unbestechlich

Unbestechlich: Sich durch persönliche Vorteile oder sachfremden Druck nicht von einem pflichtgemäßen, begründeten Urteil abbringen lassend.

Was bedeutet unbestechlich?

Unbestechlich bezeichnet im engeren Sinn den Widerstand gegen Bestechung: Eine Person nimmt keinen Vorteil dafür an, ihre Aufgabe zugunsten eines anderen zu verfälschen. Im weiteren Sinn kann auch ein unabhängiges, nüchtern prüfendes Urteil gemeint sein.

Das Wort bedeutet nicht unfehlbar. Auch eine unbestechliche Prüferin kann einen Fehler machen oder Informationen übersehen. Ihre Integrität zeigt sich darin, nach sachlichen Maßstäben zu urteilen und persönliche Vorteile nicht zum Entscheidungskriterium zu machen.

Auf den PunktUnbestechlich beschreibt die Integrität einer Entscheidung, nicht deren garantierte Fehlerfreiheit.

Beispiele und Verwendung

Die unbestechliche Schiedsrichterin wies das Geschenk vor dem Spiel zurück.

So ist es gemeint: Ein möglicher persönlicher Vorteil soll das Urteil nicht beeinflussen.

Sein unbestechlicher Blick erkannte auch die Schwächen des eigenen Entwurfs.

So ist es gemeint: Der übertragene Gebrauch meint eine nüchterne Prüfung.

Sie korrigierte ihren Irrtum, blieb aber unbestechlich.

So ist es gemeint: Ein sachlicher Fehler widerspricht nicht automatisch der Integrität.

Typische Verbindungen: unbestechlich urteilen, eine unbestechliche Prüferin, unbestechliche Redlichkeit, als unbestechlich gelten.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unparteiisch
Betont die fehlende Bevorzugung einer Seite. Unbestechlich hebt besonders die Widerstandskraft gegen sachfremde Vorteile hervor.
unabhängig
Ist weiter und kann auch wirtschaftliche oder institutionelle Freiheit bedeuten.
ehrlich
Bezeichnet Wahrhaftigkeit und Redlichkeit allgemein, nicht nur die Ausübung einer Entscheidungsaufgabe.

Bestechlich ist der direkte Gegenbegriff. Korrigierbar ist keiner: Gute Gründe dürfen ein unbestechliches Urteil verändern.

Unbestechlich in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte prüft Emil Angebote für einen neuen Vereinsdrucker. Ein Anbieter verspricht ihm ein privates Gerät, falls er dessen Angebot auswählt. Emil lehnt ab, legt die Nachricht offen und vergleicht die Angebote nach Kosten und Leistung. Als ein Kollege auf einen übersehenen Wartungspreis hinweist, ergänzt er seine Tabelle.

  1. Beobachtung: Emil weist den persönlichen Vorteil zurück, macht den Versuch transparent und prüft weiter nach sachlichen Kriterien.
  2. Deutung: Das zeigt Unbestechlichkeit bei dieser Entscheidung.
  3. Grenze der Aussage: Die Ergänzung der Tabelle verdeutlicht, dass Integrität keine vollständige Sachkenntnis voraussetzt. Ein Fehler wäre nicht schon ein Beleg für Korruption.

Musterformulierung

Emil handelt bei der Angebotsprüfung unbestechlich, weil er den privaten Vorteil ablehnt und den Einflussversuch offenlegt. Zugleich ergänzt er eine übersehene Kostenangabe. Seine Redlichkeit besteht in der Bindung an sachliche Kriterien und nicht in der Behauptung, niemals etwas zu übersehen.

Der Absatz unterscheidet die ethische Qualität des Vorgehens von seiner möglichen sachlichen Korrektur.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·be·stech·lich
Verwandtes Nomen
die Unbestechlichkeit

Unbestechlich ist ein Adjektiv: ein unbestechlicher Prüfer, mit unbestechlichem Urteil. Die Vorsilbe steht unmittelbar vor bestechlich.

SteigerungIm engeren Sinn wird unbestechlich gewöhnlich nicht gesteigert. Rhetorische Vergleiche sind möglich; bei sachlicher Beschreibung sollte stattdessen der konkrete Umgang mit Vorteilen und Druck erläutert werden.

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunbestechlicherunbestechlicheunbestechlichesunbestechliche
Genitivunbestechlichenunbestechlicherunbestechlichenunbestechlicher
Dativunbestechlichemunbestechlicherunbestechlichemunbestechlichen
Akkusativunbestechlichenunbestechlicheunbestechlichesunbestechliche
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unbestechlichedie unbestechlichedas unbestechlichedie unbestechlichen
Genitivdes unbestechlichender unbestechlichendes unbestechlichender unbestechlichen
Dativdem unbestechlichender unbestechlichendem unbestechlichenden unbestechlichen
Akkusativden unbestechlichendie unbestechlichedas unbestechlichedie unbestechlichen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unbestechlichereine unbestechlicheein unbestechlicheskeine unbestechlichen
Genitiveines unbestechlicheneiner unbestechlicheneines unbestechlichenkeiner unbestechlichen
Dativeinem unbestechlicheneiner unbestechlicheneinem unbestechlichenkeinen unbestechlichen
Akkusativeinen unbestechlicheneine unbestechlicheein unbestechlicheskeine unbestechlichen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Unbestechlich verneint bestechlich und gehört zum Verb bestechen. Gemeint ist hier das Gewinnen fremder Entscheidungen durch sachfremde Vorteile. Der Wortbau erklärt die Widerstandskraft dagegen; er sagt nicht, dass jede Entscheidung dieser Person fehlerfrei wäre.

Zur Übersicht der Charaktereigenschaften