Meine Wörter

schließen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
schließen
Worttrennung
schlie·ßen
Präsens
er schließt
Präteritum
er schloss
Partizip II
geschlossen
Hilfsverb
haben

Ältere Formen wie schleußt sind veraltet.

Reflexiver Gebrauch: sich schließen bei einem Vorgang am Subjekt

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Schließen bedeutet unter anderem, etwas zuzumachen, einen Vorgang zu beenden oder aus Beobachtungen eine Folgerung abzuleiten. Man kann auch einen Vertrag schließen, einen Betrieb schließen oder jemanden in die Arme schließen. Die jeweiligen Ergänzungen bestimmen die Lesart.

Bedeutungen

Etwas zumachen

Ein Buch, eine Flasche oder eine Hand kann geschlossen werden. Auch eine Tür oder ein Hahn wird so bewegt, dass der Zugang beziehungsweise Durchfluss unterbrochen ist.

„Vor dem Verlassen des Zimmers schließt sie das Fenster.“

Das Fenster wird zugemacht. Abschließen mit einem Schlüssel wird dadurch nicht ausdrücklich behauptet.

Eine Öffnung oder Lücke unpassierbar machen

Eine Öffnung kann abgedichtet, eine Lücke ausgefüllt oder ein Durchgang gesperrt werden. Bei einer Grenze kann die Formulierung auch das Verbot des Übertritts bezeichnen.

„Eine neue Wand schließt den früheren Durchgang.“

Der Durchgang ist nicht mehr offen. Die Wand ist hier das Subjekt, nicht die handelnde Person.

Sich zusammenlegen oder zugehen

Blüten können sich zusammenlegen, Türen oder andere Öffnungen können in einen geschlossenen Zustand gelangen. Bei sich schließen betrifft der Vorgang das Subjekt selbst.

„Bei Einbruch der Dunkelheit schließen sich die Blüten.“

Die Blüten legen sich zusammen. Der Satz nennt keine Person, die sie von außen schließt.

Auf bestimmte Weise zugehen

Eine Tür kann leicht, schwer oder automatisch schließen. Damit wird beschrieben, wie sie sich schließen lässt oder wie der Vorgang abläuft. Ein Reflexivpronomen ist dabei nicht immer nötig.

„Die neue Saaltür schließt automatisch.“

Beschrieben wird die Arbeitsweise der Tür. Das bedeutet nicht automatisch, dass sie zugleich verriegelt wird.

Sich an etwas anschließen oder etwas anfügen

Gehoben kann sich an etwas schließen heißen, unmittelbar danach zu folgen. Mit Akkusativobjekt kann schließen auch ein gedankliches Anfügen bezeichnen.

„An die Lesung schloss sich ein Gespräch mit dem Publikum.“

Das Gespräch folgt auf die Lesung. Eine Öffnung wird nicht zugemacht.

Eine technische Verbindung herstellen

Schließen kann in einem technischen Zusammenhang das Verbinden mit einem Anschluss oder das Vervollständigen eines Stromkreises bezeichnen. Der konkrete Aufbau muss genannt werden.

„Die Vorführung zeigt, wie der Schalter den Stromkreis schließt.“

Der leitende Weg wird vervollständigt. Die Worterklärung ist keine Anleitung für Arbeiten an elektrischen Anlagen.

Jemanden umfassen oder einbeziehen

Eine Person kann körperlich in die Arme geschlossen oder gedanklich in ein Gebet einbezogen werden. Die feste Ergänzung macht die jeweils andere Art des Einbeziehens deutlich.

„Zur Begrüßung schließt die Tante das Kind in die Arme.“

Sie umfasst das Kind. Es wird nicht in einem Raum eingeschlossen.

Für Besucher zeitweilig unzugänglich machen

Ein Geschäft, Museum oder eine andere Einrichtung kann für einen Zeitraum geschlossen werden. Auch ohne Objekt kann schließen das Ende der Besuchs- oder Verkaufszeit benennen.

„Die Bibliothek schließt am Freitag früher.“

Der Zugang endet früher als sonst. Eine dauerhafte Aufgabe der Bibliothek ist damit nicht behauptet.

Einen Betrieb einstellen oder aufgeben

Schließen kann die vorübergehende Einstellung oder die endgültige Aufgabe eines Betriebs meinen. Ob der Vorgang dauerhaft ist, muss eine Ergänzung oder der weitere Zusammenhang zeigen.

„Nach vielen Jahren schließt die Inhaberin ihre Werkstatt endgültig.“

Endgültig kennzeichnet die Aufgabe des Betriebs. Es geht nicht bloß um die Ladentür am Abend.

Einen Schlüssel oder ein Schloss betätigen

Ein Schlüssel kann im Schloss gedreht werden. Bei einem Schlüssel oder Schloss kann schließen außerdem dessen Funktionieren oder seine Gängigkeit beschreiben.

„Der alte Schlüssel schließt nur, wenn man ihn vorsichtig dreht.“

Die Aussage betrifft die Betätigung des Schlosses. Sie berichtet keine Schlussfolgerung.

Mit einem Schloss sichern

Etwas kann in einem Behälter eingeschlossen oder an einem festen Gegenstand angeschlossen werden. Die Orts- und Mittelangaben unterscheiden diese Handlungen.

„Sie schließt das Fahrrad mit einer Kette an den Ständer.“

Das Fahrrad wird gegen Wegnehmen gesichert. Der Ständer wird nicht zugemacht.

Etwas beenden oder zu Ende gehen

Eine Sitzung kann für beendet erklärt, ein Brief abgeschlossen oder eine Rede zum Ende gebracht werden. Ein Werk kann auch selbst mit einer bestimmten Szene schließen.

„Mit einem leisen Dialog schließt das Theaterstück.“

Der Dialog bildet den Schluss. Das Stück schließt keine Tür.

Eine Vereinbarung eingehen

Einen Vertrag, Frieden oder eine Ehe schließen heißt, eine entsprechende Vereinbarung beziehungsweise Verbindung einzugehen. Bei einem Kompromiss bezeichnet das Verb die erzielte Einigung.

„Nach langen Gesprächen schließen die Gruppen einen Kompromiss.“

Sie einigen sich. Ob alle Einzelheiten zufriedenstellend sind, bleibt eine weitere Frage.

Eine Folgerung ableiten

Aus Beobachtungen, Aussagen oder Indizien kann auf eine Annahme geschlossen werden. Die Folgerung muss begründet sein und ist nicht automatisch ein sicherer Beweis.

„Aus dem fehlenden Schlussblatt schließt die Leserin, dass der Brief unvollständig ist.“

Die fehlende Seite dient als Grundlage ihrer Folgerung. Weitere Befunde könnten diese Annahme stützen oder verändern.

schließen: Synonyme und andere Wörter

Beim Zumachen oder Sichern

zumachen · verschließen · zusperren

Zumachen ist allgemein. Verschließen kann eine Sicherung oder Abdichtung betonen; zusperren legt einen gesperrten Zugang nahe. Nicht jedes geschlossene Fenster ist abgeschlossen.

„Sie schließt die Tür“ ist weniger bestimmt als „Sie schließt die Tür mit dem Schlüssel ab“.

Beim Beenden oder Folgern

beenden · folgern · herleiten

Beenden passt zur Sitzung, folgern zur gedanklichen Ableitung. Einen Vertrag schließen eröffnet dagegen eine Vereinbarung und ist nicht mit den Verhandlungen beenden gleichzusetzen.

„Er schließt aus dem Befund auf eine Änderung“ heißt „Er folgert daraus eine Änderung“, nicht „Er beendet den Befund“.

Beispiele und Verwendung

„Sie haben den Saal geschlossen, weil die Veranstaltung beendet ist.“

Der Zusammenhang nennt hier den Grund für das Schließen.

„Aus einem einzigen Satz lässt sich nicht auf die Haltung aller Figuren schließen.“

Die Schlussfolgerung wird ausdrücklich als nicht ausreichend begründet zurückgewiesen.

Grammatik und Beugung

Die starken Hauptformen sind schließt – schloss – hat geschlossen. Der KonjunktivII lautet etwa ich schlösse. In der zweiten Person Präsens heißt es du schließt; im Präteritum ist du schlossest möglich. Ältere Formen wie schleußt sind veraltet.

Die Ergänzungen unterscheiden die Konstruktionen: eine Tür schließen mit Akkusativ; die Tür schließt sich reflexiv; aus einem Befund auf etwas schließen mit aus und Dativ sowie auf und Akkusativ. Das Perfekt wird in diesen Lesarten mit haben gebildet.

Geschlossen kann Partizip oder Adjektiv sein. Sie hat die Tür geschlossen ist aktives Perfekt; die Tür ist geschlossen beschreibt einen Zustand. Die Worttrennung ist schlie·ßen.

schließen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichschließeschloss
duschließtschlossest
er/sie/esschließtschloss
wirschließenschlossen
ihrschließtschlosst
sieschließenschlossen
schließen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe geschlossenhatte geschlossen
duhast geschlossenhattest geschlossen
er/sie/eshat geschlossenhatte geschlossen
wirhaben geschlossenhatten geschlossen
ihrhabt geschlossenhattet geschlossen
siehaben geschlossenhatten geschlossen
schließen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde schließenwerde geschlossen haben
duwirst schließenwirst geschlossen haben
er/sie/eswird schließenwird geschlossen haben
wirwerden schließenwerden geschlossen haben
ihrwerdet schließenwerdet geschlossen haben
siewerden schließenwerden geschlossen haben
schließen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichschließeschlösse
duschließestschlössest
er/sie/esschließeschlösse
wirschließenschlössen
ihrschließetschlösset
sieschließenschlössen
schließen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe geschlossenhätte geschlossen
duhabest geschlossenhättest geschlossen
er/sie/eshabe geschlossenhätte geschlossen
wirhaben geschlossenhätten geschlossen
ihrhabet geschlossenhättet geschlossen
siehaben geschlossenhätten geschlossen
schließen: Imperativ
AnredeImperativ
duschließ! / schließe!
ihrschließt!
Sieschließen Sie!

Redewendungen und feste Verbindungen

Von sich auf andere schließen

Damit ist gemeint, eigene Eigenschaften oder Erfahrungen ohne Weiteres auch anderen zuzuschreiben.

„Weil er selbst gern vorliest, nimmt er an, alle anderen täten das auch: Er schließt von sich auf andere.“

Die eigene Vorliebe wird verallgemeinert. Gerade diese Übertragung kann unzutreffend sein.

Etwas in sich schließen

Die feste Verbindung bedeutet, dass etwas einen bestimmten Inhalt oder Bestandteil mit umfasst.

„Seine Forderung schließt einen Widerspruch in sich.“

Der Widerspruch steckt in der Forderung selbst. Es wird kein Gegenstand in einen Behälter gesperrt.