niederlegen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- niederlegen
- Worttrennung
- nie·der·le·gen
- Präsens
- legt nieder
- Präteritum
- legte nieder
- Partizip II
- niedergelegt
- Perfekt
- hat niedergelegt
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- niederlegen
- Trennbarkeit
- trennbar
Reflexiver Gebrauch: sich niederlegen beim eigenen Hinlegen; sonst ohne Reflexivpronomen
Gebrauch: Hinlegen gehoben; sich niederlegen besonders bayrisch/österreichisch; Gebäude abbrechen selten; hinterlegen veraltet.
Definition · kurz erklärt
Niederlegen bedeutet unter anderem, etwas hinzulegen, eine Tätigkeit oder ein Amt aufzugeben oder etwas schriftlich festzuhalten. Sich niederlegen heißt, sich hinzulegen und auszuruhen. Der Gegenstand und die Satzform entscheiden über die Bedeutung.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Gehoben: etwas oder jemanden hinlegen
Wer etwas niederlegt, legt es aus der Hand oder an eine bestimmte Stelle. Der Ausdruck klingt häufig feierlicher als hinlegen. Ein Kranz kann an einer Gedenkstätte niedergelegt werden; ebenso lässt sich ein Gegenstand behutsam ablegen.
Auch eine Person kann niedergelegt werden, etwa wenn ein Kind zum Ruhen hingelegt wird. Die Bewegung allein sagt nicht, ob die Person danach schläft. Die Orts- und Zweckangaben müssen aus dem Satz hervorgehen.
„Die Besucherin legte die mitgebrachten Blumen am Gedenkstein nieder.“
Das Verb bezeichnet das Hinlegen. Ort und Blumen machen den feierlichen Zusammenhang erkennbar.
Bedeutung 2: Sich zum Ruhen hinlegen
Reflexiv bedeutet sich niederlegen, sich hinzulegen, um zu ruhen oder zu schlafen. Dieser Gebrauch ist besonders in Bayern und Österreich verbreitet. Er kann eine kurze Pause oder das Zubettgehen betreffen.
Das Rückbezügliche ist für diese Aussage wichtig: „Sie legt sich nieder“ beschreibt ihre eigene Lageveränderung. „Sie legt das Kind nieder“ nennt dagegen eine andere Person als Objekt.
„Nach dem langen Vormittag legte sie sich für eine kurze Ruhepause nieder.“
Die Ergänzung nennt eine kurze Pause. Ein bereits eingetretener Schlaf wird nicht behauptet.
Bedeutung 3: Ein Amt oder eine Tätigkeit aufgeben
Ein Amt niederlegen heißt, dessen Ausübung zu beenden. Wer die Arbeit niederlegt, hört mit der Arbeit auf; in einem Arbeitskampf kann dies einen Streik bezeichnen. Die genaue Dauer und der Anlass ergeben sich nicht allein aus dem Verb.
Auch „die Waffen niederlegen“ kann über das körperliche Ablegen hinaus das Aufhören zu kämpfen ausdrücken. Die Verbindung bezeichnet nicht in jedem Zusammenhang schon einen dauerhaft gesicherten Frieden.
„Sie legte ihr Amt im Verein nieder, blieb aber weiterhin Mitglied.“
Die Aufgabe wird beendet. Die fortbestehende Mitgliedschaft zeigt, dass nicht jede Verbindung zum Verein abgebrochen wird.
Bedeutung 4: Gehoben: etwas schriftlich festhalten
Gedanken, Absprachen oder Erfahrungen können schriftlich niedergelegt werden. Gemeint ist, sie in einer schriftlichen Form festzuhalten. Die Formulierung sagt noch nicht, ob ein Text veröffentlicht, rechtsverbindlich oder besonders ausführlich ist.
„Die Beteiligten legten im Protokoll nieder, wer welche Aufgabe übernehmen sollte.“
Das Festhalten erfolgt schriftlich. Ein bestimmter rechtlicher Status des Protokolls wird damit nicht behauptet.
Bedeutung 5: Selten: ein Bauwerk abbrechen
Selten kann niederlegen bei einem Gebäude bedeuten, es abzubrechen oder einzureißen. Die Bedeutung wird besonders durch das genannte Bauwerk und den weiteren Bericht erkennbar. Sie darf nicht auf das gewöhnliche Hinlegen eines Gegenstands reduziert werden.
„Der historische Bericht schildert, wie die beschädigte Mauer niedergelegt wurde.“
Im Bauzusammenhang wird die Mauer abgebrochen. Die Formulierung beschreibt keine Reparatur.
Bedeutung 6: Veraltet: etwas hinterlegen
In älteren Texten kann niederlegen bedeuten, etwas an einer Stelle oder bei einer Person zu hinterlegen. Dann wird etwas zur Aufbewahrung oder für eine spätere Abholung abgegeben. Dieser veraltete Gebrauch ist vom schriftlichen Festhalten zu unterscheiden.
„Sie legte den Schlüssel beim Verwalter nieder, damit er ihn bis zu ihrer Rückkehr aufbewahrte.“
Der eigene Satz macht die Übergabe zur Aufbewahrung ausdrücklich. Es geht nicht um das Aufschreiben eines Gedankens.
niederlegen: Synonyme und andere Wörter
Bei Gegenständen und Ruhe
hinlegen · ablegen · sich hinlegen
Hinlegen ist im Alltag meist einfacher. Ablegen passt zu Gegenständen, sich hinlegen zum eigenen Körper. Ohne das passende Objekt oder Reflexivpronomen sind die Ausdrücke nicht beliebig austauschbar.
„Sie legte den Umschlag nieder“ → „Sie legte den Umschlag ab.“ Der Ort darf nur ergänzt werden, wenn er tatsächlich genannt ist.
Bei Aufgaben
aufgeben · beenden · zurücktreten
Ein Amt aufgeben trifft den entsprechenden Gebrauch. Zurücktreten benötigt oft eine andere Ergänzung: von einem Amt zurücktreten. Beenden ist weiter und kann auch eine planmäßig vollendete Aufgabe meinen.
„Er legte den Vorsitz nieder“ → „Er trat vom Vorsitz zurück.“ „Er vollendete den Vorsitz“ wäre keine entsprechende Formulierung.
Bei Schriftstücken
schriftlich festhalten · aufzeichnen · dokumentieren
Schriftlich festhalten beschreibt den Kern direkt. Dokumentieren kann auch mit Bildern oder anderen Mitteln geschehen; die schriftliche Form muss dann zusätzlich feststehen.
„Sie legte ihre Erfahrungen schriftlich nieder“ → „Sie hielt ihre Erfahrungen schriftlich fest.“ Eine Veröffentlichung wird in beiden Sätzen nicht vorausgesetzt.
Beispiele und Verwendung
„Die Beschäftigten legten die Arbeit für eine Stunde nieder.“
Die Dauer ist ausdrücklich genannt. Aus dem Verb allein folgt keine endgültige Aufgabe des Arbeitsplatzes.
„Er hat sich nur kurz niedergelegt und ist danach wieder aufgestanden.“
Das Reflexivpronomen kennzeichnet die eigene Ruhephase. Die beiden Handlungen machen die zeitliche Begrenzung sichtbar.
„Die Vereinbarung wurde in einem kurzen Schreiben niedergelegt.“
Gemeint ist die schriftliche Fixierung. Kürze ist eine eigene Angabe und kein Bestandteil der Wortbedeutung.
Grammatik und Beugung
Niederlegen ist ein schwaches, trennbares Verb: legt nieder – legte nieder – hat niedergelegt. Das Hilfsverb ist haben. Getrennt wird nie·der·le·gen; der Infinitiv mit zu lautet niederzulegen.
Ein Gegenstand oder eine andere Person steht als Akkusativobjekt: „den Kranz niederlegen“, „das Kind niederlegen“. Beim eigenen Hinlegen heißt es reflexiv „ich lege mich nieder“, „du legst dich nieder“. Die Klammerpronomen der Tabellen gehören ausschließlich zu dieser reflexiven Verwendung.
Im Hauptsatz wird die Vorsilbe abgetrennt: „Sie legt den Stift nieder.“ Im Nebensatz steht das Verb zusammen: „weil sie den Stift niederlegt“. Die Tabellen zeigen Hauptsatzformen, keine beliebig austauschbaren Nebensatzvarianten.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | lege (mich) nieder | legte (mich) nieder |
| du | legst (dich) nieder | legtest (dich) nieder |
| er/sie/es | legt (sich) nieder | legte (sich) nieder |
| wir | legen (uns) nieder | legten (uns) nieder |
| ihr | legt (euch) nieder | legtet (euch) nieder |
| sie | legen (sich) nieder | legten (sich) nieder |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | habe (mich) niedergelegt | hatte (mich) niedergelegt |
| du | hast (dich) niedergelegt | hattest (dich) niedergelegt |
| er/sie/es | hat (sich) niedergelegt | hatte (sich) niedergelegt |
| wir | haben (uns) niedergelegt | hatten (uns) niedergelegt |
| ihr | habt (euch) niedergelegt | hattet (euch) niedergelegt |
| sie | haben (sich) niedergelegt | hatten (sich) niedergelegt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde (mich) niederlegen | werde (mich) niedergelegt haben |
| du | wirst (dich) niederlegen | wirst (dich) niedergelegt haben |
| er/sie/es | wird (sich) niederlegen | wird (sich) niedergelegt haben |
| wir | werden (uns) niederlegen | werden (uns) niedergelegt haben |
| ihr | werdet (euch) niederlegen | werdet (euch) niedergelegt haben |
| sie | werden (sich) niederlegen | werden (sich) niedergelegt haben |
| Person | Präsens | Perfekt |
|---|---|---|
| ich | lege (mich) nieder | habe (mich) niedergelegt |
| du | legest (dich) nieder | habest (dich) niedergelegt |
| er/sie/es | lege (sich) nieder | habe (sich) niedergelegt |
| wir | legen (uns) nieder | haben (uns) niedergelegt |
| ihr | leget (euch) nieder | habet (euch) niedergelegt |
| sie | legen (sich) nieder | haben (sich) niedergelegt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde (mich) niederlegen | werde (mich) niedergelegt haben |
| du | werdest (dich) niederlegen | werdest (dich) niedergelegt haben |
| er/sie/es | werde (sich) niederlegen | werde (sich) niedergelegt haben |
| wir | werden (uns) niederlegen | werden (uns) niedergelegt haben |
| ihr | werdet (euch) niederlegen | werdet (euch) niedergelegt haben |
| sie | werden (sich) niederlegen | werden (sich) niedergelegt haben |
| Person | Präteritum | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | legte (mich) nieder | hätte (mich) niedergelegt |
| du | legtest (dich) nieder | hättest (dich) niedergelegt |
| er/sie/es | legte (sich) nieder | hätte (sich) niedergelegt |
| wir | legten (uns) nieder | hätten (uns) niedergelegt |
| ihr | legtet (euch) nieder | hättet (euch) niedergelegt |
| sie | legten (sich) nieder | hätten (sich) niedergelegt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | würde (mich) niederlegen | würde (mich) niedergelegt haben |
| du | würdest (dich) niederlegen | würdest (dich) niedergelegt haben |
| er/sie/es | würde (sich) niederlegen | würde (sich) niedergelegt haben |
| wir | würden (uns) niederlegen | würden (uns) niedergelegt haben |
| ihr | würdet (euch) niederlegen | würdet (euch) niedergelegt haben |
| sie | würden (sich) niederlegen | würden (sich) niedergelegt haben |
| Person | Form |
|---|---|
| 2. Person Singular [du] | leg (dich) nieder, lege (dich) nieder! |
| 2. Person Plural [ihr] | legt (euch) nieder! |
| Form | Wortform |
|---|---|
| Infinitiv mit zu | niederzulegen |
| Partizip I | niederlegend |
| Partizip II | niedergelegt |
Was bedeutet „Da legst du dich nieder!“?
Die umgangssprachliche Wendung drückt großes Erstaunen aus. „Drei Stunden hat er allein auf den falschen Bus gewartet? Da legst du dich nieder!“ Der eigene Dialog zeigt Überraschung über die erzählte Situation, keine Aufforderung zum Schlafen.
Je nach Ton kann das Erstaunen belustigt oder ungläubig wirken. Eine solche Haltung sollte beim Deuten durch den Gesprächszusammenhang gestützt werden.
