unerträglich

Unerträglich: Als so belastend, unangenehm oder empörend empfunden, dass etwas kaum ertragen werden kann; auch als starke Verstärkung gebraucht.

Was bedeutet unerträglich?

Unerträglich kann Schmerzen, Lärm, eine Lage oder das Verhalten eines Menschen bewerten. Die Bezeichnung hebt die Stärke der Belastung hervor, erklärt aber allein noch nicht, wodurch sie entsteht.

Bei Personen ist die Formulierung oft emotional und pauschal. Genauer ist es, das konkrete Verhalten und die betroffene Perspektive zu nennen. Eine Figur kann jemandem unerträglich erscheinen, ohne dass alle anderen denselben Eindruck teilen.

Auf den PunktUnerträglich bezeichnet eine starke Belastungswirkung. Benenne ihren Anlass und die Betroffenen.

Beispiele und Verwendung

Das ständige Unterbrechen wurde ihr unerträglich.

So ist es gemeint: Ein konkreter Gesprächsablauf verursacht die Belastung.

Der Lärm im Flur war unerträglich laut.

So ist es gemeint: Das Wort verstärkt das empfundene Ausmaß.

Heute fand er jeden gut gemeinten Rat unerträglich.

So ist es gemeint: Auch die momentane Verfassung des Betroffenen beeinflusst die Bewertung.

Typische Verbindungen: unerträglich werden, unerträgliches Verhalten, etwas unerträglich finden, unerträglich laut.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

unausstehlich
Liegt besonders bei stark abgelehntem Verhalten sehr nahe.
belastend
Ist weniger zugespitzt und bezeichnet die Beanspruchung genauer.
unverschämt
Bewertet das Überschreiten von Grenzen des Respekts; nicht jede unerträgliche Lage beruht darauf.

Erträglich ist der direkte Gegensatz. Angenehm geht weiter: Etwas kann erträglich sein, ohne angenehm zu werden.

Unerträglich in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Geschichte muss Paula für eine Prüfung lernen. Ihr Mitbewohner spielt trotz mehrerer Absprachen bis spät in die Nacht laute Musik. Als sie um Ruhe bittet, dreht er erneut auf. Paula bezeichnet die Situation als unerträglich und sucht für die verbleibenden Tage einen anderen Lernort.

  1. Beobachtung: Die wiederholte Missachtung der Ruheabsprache erschwert Paulas Vorbereitung und führt zu einem Ortswechsel.
  2. Deutung: Unerträglich drückt die starke Belastung aus ihrer Perspektive aus.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene rechtfertigt eine Kritik am konkreten Verhalten, aber kein vollständiges Urteil über alle Eigenschaften des Mitbewohners.

Musterformulierung

Paula erlebt die Wohnsituation als unerträglich, weil die wiederholt missachtete Ruheabsprache ihre Prüfungsvorbereitung verhindert. Der Wechsel des Lernorts zeigt, wie stark sie sich belastet fühlt. Die Bewertung ist damit an einen konkreten Konflikt und dessen Folgen gebunden.

Der Absatz macht aus einem emotionalen Wort eine nachvollziehbare Wirkungsbeschreibung.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
un·er·träg·lich
Verwandtes Nomen
die Unerträglichkeit

Es heißt ein unerträglicher Lärm und mit unerträglichen Folgen. Als Verstärkung bleibt die Form ungebeugt: unerträglich laut.

Grundformunerträglich
Komparativunerträglicher
Superlativam unerträglichsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativunerträglicherunerträglicheunerträglichesunerträgliche
Genitivunerträglichenunerträglicherunerträglichenunerträglicher
Dativunerträglichemunerträglicherunerträglichemunerträglichen
Akkusativunerträglichenunerträglicheunerträglichesunerträgliche
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder unerträglichedie unerträglichedas unerträglichedie unerträglichen
Genitivdes unerträglichender unerträglichendes unerträglichender unerträglichen
Dativdem unerträglichender unerträglichendem unerträglichenden unerträglichen
Akkusativden unerträglichendie unerträglichedas unerträglichedie unerträglichen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein unerträglichereine unerträglicheein unerträglicheskeine unerträglichen
Genitiveines unerträglicheneiner unerträglicheneines unerträglichenkeiner unerträglichen
Dativeinem unerträglicheneiner unerträglicheneinem unerträglichenkeinen unerträglichen
Akkusativeinen unerträglicheneine unerträglicheein unerträglicheskeine unerträglichen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Un- verneint erträglich, also das, was sich ertragen lässt. Im tatsächlichen Gebrauch ist die Aussage oft zugespitzt: Gemeint ist dann eine besonders hohe, subjektiv kaum noch hinnehmbare Belastung.

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