begutachten

Begutachten bedeutet, etwas fachlich zu prüfen und zu beurteilen. Umgangssprachlich kann es auch ein genaues, manchmal scherzhaftes Betrachten meinen. Begutachtet heißt nicht automatisch für gut befunden, zugelassen oder fehlerfrei.

Prüfen und fachlich beurteilen

Begutachten heißt, etwas fachkundig zu prüfen und zu beurteilen. Dabei werden Eigenschaften, Zustand oder Eignung untersucht. Die Beurteilung kann in einem Gutachten festgehalten werden; welche Form verlangt wird, hängt vom jeweiligen Zusammenhang ab.

Das Verb nennt einen Prüfungsvorgang, kein positives Ergebnis. Ein begutachteter Gegenstand kann als geeignet, ungeeignet oder nur unter bestimmten Bedingungen nutzbar beurteilt werden. Begutachtet bedeutet deshalb nicht automatisch zugelassen oder fehlerfrei.

Umgangssprachlich und oft scherzhaft kann begutachten auch ein sehr genaues, prüfendes Betrachten meinen. Wer das neue Möbelstück der Freunde begutachtet, erstellt möglicherweise gar kein förmliches Gutachten. Der Ton der Situation entscheidet über die Lesart.

Die fachliche Rolle sollte nicht allein durch das Verb behauptet werden. Wenn Sachkunde oder Zuständigkeit wichtig sind, nennt ein genauer Text, wer prüft und auf welche Frage sich die Prüfung bezieht.

Synonyme: Welches Wort passt?

AlternativeGeeigneter ZusammenhangUnterschied
fachlich beurteileneinen Gegenstand begutachtenBetont das begründete Urteil auf Grundlage einer Prüfung.
prüfeneinen Zustand begutachtenWeiter; nicht jede Prüfung endet in einem umfassenden Gutachten.
untersuchenein Objekt begutachtenHebt die Untersuchung hervor, nicht zwingend das abschließende Urteil.
genau betrachtenscherzhaft etwas begutachtenPasst zur lockeren Lesart, lässt Fachkunde und förmliche Bewertung offen.

Eigene Beispiele: kein Ergebnis vorwegnehmen

Ausgangssatz: Die Fachperson begutachtete den beschädigten Rahmen.

Alternative: Die Fachperson prüfte und beurteilte den beschädigten Rahmen.

Die eigenen Sätze beschreiben die Tätigkeit. „Die Fachperson erklärte den Rahmen für sicher“ wäre eine zusätzliche Ergebnisaussage. Sie darf nur ergänzt werden, wenn die Prüfung tatsächlich so ausging.

Eigene Beispiele: einen lockeren Ton erkennen

Ausgangssatz: Mit gespielt ernstem Blick begutachtete Lio die neue Keksdose.

Alternative: Mit gespielt ernstem Blick betrachtete Lio die neue Keksdose prüfend.

Die Alternative erklärt die scherzhafte Verwendung. Der Satz macht aus Lio keinen amtlichen Sachverständigen. Der Zusatz gespielt ernst ist für diese Deutung entscheidend.

Begutachtet, begutachtete, hat begutachtet

Begutachten ist ein regelmäßiges, nicht trennbares Verb. Das Perfekt verwendet haben. Das Partizip heißt begutachtet.

PersonPräsensPräteritum
ichbegutachtebegutachtete
dubegutachtestbegutachtetest
er / sie / esbegutachtetbegutachtete
wirbegutachtenbegutachteten
ihrbegutachtetbegutachtetet
sie / Siebegutachtenbegutachteten

Der Prüfgegenstand steht im Akkusativ: den Rahmen, die Unterlagen begutachten. Ein Passiv ist möglich: Die Unterlagen werden begutachtet. Mit zu lautet es zu begutachten.

Gutachten bleibt erkennbar

Begutachten wird zusammengeschrieben. Das Nomen Gutachten ist darin erkennbar. Das Verb beginnt im Satzinneren klein, das Nomen groß: ein Gutachten erstellen, das Objekt begutachten.

Prüffrage und Urteil auseinanderhalten

Ein Urteil sollte sich begründen lassen. Begutachten beschreibt den Weg zur Beurteilung, begründen das nachvollziehbare Angeben ihrer Gründe. Die Wörter ergänzen einander, sind aber keine vollständigen Synonyme.

Ein eigener Berichtssatz lautet: „Die Fachperson begutachtet die Verbindung im Hinblick auf sichtbare Schäden und erläutert anschließend ihre Einschätzung.“ Er begrenzt den Prüfbereich. Eine umfassende Garantie für alle denkbaren Eigenschaften wird damit nicht ausgesprochen. Weitere Verben stehen im Verbenwörterbuch.