Synonymie: Bedeutung, Beispiele und Wirkung
Synonymie bezeichnet allgemein eine Bedeutungsähnlichkeit zwischen Wörtern. Als rhetorisches Mittel ist damit die Häufung sinnnaher Ausdrücke gemeint: Mehrere Formulierungen richten den Blick auf einen gemeinsamen Gedanken, erläutern ihn oder verstärken ihn. Für diese Figur wird auch der Name Synonymia verwendet.
Sinnähnliche Wörter gezielt häufen
Eigene Beispiele
„Nach der Absage fühlte sie sich hilflos, ratlos, ohne jeden Ausweg.“
„Er bat sie, ruhig, gelassen, mit innerer Ruhe an die Aufgabe zu gehen.“
Im ersten Satz sammeln sich Ausdrücke für eine als ausweglos empfundene Situation. Sie sind nicht völlig bedeutungsgleich: „ratlos“ betont den fehlenden Plan, „hilflos“ die fehlende Handlungsmöglichkeit. Ihre Nähe lässt denselben Zustand dennoch mehrfach hervortreten. Im zweiten Satz wird die gewünschte Ruhe durch zwei Adjektive und eine Wortgruppe ausgeführt.
Der Sinn muss also nicht mit jedem Ausdruck identisch bleiben. Gerade kleine Unterschiede können einen Gedanken genauer fassen. Bei der Analyse solltest du diese Nuancen benennen, statt alle Wörter pauschal als austauschbar zu behandeln.
Woran erkennst du rhetorische Synonymie?
- Reihe markieren: Welche Wörter oder Wendungen stehen erkennbar beieinander?
- Gemeinsamen Sinn suchen: Welcher Gedanke verbindet sie? Gibt es zugleich Bedeutungsnuancen?
- Einzelwortprobe machen: Was ginge an Nachdruck oder Genauigkeit verloren, wenn nur ein Ausdruck stehen bliebe?
„Tische, Stühle, Lampen“ nennt verschiedene Einrichtungsgegenstände. Die Wörter gehören zwar zu einem Themenbereich, sind aber keine Synonyme. „Einsam, allein, ohne Gesellschaft“ liegt näher an einer rhetorischen Synonymie. Doch auch hier ist eine Unterscheidung sinnvoll: Alleinsein bezeichnet zunächst eine Situation, Einsamkeit ein mögliches Erleben dieser Situation.
Synonymie, Tautologie und Akkumulation
| Mittel | Untersuchungsfrage |
|---|---|
| Rhetorische Synonymie | Werden bedeutungsähnliche Ausdrücke für denselben Gedanken gesammelt? |
| Tautologie | Wird inhaltlich dasselbe nochmals gesagt, etwa „nie und nimmer“? Das kann sich mit Synonymie überschneiden. |
| Akkumulation | Werden Einzelbegriffe gehäuft? Sie müssen nicht bedeutungsähnlich sein. |
| Pleonasmus | Wird eine bereits enthaltene Eigenschaft zusätzlich genannt, etwa die Farbe beim „weißen Schimmel“? |
Eine Reihe kann unter mehreren Gesichtspunkten beschrieben werden. „Still, leise, kaum hörbar“ arbeitet mit Sinnnähe; „flüsternd, sprechend, schreiend“ ordnet dagegen unterschiedliche Lautstärken. Die zweite Reihe könnte im passenden Zusammenhang eine Klimax bilden. Eine solche Steigerung ist für Synonymie nicht vorgeschrieben.
Ein Beispiel genau analysieren
Erfundene Beispielszene
Vor einer schwierigen Entscheidung sagt eine Figur: „Ich bin unschlüssig, unentschieden, mit mir selbst noch nicht im Reinen. Wenn ich jetzt antworte, wäre es nur ein geratenes Ja.“
Möglicher Analyseabsatz: Die Figur häuft mit „unschlüssig“, „unentschieden“ und der anschließenden Wendung sinngleiche beziehungsweise sinnnahe Beschreibungen ihrer Unsicherheit. Diese rhetorische Synonymie verzögert die erwartete Antwort und gibt dem fehlenden Entschluss Nachdruck. Die letzte Formulierung erweitert den bloßen Entscheidungsstand um einen inneren Konflikt. Der Folgesatz erklärt, weshalb die Figur noch keine verbindliche Zusage geben möchte.
Aus dieser einzelnen Äußerung folgt nicht, dass die Figur grundsätzlich entscheidungsschwach ist. Für eine Charakterisierung wären weitere Situationen nötig. Sicher beschreiben lässt sich zunächst, wie sie ihre gegenwärtige Unsicherheit sprachlich ausführt.
Verstärkung oder unnötige Länge?
Die Häufung kann eindringlich wirken und kleine Bedeutungsunterschiede sichtbar machen. Ohne erkennbaren Zweck kann sie einen Text aber auch schwerfällig machen. Für eine Bewerbung ist beispielsweise „zuverlässig, verlässlich, zuverlässig arbeitend“ weniger aussagekräftig als eine konkrete Handlung, die Zuverlässigkeit zeigt. Wiederholung allein liefert keinen zusätzlichen Beleg.
Übung: Welche Reihe arbeitet mit Sinnnähe?
A) „Er war verärgert, erbost, voller Unmut.“ B) „Er hatte Hunger, Durst und kalte Füße.“
Lösung anzeigen
A bündelt Ausdrücke für Ärger und ist ein passendes Beispiel. „Erbost“ kann stärker wirken als „verärgert“, die Sinnnähe bleibt aber erkennbar. B zählt unterschiedliche körperliche Bedürfnisse oder Zustände auf; die gemeinsame Situation macht sie nicht zu Synonymen.
Der Fachbegriff
Es heißt die Synonymie. Synonym beschreibt die Bedeutungsnähe; ein Synonym ist ein bedeutungsähnlicher Ausdruck. Die allgemeine Wortbeziehung und die rhetorische Figur sollten in einer Erklärung ausdrücklich auseinandergehalten werden. Zum Vergleichen hilft die Stilmittel-Übersicht.
