unfein
Unfein: Als wenig gepflegt, vornehm oder taktvoll beurteilt; im Benehmen oder Ausdruck gegen entsprechende Umgangserwartungen verstoßend.
Was bedeutet unfein?
Unfein bewertet Stil und Benehmen nach einem Maßstab von Gepflegtheit oder gesellschaftlicher Angemessenheit. Eine Bemerkung kann als unfein gelten, weil sie grob, aufdringlich oder in der Situation unpassend ist.
Der Ausdruck verrät oft auch die sozialen Maßstäbe der urteilenden Person. Was in einem förmlichen Rahmen unfein erscheint, kann in einer vertrauten Runde üblich sein. Unfein bedeutet deshalb nicht automatisch moralisch verwerflich oder schädlich.
Beispiele und Verwendung
Die Frage nach dem Preis ihres Geschenks empfand sie als unfein.
So ist es gemeint: Die Bewertung betrifft Takt in einer konkreten sozialen Lage.
Sein unfeiner Ton störte die förmliche Begrüßung.
So ist es gemeint: Ausdrucksweise und Rahmen passen nicht zusammen.
Die Runde fand den Scherz unfein, aber niemand fühlte sich persönlich angegriffen.
So ist es gemeint: Stilurteil und persönliche Verletzung sind verschieden.
Typische Verbindungen: unfeines Benehmen, ein unfeiner Kommentar, etwas unfein finden, unfeine Manieren.
Synonyme und Bedeutungsunterschiede
- unhöflich
- Bezeichnet stärker eine Verletzung von Höflichkeitsregeln gegenüber anderen.
- derb
- Beschreibt eine kräftige, grobe Ausdrucksweise, die auch herzlich wirken kann.
- vulgär
- Ist meist stärker abwertend und kann besonders grobe oder ordinäre Sprache betreffen.
Fein, taktvoll und gepflegt sind je nach Bezug passende Gegensätze.
Unfein in einer Charakterisierung
Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.
Beispielsituation
In einer erfundenen Geschichte überreicht eine Kollegin dem Team selbst gebackene Kekse. Ralf fragt vor allen, ob gekaufte nicht besser gewesen wären, und vergleicht die Dose mit einem billigen Werbegeschenk. Zwei Kollegen nennen den Kommentar unfein. Ralf bemerkt erst an der stillen Reaktion der Bäckerin, dass seine vermeintliche Scherzhaftigkeit nicht ankommt.
- Beobachtung: Ralf stellt die freundliche Gabe öffentlich abwertend dar und verkennt zunächst ihre soziale Bedeutung.
- Deutung: Der Kommentar wirkt unfein, weil er in einer Situation des Dankes grob und taktlos erscheint.
- Grenze der Aussage: Die Szene zeigt die Wirkung einer Bemerkung. Ob Ralf bewusst verletzen wollte, bleibt offen; mangelnde Absicht beseitigt die Wirkung nicht.
Musterformulierung
Ralfs Kommentar wirkt unfein, weil er die selbst gebackene Gabe öffentlich mit etwas Billigem vergleicht. Er verfehlt damit den taktvollen Umgang mit einer freundlichen Geste. Die Szene belegt eine unpassende Bemerkung, ohne seine Absicht vollständig offenzulegen.
Der Absatz erklärt das Stilurteil über Anlass und Wirkung, statt nur ein zweites abwertendes Wort einzusetzen.
Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.
Grammatik und richtige Schreibweise
- Wortart
- Adjektiv (Eigenschaftswort)
- Worttrennung
- un·fein
- Verwandtes Nomen
- die Unfeinheit
Es heißt ein unfeiner Ton und mit unfeinen Bemerkungen. Das Adjektiv wird nach wirken nicht gebeugt.
Beugung: Welche Endung passt?
Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | unfeiner | unfeine | unfeines | unfeine |
| Genitiv | unfeinen | unfeiner | unfeinen | unfeiner |
| Dativ | unfeinem | unfeiner | unfeinem | unfeinen |
| Akkusativ | unfeinen | unfeine | unfeines | unfeine |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der unfeine | die unfeine | das unfeine | die unfeinen |
| Genitiv | des unfeinen | der unfeinen | des unfeinen | der unfeinen |
| Dativ | dem unfeinen | der unfeinen | dem unfeinen | den unfeinen |
| Akkusativ | den unfeinen | die unfeine | das unfeine | die unfeinen |
| Fall | Maskulin | Feminin | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ein unfeiner | eine unfeine | ein unfeines | keine unfeinen |
| Genitiv | eines unfeinen | einer unfeinen | eines unfeinen | keiner unfeinen |
| Dativ | einem unfeinen | einer unfeinen | einem unfeinen | keinen unfeinen |
| Akkusativ | einen unfeinen | eine unfeine | ein unfeines | keine unfeinen |
Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.
Wortbildung und Herkunft
Un- verneint hier den übertragenen Sinn von fein: gepflegt, vornehm oder taktvoll. Die körperliche Feinheit eines Materials ist bei dieser Personenbeschreibung nicht gemeint.
