumfassendenallumfassendeallumfassendeallumfassenden
allumfassend: Gemischte Beugung – nach ein/eine; Plural nach keine
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativallumfassenderallumfassendeallumfassendesallumfassenden
Genitivallumfassendenallumfassendenallumfassendenallumfassenden
Dativallumfassendenallumfassendenallumfassendenallumfassenden
Akkusativallumfassendenallumfassendeallumfassendesallumfassenden

Ein starkes Versprechen überarbeiten

Erfundene Schreibaufgabe: Eine Museumsgruppe erstellt eine Broschüre. Sie enthält einen Lageplan, fünf Werkbeschreibungen und Hinweise auf eine Führung. Im Entwurf heißt sie „Der allumfassende Museumsführer“.

Die Broschüre bietet einen ersten Überblick über das Museum. Der Lageplan erleichtert die Orientierung; fünf ausgewählte Werkbeschreibungen führen in die Sammlung ein. Wer sich weiter vertiefen möchte, findet Hinweise auf die Themenführung.

Warum das genauer ist: Die Überarbeitung benennt, was tatsächlich enthalten ist. Sie behauptet nicht mehr, alle Werke und Fragestellungen zu behandeln. Die Auswahl wird dadurch nicht schlechter; ihr Nutzen wird verständlicher beschrieben.

In einer Textanalyse kann der ursprüngliche Ausdruck dennoch interessant sein. Wer etwas allumfassend nennt, erhebt einen besonders großen Anspruch. Ob das überzeugt, übertrieben wirkt oder absichtlich ironisch ist, entscheidet der Vergleich zwischen Wortwahl und dargestelltem Inhalt.

Prüffrage für eigene Texte

Kannst du den gemeinten Gesamtbereich benennen und zeigen, dass wirklich alle relevanten Teile einbezogen sind? Falls nicht, ist eine begrenztere Formulierung meistens hilfreicher.

Weitere Wörter zum Beschreiben, Vergleichen und Auswählen findest du in der Adjektivliste.