lassen
Lassen bedeutet je nach Verbindung, etwas zu erlauben, zu veranlassen, nicht zu tun oder unverändert an einem Ort beziehungsweise in einem Zustand zu belassen.
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Was bedeutet lassen?
„Ich lasse dich entscheiden“ kann eine Erlaubnis oder den Verzicht auf Eingreifen ausdrücken. „Ich lasse das Fahrrad reparieren“ bedeutet dagegen, dass eine andere Person die Reparatur ausführen soll. Das Verb benennt hier eine Veranlassung.
In „Lass das!“ fordert jemand zum Unterlassen auf. „Ich lasse die Tasche im Flur“ beschreibt, dass sie dort bleibt. Diese Bedeutungen gehören zusammen, sind aber nicht durch ein einziges Ersatzwort abzudecken. Wer lassen pauschal mit erlauben gleichsetzt, versteht beispielsweise „das Licht anlassen“ zu eng.
Die Verbindung sich lassen kann eine Möglichkeit ausdrücken: „Der Deckel lässt sich öffnen.“ Damit wird gesagt, dass das Öffnen möglich ist. Wer es tut, bleibt offen. „Das lässt sich erklären“ ist daher keine Aufforderung an einen bestimmten Erklärenden.
Schreibweise und typische Stolperstellen
Die Stammformen lauten lassen – ließ – gelassen. Der Konjunktiv II heißt ließe. „Sie ließ die Tür offen“ berichtet einen vergangenen Vorgang; „Sie ließe die Tür offen“ entwirft eine Möglichkeit. Die Form ließe ist nicht die gewöhnliche Vergangenheitsform.
Lies! ohne ß gehört dagegen zum Verb lesen. In der Schweiz und Liechtenstein werden ließ und ließe als liess und liesse geschrieben. Der Bedeutungsunterschied zwischen lesen und lassen bleibt bestehen.
Grammatik und Formen
Lassen ist stark und bildet das Perfekt mit haben. Ohne weiteren Infinitiv steht häufig gelassen: „Ich habe die Tasche dort gelassen.“ Wenn lassen einen anderen Infinitiv bei sich hat, steht im Perfekt gewöhnlich der Ersatzinfinitiv lassen: „Ich habe das Rad reparieren lassen.“ Das zusätzliche Verb hat hier kein zu.
| Form | Beispiel |
|---|---|
| Präsens | ich lasse · du lässt · sie lässt |
| Präteritum | ich ließ · wir ließen |
| Konjunktiv II | ich ließe · wir ließen |
| Perfekt allein | ich habe es gelassen |
| Perfekt mit weiterem Infinitiv | ich habe es prüfen lassen |
| Imperativ | lass! · lasst! |
Drei eigene Beispiele mit Erklärung
Erlauben
„Die Lehrerin lässt die Gruppe selbst über die Reihenfolge entscheiden.“
Lässt verbindet sich mit dem Infinitiv entscheiden und räumt eine Entscheidungsmöglichkeit ein.
Veranlassen
„Wir haben die beschädigte Scheibe ersetzen lassen.“
Die sprechende Gruppe veranlasst die Arbeit; sie muss sie nicht selbst ausgeführt haben.
Möglichkeit
„Mit einer zusätzlichen Überschrift ließe sich der Abschnitt leichter überblicken.“
Ließe kennzeichnet einen möglichen Verbesserungsvorschlag und wird mit ie und ß geschrieben.
Passend und verständlich verwenden
Achte darauf, ob die handelnde Person genannt werden muss. „Die Verwaltung ließ das Gebäude räumen“ nennt den veranlassenden Akteur, aber noch nicht die ausführenden Personen. „Das Gebäude wurde geräumt“ lässt zusätzlich den Auftraggeber offen. Die Formen setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Beim Überarbeiten kann ein genaueres Verb helfen: erlauben, beauftragen, unterlassen oder belassen. Ersetze jedoch nur, wenn die Bedeutung erhalten bleibt. „Jemanden in Ruhe lassen“ bedeutet beispielsweise nicht einfach, ihm etwas zu erlauben.
Formprobe: Gegenwart „Sie lässt ihn gehen“, Vergangenheit „Sie ließ ihn gehen“, Möglichkeit „Sie ließe ihn gehen“. Im Perfekt wird daraus „Sie hat ihn gehen lassen“.
