fremd
Fremd: nicht vertraut oder unbekannt; außerdem einer anderen Person gehörend oder von anderer Herkunft.
Was bedeutet fremd?
Fremd hängt von einem Bezugspunkt ab. Eine Straße ist jemandem fremd, wenn die Person sie nicht kennt. Fremdes Eigentum gehört dagegen einem anderen. Bei einem fremden Land kann ein Herkunfts- oder Zugehörigkeitsverhältnis gemeint sein.
Nichtvertrautheit und Herkunft sind verschiedene Fragen. Ein Mensch aus derselben Stadt kann einem fremd sein, während man eine andere Sprache oder ein anderes Land sehr gut kennt. Aus einem Namen oder dem Aussehen lässt sich deshalb nicht ableiten, wie vertraut jemand mit einer Umgebung ist.
Auch Beziehungen können sich verändern: Zwei früher nahestehende Figuren können einander fremd werden. Die Wendung beschreibt dann verlorenes Verständnis oder Nähe. In Hilflosigkeit ist ihr fremd wird eine Haltung als untypisch dargestellt. Solche Verbindungen müssen im jeweiligen Satz verstanden werden.
Eigene Beispiele mit Erklärung
- „Die Straße ist mir fremd, obwohl sie in meiner Heimatstadt liegt.“ Örtliche Nähe und persönliche Kenntnis werden unterschieden.
- „Er räumt fremde Unterlagen nur mit Erlaubnis um.“ Fremd bezeichnet hier die Zugehörigkeit zu einer anderen Person.
- „Nach Jahren ohne Gespräch sind die Geschwister einander fremd geworden.“ Gemeint ist eine veränderte Beziehung, nicht eine neue Herkunft.
Bedeutungsunterschiede und typische Missverständnisse
Bekannt bildet einen Gegensatz zur fehlenden Kenntnis. Vertraut kann darüber hinaus Nähe und Sicherheit ausdrücken. Bekannt und vertraut sind deshalb nicht in jedem Satz austauschbar.
Ausländisch bezieht sich auf ein anderes Land. Fremd kann hingegen auch das Haus nebenan oder eine ungewohnte eigene Reaktion beschreiben. Fremdartig hebt eine ungewöhnliche Wirkung hervor; fremdes Eigentum muss keineswegs ungewöhnlich aussehen.
Schreibweise und Grammatik
Fremd wird mit d am Ende geschrieben. Die Formen lauten ein fremder Ort, eine fremde Stimme und mit fremden Unterlagen. In der Ort ist mir fremd steht die Person im Dativ. Substantivierte Personenbezeichnungen werden großgeschrieben: ein Fremder, eine Fremde.
Steigerung
Die Steigerung lautet fremder und am fremdesten. Sie passt besonders zur Abstufung eines Nichtvertrautseins, etwa eine immer fremder wirkende Umgebung. Besitzzugehörigkeit ist dagegen gewöhnlich nicht steigerbar: Ein Gegenstand gehört einer anderen Person, ohne dadurch mehr oder weniger fremd zu werden.
Beugung im Überblick
Die Tabellen zeigen die Grundstufe vor einem Nomen. Die hervorgehobene Endung richtet sich nach Artikel, Fall, Geschlecht und Zahl. Bei der gemischten Beugung steht im Plural beispielsweise keine oder meine; ein hat keinen Plural.
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fremder | fremde | fremdes | fremde |
| Genitiv | fremden | fremder | fremden | fremder |
| Dativ | fremdem | fremder | fremdem | fremden |
| Akkusativ | fremden | fremde | fremdes | fremde |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fremde | fremde | fremde | fremden |
| Genitiv | fremden | fremden | fremden | fremden |
| Dativ | fremden | fremden | fremden | fremden |
| Akkusativ | fremden | fremde | fremde | fremden |
| Fall | Maskulin, Singular | Feminin, Singular | Neutrum, Singular | Plural, alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | fremder | fremde | fremdes | fremden |
| Genitiv | fremden | fremden | fremden | fremden |
| Dativ | fremden | fremden | fremden | fremden |
| Akkusativ | fremden | fremde | fremdes | fremden |
Die Grundregeln findest du im Überblick zu Adjektiven und ihrer Beugung.
Die Verwendung an einem Beispiel verstehen
Erfundenes Beispiel: In einer erfundenen Erzählung besucht eine Frau nach langer Zeit ihre frühere Schule. Der Bau ist erhalten, doch die Räume werden anders genutzt, die Wege sind verändert und niemand erkennt sie. Sie sagt, der vertraute Ort komme ihr fremd vor.
Die Schule wirkt auf die Besucherin fremd, weil ihre früheren Erwartungen nicht mehr zum gegenwärtigen Alltag passen. Der Gegensatz zwischen Erinnerung und aktueller Erfahrung trägt das Gefühl. Das Gebäude muss dafür weder neu noch in einem anderen Land liegen.
Der Absatz erklärt Fremdheit als perspektivischen Eindruck. Er behauptet nicht, die heutige Nutzung sei deshalb falsch oder schlechter. Andere Personen können denselben Ort als vertraut erleben, weil sie ihn unter den neuen Bedingungen kennengelernt haben.
Weitere passende Wörter findest du in der Adjektivliste mit Suche, Filtern und Wortauswahl.
