leise
Form & Grammatik
Adjektiv- Stichwort
- leise
- Worttrennung
- lei·se
- Komparativ
- leiser
- Superlativ
- am leisesten
Auch die kürzere Grundform leis ist belegt. Der Beugungsstamm lautet leis-: eine leise Stimme, nicht leisee. Verglichen werden geringe Lautstärke oder eine nur schwach erkennbare Wirkung.
Nur schwach hörbar; übertragen auch kaum wahrnehmbar oder nur gering ausgeprägt, etwa bei Zweifel, Hoffnung und Unbehagen.
Was bedeutet leise?
Leise beschreibt zunächst eine geringe Lautstärke. Eine Stimme, ein Schritt oder ein Geräusch ist nur schwach zu hören. Das Wort kann sowohl eine natürliche Klangwirkung als auch eine absichtliche Rücksichtnahme betreffen. Wer leise spricht, will vielleicht niemanden stören, muss aber keineswegs unsicher oder schüchtern sein.
Übertragen bezeichnet leise etwas kaum Wahrnehmbares oder nur schwach Ausgeprägtes. Ein leiser Verdacht ist noch nicht stark; eine leise Hoffnung besteht trotz Unsicherheit. In solchen Verbindungen geht es nicht um hörbare Geräusche. Die Aussage sie äußerte leise Zweifel kann sogar zwei Schwerpunkte haben: Die Zweifel wurden mit geringer Lautstärke ausgesprochen oder waren nur vorsichtig und schwach vorhanden. Zusätzliche Angaben klären die Lesart.
Für die Beschreibung einer Figur sollte die hörbare Form von der Haltung getrennt werden. Ein leises Nein kann völlig entschieden sein. Eine Person kann zudem innerlich aufgewühlt bleiben, obwohl sie kaum hörbar antwortet. Erst Wortlaut, Handlungen und gegebenenfalls innere Gedanken erlauben eine weitergehende Deutung. Lautstärke allein ist kein verlässlicher Maßstab für Selbstvertrauen oder Anteilnahme.
Drei Beispiele für leise
Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.
„Sie sprach leise, damit das Kind im Nachbarzimmer weiterschlafen konnte, erklärte ihre Entscheidung aber unmissverständlich.“
Der Satz nennt einen Anlass für die geringe Lautstärke. Die klare Aussage verhindert eine Gleichsetzung mit Unentschlossenheit.
„Beim zweiten Lesen regte sich ein leiser Zweifel, ob die beiden Termine tatsächlich zusammenpassten.“
Leise bezeichnet eine zunächst geringe Unsicherheit. Von einem hörbaren Klang ist hier nicht die Rede.
„Sein leises Nein blieb auch nach mehreren Nachfragen unverändert.“
Die Äußerung ist akustisch zurückhaltend, inhaltlich aber fest. Eine Analyse sollte beide Beobachtungen erhalten.
Synonyme für leise: passend zum Zusammenhang
Leise betrifft gewöhnlich geringe Lautstärke, kann aber auch eine schwach ausgeprägte Hoffnung oder einen kaum bemerkten Zweifel beschreiben. Die Alternative muss diese Ebenen auseinanderhalten. Eine leise Äußerung kann inhaltlich sehr entschieden sein. Umgekehrt lässt ein leiser Verdacht keine Aussage darüber zu, wie laut jemand darüber spricht.
| Ersatzwort | Passt bei | Unterschied |
|---|---|---|
| gedämpft | Stimmen, Musik und anderen Klängen | Betont zurückgenommene oder abgeschwächte Klangwirkung. Nicht jedes ursprünglich leise Geräusch wurde eigens gedämpft. |
| kaum hörbar | sehr geringer Lautstärke | Präzisiert den Höreindruck und ist stärker eingeschränkt als das allgemeinere leise. |
| schwach | Hoffnung, Zweifel oder anderen Regungen | Passt zur geringen Ausprägung, nicht als pauschaler Ersatz für eine ruhige oder diskrete Haltung. |
Wörter im Satz vergleichen
Die folgenden Satzpaare sind eigene Sprachbeispiele.
Ausgangssatz: „Hinter der geschlossenen Tür klingt die Musik leise.“
Alternative: „Hinter der geschlossenen Tür klingt die Musik gedämpft.“
Gedämpft passt, wenn die Tür den Klang abschwächt. Die zweite Fassung lenkt stärker auf die Klangwirkung; leise allein nennt nur die wahrgenommene Lautstärke.
Ausgangssatz: „Nach der ersten Absage bleibt eine leise Hoffnung.“
Alternative: „Nach der ersten Absage bleibt eine schwache Hoffnung.“
Schwach macht den geringen Grad ausdrücklich. Leise wirkt bildhafter und kann auch vorsichtige Zurückhaltung anklingen lassen. Ein hörbarer Ton ist in beiden Sätzen nicht gemeint.
Hier passt der Austausch nicht: Lautlos bedeutet ohne hörbares Geräusch. Leise Schritte können dagegen noch zu hören sein. Wer eine Szene beschreibt, sollte die geringere Lautstärke nicht ohne Grund in völlige Geräuschlosigkeit umwandeln.
Bei „Sie äußert leise Zweifel“ können geringe Lautstärke und vorsichtiger Zweifel zusammentreffen. „Mit leiser Stimme äußert sie entschiedene Zweifel“ trennt beides klar. Für eine Charakterisierung braucht eine Deutung als schüchtern oder ängstlich zusätzliche Hinweise; die Stimme allein genügt nicht.
Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
- Laut
- Ist bei der Klangstärke ein Gegenwort. Lautes Auftreten kann ebenso wenig wie leises Auftreten allein die innere Haltung erklären.
- Lautlos
- Bedeutet ohne hörbares Geräusch. Leise lässt gewöhnlich noch eine geringe Hörbarkeit zu; im Alltagsgebrauch können die Wörter bei vorsichtigen Bewegungen nahe zusammenliegen.
- Ängstlich
- Beschreibt Angst oder eine entsprechende Neigung. Leises Sprechen kann viele andere Gründe haben und belegt Angst nicht von selbst.
Schreibung und Grammatik
Die Steigerung lautet leiser, am leisesten. Vor einem Nomen stehen Formen wie ein leiser Ton und eine leise Stimme. In sie antwortet leise bleibt das Adjektiv ungebeugt. In der Wendung nicht im Leisesten wird großgeschrieben, etwa ich zweifle nicht im Leisesten. Die Wendung bedeutet überhaupt nicht und betrifft keine messbare Lautstärke.
Die Übersicht zu Adjektiven erläutert Beugung und Verwendung im Satz.
Beugung von leise
Ein leiser Ton ist nur schwach zu hören. Die weibliche Grundform heißt leise, nicht leisee; leiser kann vor einem männlichen Nomen ebenfalls zur Grundstufe gehören.
Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.
Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leiser | leise | leises | leise |
| Genitiv | leisen | leiser | leisen | leiser |
| Dativ | leisem | leiser | leisem | leisen |
| Akkusativ | leisen | leise | leises | leise |
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leise | leise | leise | leisen |
| Genitiv | leisen | leisen | leisen | leisen |
| Dativ | leisen | leisen | leisen | leisen |
| Akkusativ | leisen | leise | leise | leisen |
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
| Fall | Maskulin Singular | Feminin Singular | Neutrum Singular | Plural alle Genera |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | leiser | leise | leises | leisen |
| Genitiv | leisen | leisen | leisen | leisen |
| Dativ | leisen | leisen | leisen | leisen |
| Akkusativ | leisen | leise | leises | leisen |
Herkunft und Wortbildung
Mittelhochdeutsch līse und das althochdeutsche Adverb līso gehören zur Vorgeschichte des Wortes. Sie konnten eine sanfte oder schwach hörbare Wirkung beschreiben; die weitere Herkunft ist ungeklärt. Im heutigen Gebrauch steht neben geringer Lautstärke auch eine nur schwach angedeutete Wirkung, etwa bei leisen Zweifeln.
Verwendung in einer Charakterisierung
Eigener Charakterisierungsbeleg: Die Figur spricht mit kaum hörbarer Stimme, hält ihre begründete Entscheidung aber auch unter Druck aufrecht. Ihr Auftreten ist leise und zugleich bestimmt. Die Analyse sollte Lautstärke und Festigkeit gesondert belegen. Aus der leisen Stimme allein ließen sich weder Angst noch geringe Überzeugungskraft sicher ableiten.
Wie Beobachtung, Textbeleg und Deutung zusammengehören, erklärt die Anleitung zur Charakterisierung.
