aposteriorisch

Aposteriorisch: Auf Erfahrung beruhend oder durch Beobachtungen begründet; ein philosophischer Gegenbegriff zu apriorisch.

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Eine Aussage braucht Erfahrung als Grundlage

Aposteriorisch bedeutet, dass eine Erkenntnis oder Begründung auf Erfahrung beruht. Um eine Aussage zu rechtfertigen, muss man beispielsweise etwas beobachten, messen oder anhand erfahrungsbezogener Angaben prüfen. Das Wort gehört vor allem zum philosophischen Sprachgebrauch.

Ob die Bänke im Schulhof nass sind, lässt sich nicht allein aus der Bedeutung des Wortes Bank erschließen. Man muss den tatsächlichen Zustand feststellen. Eine darauf beruhende Aussage ist aposteriorisch begründet. Dabei kann durchaus sorgfältig gedacht und geschlussfolgert werden: Erfahrung und Denken schließen einander nicht aus.

Die Bezeichnung sagt nicht automatisch, dass die Beobachtung fehlerfrei oder das Ergebnis endgültig ist. Ein Messfehler bleibt möglich. Ebenso beweist die wiederholte Beobachtung einiger Fälle nicht ohne Weiteres eine Regel für alle denkbaren Fälle. Die Qualität und Reichweite der Begründung müssen gesondert geprüft werden.

Eigene Beispiele und Begründungswege

  • „Dass der Raum heute leer ist, wissen wir aposteriorisch: Wir haben hineingesehen.“ Die Aussage über einen tatsächlichen Zustand stützt sich auf eine Beobachtung.
  • „Die Untersuchung begründet ihre Einschätzung aposteriorisch mit den erhobenen Messwerten.“ Die Daten sind Teil der Begründung. Ob die Erhebung ausreichend war, ist eine zusätzliche Frage.
  • „Die Vermutung über den schnelleren Weg wurde erst aposteriorisch überprüft.“ Das Beispiel kann heißen, dass tatsächliche Wegzeiten verglichen wurden. Das bloße Nachdenken über den Stadtplan ersetzt diese Erfahrung nicht.

Aposteriorisch und ähnliche Ausdrücke

apriorisch
Bezeichnet eine Begründung, die für ihre Geltung nicht auf entsprechende Beobachtungen angewiesen ist. Der Unterschied betrifft die Grundlage des Urteils, nicht einfach den Zeitpunkt, an dem jemand es äußert.
empirisch
Liegt in der Bedeutung erfahrungsbezogen nahe. Das Wort begegnet besonders bei Untersuchungen, die Beobachtungen oder Daten auswerten.
nachträglich
Beschreibt eine zeitliche Reihenfolge. Eine nachträglich hingeschriebene Rechnung wird nicht allein deshalb aposteriorisch begründet.
erfahrungsgemäß
Kann im Alltag auf wiederholte Erfahrungen verweisen. Es ist eine verständliche Umschreibung, sagt aber ebenfalls noch nichts über die Sicherheit einer Verallgemeinerung.

Hilfreiche Frage: Wodurch weiß oder begründet die Person das? Ist eine Beobachtung des konkreten Sachverhalts nötig, geht es in Richtung einer aposteriorischen Grundlage. Entscheidend ist nicht nur, dass irgendwann nachgedacht wurde.

Grammatik und Schreibweise

Wortart: Adjektiv. Aposteriorisch wird in einem Wort geschrieben. Die zugrunde liegende Wendung a posteriori steht dagegen getrennt. Vor einem Nomen heißt es beispielsweise eine aposteriorische Erkenntnis; bei aposteriorisch begründen bleibt die Form unverändert.

Steigerung

Als Bezeichnung einer Begründungsart wird aposteriorisch gewöhnlich nicht gesteigert. Für einen Unterschied im Umfang der Daten ist durch mehr Beobachtungen gestützt genauer. Mehr Daten verändern nicht einfach das Adjektiv in eine höhere Qualitätsstufe und garantieren für sich genommen keine bessere Schlussfolgerung.

Beugung vor einem Nomen

Die Tabellen zeigen die Formen des hier erklärten Adjektivs. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl des Nomens. Die Pluralspalte gilt für alle grammatischen Geschlechter. Bei der gemischten Beugung steht im Plural etwa keine oder meine; ein hat keinen Plural.

aposteriorisch: Starke Beugung – ohne Artikel
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativaposteriorischeraposteriorischeaposteriorischesaposteriorische
Genitivaposteriorischenaposteriorischeraposteriorischenaposteriorischer
Dativaposteriorischemaposteriorischeraposteriorischemaposteriorischen
Akkusativaposteriorischenaposteriorischeaposteriorischesaposteriorische
aposteriorisch: Schwache Beugung – nach der, die, das
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativaposteriorischeaposteriorischeaposteriorischeaposteriorischen
Genitivaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischen
Dativaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischen
Akkusativaposteriorischenaposteriorischeaposteriorischeaposteriorischen
aposteriorisch: Gemischte Beugung – nach ein/eine; Plural nach keine
FallMaskulinum · SingularFemininum · SingularNeutrum · SingularPlural · alle Genera
Nominativaposteriorischeraposteriorischeaposteriorischesaposteriorischen
Genitivaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischen
Dativaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischenaposteriorischen
Akkusativaposteriorischenaposteriorischeaposteriorischesaposteriorischen

Eine Behauptung und ihren Beleg trennen

Erfundene Lernaufgabe: Zwei Gruppen möchten wissen, welcher Zugang zur Bücherei morgens weniger stark genutzt wird. Sie beobachten die beiden Eingänge an mehreren Tagen während desselben Zeitfensters.

Die Einschätzung über den weniger genutzten Eingang ist aposteriorisch begründet: Sie stützt sich auf die gezählten Eintritte. Die Beobachtung gilt zunächst für die untersuchten Morgenstunden. Für Nachmittage oder andere Wochentage lässt sich daraus nicht ohne zusätzliche Prüfung dieselbe Verteilung ableiten.

Das Beispiel benennt Daten und Reichweite. Es macht aus einer Beobachtung keine unbegrenzte Gewissheit. In einem echten Bericht müssten Zeitraum und Messverfahren genauer angegeben werden; hier dient die erfundene Situation nur dazu, den Begründungsweg zu erklären.

Kurz prüfen

Wird eine Aussage aposteriorisch, weil sie gestern statt heute ausgesprochen wurde? Nein. Der Zeitpunkt allein entscheidet nichts darüber, auf welche Grundlage sie sich stützt.

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