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schmierig

Form & Grammatik

Adjektiv
Stichwort
schmierig
Worttrennung
schmie·rig
Komparativ
schmieriger
Superlativ
am schmierigsten

Die Steigerung kann klebrige Beschaffenheit, unangenehme Freundlichkeit oder anstößige Zweideutigkeit vergleichen. Diese wörtlichen und übertragenen Bedeutungen brauchen unterschiedliche Kriterien.

Formen und Verwendung im Detail

Wörtlich klebrig, fettig verschmutzt oder rutschig; bei Verhalten abwertend für unangenehm anbiederndes Auftreten oder aufdringlich zweideutige Äußerungen.

Was bedeutet schmierig?

Schmierig beschreibt zunächst eine feucht-klebrige, oft rutschige Beschaffenheit oder entsprechenden Schmutz. Auf Menschen übertragen kann es einen ungepflegten Eindruck bezeichnen. Es kann aber auch das Verhalten kritisieren: Eine übertrieben vertrauliche, anbiedernde Freundlichkeit wirkt unangenehm oder abstoßend. Bei Bemerkungen und Witzen ist häufig eine als unanständig empfundene Zweideutigkeit gemeint.

Diese Bedeutungen dürfen nicht miteinander vermischt werden. Nach einer Reparatur schmierige Hände zu haben, sagt nichts über den Charakter aus. Ebenso benötigt das Urteil über ein schmieriges Auftreten einen Zusammenhang: Welche Annäherung ist unerwünscht, welche Bemerkung missachtet eine Grenze? Der Ausdruck vermittelt starke Abneigung des Urteilenden. Eine genaue Analyse sollte deshalb das beobachtete Verhalten benennen und kenntlich machen, aus wessen Perspektive es bewertet wird.

Drei Beispiele für schmierig

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterungen.

„Nach dem Wechsel der Fahrradkette waren ihre Finger schmierig, und auf dem Tuch blieben dunkle Streifen zurück.“

Die wörtliche Beschaffenheit ist durch die Arbeit erklärt. Das Beispiel enthält keine moralische Bewertung der Person.

„Er lächelte schmierig und sprach sie trotz ihrer klaren Bitte um Abstand weiter mit vertraulichen Kosenamen an.“

Die missachtete Grenze begründet die unangenehme Wirkung. Nicht das Lächeln allein, sondern sein aufdringlicher Zusammenhang trägt die Bewertung.

„Seine schmierige Bemerkung machte aus einer sachlichen Frage eine unerwünschte sexuelle Anspielung.“

Das Adjektiv bezeichnet die als unanständig empfundene Zweideutigkeit. Es beschreibt keine körperliche Unsauberkeit.

Synonyme für schmierig: passend zum Zusammenhang

Schmierig kann eine fettig-klebrige Oberfläche oder ein unangenehm anbiederndes beziehungsweise anzügliches Verhalten beschreiben. Diese Bedeutungen sind auseinanderzuhalten. Schmierige Hände nach einer Reparatur sagen nichts über den Charakter aus. Bei einer Bemerkung muss dagegen erkennbar sein, welche Anspielung oder missachtete Grenze den Widerwillen auslöst. Ein Ersatz sollte diese Wertung nicht mit körperlicher Unsauberkeit verwechseln.

Alternativen nach Zusammenhang auswählen
AlternativePassend beiUnterschied
fettigOberflächen mit FettspurenPräzisiert eine mögliche Beschaffenheit, setzt aber einen passenden Stoffzusammenhang voraus.
anbiederndunerwünscht vertraulichem AuftretenBetont das aufdringliche Werben um Nähe oder Zustimmung.
unangenehm anzüglichsexuellen AnspielungenErklärt die negative Bewertung des Inhalts, nicht die Sauberkeit einer Person.

Eigene Sprachbeispiele mit Erläuterung.

Erstes Satzpaar

Ausgangssatz: „Nach dem Reinigen der Kette waren ihre Finger schmierig.“

Alternative: „Nach dem Reinigen der Kette waren ihre Finger fettig.“

Fettig passt, wenn die anhaftenden Rückstände tatsächlich Fett enthalten. Schmierig kann allgemeiner sein. Der Arbeitszusammenhang erklärt den Zustand, ohne daraus mangelnde Sorgfalt abzuleiten.

Zweites Satzpaar

Ausgangssatz: „Sie empfand seine schmierige Bemerkung als Grenzüberschreitung.“

Alternative: „Sie empfand seine unangenehm anzügliche Bemerkung als Grenzüberschreitung.“

Die Umschreibung passt, wenn eine unerwünschte sexuelle Anspielung gemeint ist. Sie wäre zu eng, falls die ursprüngliche Szene nur übertriebene Vertraulichkeit ohne Anzüglichkeit zeigt.

Grenze des Austauschs: Zweideutig kann bloß zwei mögliche Deutungen bezeichnen und ist nicht immer anzüglich. Schleimig liegt beim aufgesetzten Schmeicheln nahe, deckt aber nicht automatisch dieselbe Stoffeigenschaft oder die konkrete sexuelle Anspielung ab.

Schmierig wird mit ie geschrieben: ein schmieriger Griff. Bei einer Figurenanalyse sollte der Text die unerwünschte Annäherung oder missachtete Bitte nennen. „Wirkt auf sie schmierig“ hält die Perspektive sichtbar. So wird aus einer begründeten Beschreibung kein pauschales Urteil über Aussehen oder gesellschaftliche Herkunft.

Weitere Abgrenzungen: Ähnliche Wörter unterscheiden
Schleimig
Liegt beim unangenehmen Anbiedern nahe. Schmierig kann zusätzlich auf aufdringliche oder unanständige Zweideutigkeit zielen; die stofflichen Bedeutungen sind ebenfalls verschieden.
Schlampig
Betrifft fehlende Sorgfalt oder ein ungepflegtes Äußeres. Die spezielle Kritik an anbiederndem oder zweideutigem Verhalten ist darin nicht enthalten.
Zweideutig
Bedeutet zunächst, dass eine Äußerung zwei Deutungen zulässt. Schmierig fügt bei entsprechenden Anspielungen eine klare negative Bewertung hinzu.

Schreibung und Grammatik

Schmierig wird mit ie geschrieben: ein schmieriger Griff, eine schmierige Bemerkung, schmieriges Auftreten. Die Steigerung lautet schmieriger, am schmierigsten. In er grinst schmierig steht das Adjektiv adverbial. Bei schmierigen Händen ist die wörtliche Bedeutung gemeint; bei einem schmierigen Ton entscheidet der Zusammenhang über die übertragene Lesart. Das Substantiv lautet Schmierigkeit.

Weitere Hinweise zur Beugung bietet die Übersicht der Adjektive.

Beugung von schmierig

Ein schmieriger Griff kann klebrig oder fettig sein. Bei einem schmierigen Witz ist eine unangenehme Zweideutigkeit gemeint. Die wörtliche Beschaffenheit und die abwertende Übertragung werden gleich gebeugt.

Die Endung vor einem Nomen richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleiter. In der gemischten Beugung steht im Plural keine; ein hat keinen Plural.

Starke Beugung · ohne ArtikelDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Starke Beugung · ohne Artikel
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschmierigerschmierigeschmierigesschmierige
Genitivschmierigenschmierigerschmierigenschmieriger
Dativschmierigemschmierigerschmierigemschmierigen
Akkusativschmierigenschmierigeschmierigesschmierige
Schwache Beugung · nach der, die, dasDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Schwache Beugung · nach der, die, das
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschmierigeschmierigeschmierigeschmierigen
Genitivschmierigenschmierigenschmierigenschmierigen
Dativschmierigenschmierigenschmierigenschmierigen
Akkusativschmierigenschmierigeschmierigeschmierigen
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keineDie Formen nach Fall, Geschlecht und Zahl vergleichen.
Gemischte Beugung · nach ein/eine, im Plural nach keine
FallMaskulin SingularFeminin SingularNeutrum SingularPlural alle Genera
Nominativschmierigerschmierigeschmierigesschmierigen
Genitivschmierigenschmierigenschmierigenschmierigen
Dativschmierigenschmierigenschmierigenschmierigen
Akkusativschmierigenschmierigeschmierigesschmierigen

Herkunft und Wortbildung

Schmierig ist eine Bildung mit -ig aus der Wortfamilie von Schmiere und schmieren. Die stoffliche Vorstellung einer klebrigen, verschmutzten Oberfläche bleibt im Wort erkennbar. Bei Personen und Äußerungen wird die unangenehme Wirkung bildlich auf den Umgang übertragen. Diese heutige Bedeutungsbeziehung erklärt das Wort, ohne Aussehen und Haltung einer Person gleichzusetzen.

Verwendung in einer Charakterisierung

Eigener Charakterisierungsbeleg: Obwohl Nora Abstand verlangt, setzt der Besucher seine vertraulichen Anreden fort und versieht eine sachliche Frage mit einer zweideutigen Bemerkung. Sein Auftreten wirkt auf sie schmierig. Die Analyse kann die missachtete Grenze und die unangemessene Anspielung benennen. Damit ist mehr erklärt als mit einem pauschalen Urteil über seine Kleidung oder sein Äußeres.

Die Anleitung zur Charakterisierung erläutert das Zusammenspiel von Beobachtung, Beleg und Deutung.

Schmierig in der Übersicht der Charaktereigenschaften