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chillen

Form & Grammatik

Verb
Lemma
chillen
Wortart
Verb · schwach
Worttrennung
chil·len
Stammformen
chillt – chillte – hat gechillt
Hilfsverb
haben
Trennbarkeit
nicht trennbar
Gebrauch
Umgangssprachlich: chillen = entspannen; sich chillen = sich abregen. Reflexivpronomen nur bei der zweiten Bedeutung.

Definition · kurz erklärt

Chillen bedeutet, sich zu entspannen oder ohne großen Tätigkeitsdruck Zeit zu verbringen. Das Wort ist umgangssprachlich. In sich chillen kann es außerdem heißen, sich wieder zu beruhigen.

Bedeutungen

Sich entspannen und locker Zeit verbringen

Wer chillt, muss nicht schlafen oder völlig untätig sein. Auch ein ruhiges Gespräch, Musikhören oder entspanntes Zusammensitzen kann gemeint sein. Im Vordergrund steht eine gelöste Haltung ohne großen Tätigkeitsdruck.

„Nach dem Umzug chillen wir auf dem Balkon.“

Hier ist eine entspannte Pause nach einer Anstrengung gemeint. Chillen bedeutet nicht automatisch Faulheit. Ob jemand freie Zeit genießt oder eine Pflicht aufschiebt, sagt das Verb allein nicht.

Sich abregen

In der reflexiven Verbindung sich chillen geht es um das Nachlassen von Ärger oder Aufregung. Besonders deutlich ist diese Lesart in der Aufforderung Chill dich!

„Chill dich erst mal, wir können den Spielstand noch retten.“

Die angesprochene Person soll ruhiger werden. Je nach Ton kann das freundlich oder herablassend wirken. Wer verärgert ist, empfindet eine solche Aufforderung nicht unbedingt als Hilfe.

Synonyme: andere Wörter für chillen

Erholung und freie Zeit

sich entspannen · sich ausruhen · relaxen

Sich entspannen betont das Nachlassen von Anspannung. Sich ausruhen stellt häufiger die Pause nach einer Anstrengung heraus. Relaxen hat wie chillen einen lockeren Ton.

„Nach dem Umzug chillen wir auf dem Balkon.“ → „Nach dem Umzug ruhen wir uns auf dem Balkon aus.“

Die zweite Fassung macht den Bezug zur Anstrengung deutlicher. Beide können dieselbe Pause beschreiben.

Eine Wertung hinzufügen

herumhängen · faulenzen

Herumhängen kann fehlendes Ziel oder Untätigkeit kritischer erscheinen lassen. Faulenzen kann spielerisch, aber auch vorwurfsvoll klingen. Beide sind deshalb nicht in jedem Zusammenhang ein neutraler Ersatz.

„Am freien Nachmittag chillt sie im Park.“ → „Am freien Nachmittag hängt sie im Park herum.“

Der zweite Satz kann zielloser oder kritischer wirken. Diese Wertung ist in chillen nicht zwingend enthalten.

Nach Aufregung wieder ruhig werden

sich abregen · sich beruhigen · wieder herunterkommen

Diese Ausdrücke passen zur reflexiven Lesart. Sich ausruhen wäre hier ungenau, wenn es um Ärger und nicht um Erschöpfung geht.

„Chill dich, der Fehler lässt sich beheben.“ → „Beruhige dich, der Fehler lässt sich beheben.“

Die zweite Fassung ist weniger jugendsprachlich. Die Aufforderung kann trotzdem ungeduldig klingen.

Beispiele und Verwendung

Eine gemeinsame Pause

„Wir chillen noch eine halbe Stunde am See und fahren dann nach Hause.“

Der Satz lässt offen, ob die Gruppe redet, Musik hört oder einfach sitzt. Die Zeit wird als entspannt beschrieben. In einem formellen Bericht wäre eine Pause machen oft klarer.

Eine Aussage genauer einordnen

„Sie chillt im Garten, beantwortet dabei aber gelegentlich Nachrichten.“

Auch leichte Tätigkeiten passen zum Chillen. Eine Person kann dabei entspannt wirken; das beweist nicht, dass sie grundsätzlich gelassen mit Schwierigkeiten umgeht.

Grammatik und Beugung

Chillen ist ein schwaches, nicht trennbares Verb. Die Stammformen sind chillen – chillte – hat gechillt. Das Hilfsverb ist haben; die Worttrennung lautet chil·len. Die eingeklammerten Reflexivpronomen gelten nur für sich chillen im Sinn von sich abregen; beim entspannten Zeitverbringen stehen die Formen ohne diese Pronomen.

Für die erste Bedeutung heißt es etwa wir chillen. Bei sich chillen im Sinn von „sich abregen“ ergänzt man das passende Reflexivpronomen: ich chille mich, du chillst dich, er chillt sich, wir chillen uns, ihr chillt euch, sie chillen sich. Anders als sich entspannen benötigt chillen in der Entspannungsbedeutung kein Reflexivpronomen.

Gegenwart und Vergangenheit

chillen: Indikativ – Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichchille (mich)chillte (mich)
duchillst (dich)chilltest (dich)
er/sie/eschillt (sich)chillte (sich)
wirchillen (uns)chillten (uns)
ihrchillt (euch)chilltet (euch)
sie/Siechillen (sich)chillten (sich)
chillen: Indikativ – Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe (mich) gechillthatte (mich) gechillt
duhast (dich) gechillthattest (dich) gechillt
er/sie/eshat (sich) gechillthatte (sich) gechillt
wirhaben (uns) gechillthatten (uns) gechillt
ihrhabt (euch) gechillthattet (euch) gechillt
sie/Siehaben (sich) gechillthatten (sich) gechillt

Möglichkeit und indirekte Wiedergabe

chillen: Konjunktiv I – Präsens und Perfekt
PersonPräsensPerfekt
ichchille (mich)habe (mich) gechillt
duchillest (dich)habest (dich) gechillt
er/sie/eschille (sich)habe (sich) gechillt
wirchillen (uns)haben (uns) gechillt
ihrchillet (euch)habet (euch) gechillt
sie/Siechillen (sich)haben (sich) gechillt
chillen: Konjunktiv I – Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde (mich) chillenwerde (mich) gechillt haben
duwerdest (dich) chillenwerdest (dich) gechillt haben
er/sie/eswerde (sich) chillenwerde (sich) gechillt haben
wirwerden (uns) chillenwerden (uns) gechillt haben
ihrwerdet (euch) chillenwerdet (euch) gechillt haben
sie/Siewerden (sich) chillenwerden (sich) gechillt haben
chillen: Konjunktiv II – einfache Form und Vergangenheit
Personeinfache FormVergangenheit
ichchillte (mich)hätte (mich) gechillt
duchilltest (dich)hättest (dich) gechillt
er/sie/eschillte (sich)hätte (sich) gechillt
wirchillten (uns)hätten (uns) gechillt
ihrchilltet (euch)hättet (euch) gechillt
sie/Siechillten (sich)hätten (sich) gechillt
chillen: Konjunktiv II – würde + Infinitiv und würde + Perfektinfinitiv
Personwürde + Infinitivwürde + Perfektinfinitiv
ichwürde (mich) chillenwürde (mich) gechillt haben
duwürdest (dich) chillenwürdest (dich) gechillt haben
er/sie/eswürde (sich) chillenwürde (sich) gechillt haben
wirwürden (uns) chillenwürden (uns) gechillt haben
ihrwürdet (euch) chillenwürdet (euch) gechillt haben
sie/Siewürden (sich) chillenwürden (sich) gechillt haben

Bei diesem schwachen Verb stimmen Konjunktiv II und Präteritum in der Form überein. Ich würde chillen macht eine Möglichkeit deutlicher. Der Konjunktiv I kommt etwa in indirekter Wiedergabe vor: Er sagt, er chille gerade.

Zukünftige und abgeschlossene Vorgänge

chillen: Indikativ – Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde (mich) chillenwerde (mich) gechillt haben
duwirst (dich) chillenwirst (dich) gechillt haben
er/sie/eswird (sich) chillenwird (sich) gechillt haben
wirwerden (uns) chillenwerden (uns) gechillt haben
ihrwerdet (euch) chillenwerdet (euch) gechillt haben
sie/Siewerden (sich) chillenwerden (sich) gechillt haben

Die Zukunft wird im Alltag oft auch mit Präsens ausgedrückt: Morgen chillen wir am See. Das Futur II, etwa Bis dahin werde ich eine Stunde gechillt haben, ist grammatisch möglich, klingt in diesem lockeren Wortschatz aber deutlich weniger alltäglich.

Aufforderung und weitere Formen

chillen: Imperativ
PersonAufforderung
duchill (dich)! / chille (dich)!
ihrchillt (euch)!
chillen: Infinite Formen
FormWortform
Infinitivchillen
Infinitiv mit zuzu chillen
Partizip Ichillend
Partizip IIgechillt

Woher kommt chillen?

Das Wort ist aus dem Englischen übernommen. To chill (out) kann „sich entspannen“ heißen; im wörtlichen Hintergrund steht das Abkühlen. Im Deutschen ist chillen in die Verbbeugung eingepasst: chillte und gechillt sind deutsche Formen.