besehen

besehen: Etwas anschauen oder näher betrachten; in genauer besehen auch eine Sache gedanklich eingehender prüfen.

Etwas genauer anschauen

Besehen bedeutet, etwas anzuschauen oder genauer zu betrachten. Häufig wird es mit einem Dativpronomen gebraucht: sich etwas besehen. Das Wort wirkt in vielen heutigen Zusammenhängen weniger alltäglich als anschauen, bleibt aber verständlich.

Der Blick kann auf einen Gegenstand, einen Schaden oder einen Ort gerichtet sein. Das Verb sagt noch nicht, dass eine fachliche Prüfung stattfindet. Wer sich einen Gegenstand besieht, kann ihn aufmerksam betrachten, ohne seine Ursache, Echtheit oder Funktion sicher beurteilen zu können.

In Wendungen wie „genauer besehen“ ist häufig eine gedankliche Betrachtung gemeint. Dann geht es darum, einen ersten Eindruck bei näherer Prüfung zu verändern oder zu präzisieren. Ein tatsächlicher Blick auf einen sichtbaren Gegenstand ist dafür nicht erforderlich.

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AlternativePassender ZusammenhangUnterschied
anschauenden Blick auf etwas richtenAlltäglicher und weiter; eine besondere Genauigkeit muss nicht gemeint sein.
betrachtensich etwas aufmerksam ansehenIn vielen Zusammenhängen nahe und sachlich.
besichtigeneinen Ort oder ein Objekt gezielt ansehenKann einen geplanten Besuch oder Rundgang nahelegen.
prüfenetwas anhand von Kriterien beurteilenGeht über bloßes Anschauen hinaus und sollte nicht ungeprüft gleichgesetzt werden.

Anschauen ist noch keine Fachprüfung

Eigener Beispielsatz: „Bevor sie antwortet, besieht sich Aylin den eingerissenen Umschlag.“

Zum Vergleich: „Bevor sie antwortet, schaut sich Aylin den eingerissenen Umschlag an.“

Die eigenen Sätze können dieselbe Handlung wiedergeben. Besehen klingt weniger alltäglich. Beide lassen offen, ob Aylin anschließend die Ursache des Risses erkennen kann.

Eigener Beispielsatz: „Genauer besehen widersprechen sich die beiden Aussagen nicht.“

Zum Vergleich: „Bei näherer Betrachtung widersprechen sich die beiden Aussagen nicht.“

Hier wird eine gedankliche Prüfung beschrieben. Die Umschreibung macht den übertragenen Gebrauch deutlich. Es geht nicht darum, die Schrift lediglich aus kürzerer Entfernung zu sehen.

Beobachtung und Folgerung auseinanderhalten

In einem Bericht kann zuerst beschrieben werden, was beim Besehen erkennbar ist, und danach, welche Vermutung daraus entsteht. Eine sichtbare Spur beweist nicht automatisch ihre Ursache. Das Verb beobachten kann einen längeren Verlauf betonen; besehen richtet sich häufig auf das nähere Anschauen eines bestimmten Gegenstands.

Grammatik und Konjugation

Präsens und Präteritum im Indikativ
PersonPräsensPräteritum
ichbesehebesah
dubesiehstbesahst
er / sie / esbesiehtbesah
wirbesehenbesahen
ihrbesehtbesaht
sie / Siebesehenbesahen

Das starke Verb bildet besah, hat besehen. Bei sich etwas besehen steht die Sache im Akkusativ und das Pronomen im Dativ: ich besehe mir den Plan, du besiehst dir den Plan. Das unterscheidet sich von reflexiven Verben mit mich oder dich. Der Infinitiv mit zu lautet zu besehen.