Meine Wörter

schneiden

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
schneiden
Worttrennung
schnei·den
Präsens
schneidet
Präteritum
schnitt; du schnittest / du schnittst
Partizip II
geschnitten
Perfekt
hat geschnitten
Hilfsverb
haben
Infinitiv
schneiden
Trennbarkeit
nicht trennbar
Kasus
etwas/jemanden schneiden: Akkusativ; sich/mir in den Finger schneiden

Fachbedeutungen nach Kontext unterscheiden. Sich täuschen landschaftlich, feste Verbindung da hast du dich geschnitten umgangssprachlich. Medizinjargon und tiermedizinischer Gebrauch nicht mit alltäglichem Zerteilen gleichsetzen.

Reflexiver Gebrauch: sich schneiden: sich verletzen, sich kreuzen; landschaftlich auch sich täuschen

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Schneiden heißt zunächst, etwas mit einem Schneidewerkzeug zu teilen, abzutrennen oder in Form zu bringen. Das Verb hat außerdem eigene übertragene und fachliche Bedeutungen: Man kann einen Film schneiden, jemanden demonstrativ schneiden oder von zwei Linien sagen, dass sie sich schneiden.

Bedeutungen

1 Mit einem Werkzeug teilen oder abtrennen

Mit Messer, Schere oder einem anderen Schneidewerkzeug wird Material geteilt oder ein Teil entfernt. Schneiden nennt damit ein Verfahren; die Form und Größe des Ergebnisses muss der Satz zusätzlich angeben.

„Für das Modell schneidet sie den Karton in drei schmale Streifen.“

Die Zahl und Form werden ausdrücklich genannt. Schneiden allein würde keine gleich großen Teile behaupten.

2 Kürzen, gestalten oder etwas herstellen

Haare, Hecken oder Material lassen sich durch Schneiden kürzen und gestalten. Auch ein Gewinde, eine Kerbe oder ein aus Material herausgearbeitetes Stück kann so entstehen. Bei Kleidungsstücken beschreibt geschnitten häufig den Zuschnitt oder die Form.

„Der Mantel ist an den Schultern schmal geschnitten.“

Hier geht es um die Gestaltung des Kleidungsstücks, nicht darum, dass es gerade beschädigt wird.

3 Bild- und Tonaufnahmen bearbeiten

Beim Film und bei Tonaufnahmen heißt schneiden, Ausschnitte auszuwählen, zu kürzen und anzuordnen. Auch der Wechsel zwischen Einstellungen gehört zum Schnitt. Selten kann schneiden im Rundfunkkontext zudem mitschneiden, also aufzeichnen, bedeuten.

„Die Mediengruppe schneidet die Interviews zu einem kurzen Hörbeitrag.“

Die Gruppe bearbeitet vorhandene Aufnahmen. Eine tatsächliche Schere ist beim digitalen Schnitt nicht nötig.

4 Eine Schnittverletzung oder einen Einschnitt verursachen

Jemand kann sich an einer scharfen Kante schneiden. Man kann auch versehentlich in ein Material schneiden. Medizinisch kann das Verb einen operativen Eingriff, tiermedizinisch eine Kastration bezeichnen; diese Fachverwendungen sind keine Anleitungen zur Durchführung.

„Beim Öffnen des Umschlags hat er sich an der Papierkante geschnitten.“

Der Satz beschreibt eine Verletzung. Er sagt nichts über deren Schwere oder eine notwendige Behandlung.

5 Eine Kurve abkürzen oder ein Fahrzeug behindern

Eine Kurve schneiden bedeutet, sie durch eine von der vorgesehenen Fahrlinie abweichende Strecke abzukürzen. Ein Fahrzeug schneiden heißt, seitlich vor dieses zu fahren und es dabei zu behindern.

„Beim Einordnen schnitt der Wagen das Fahrzeug auf der Nachbarspur.“

Die Behinderung gehört zur Aussage. Ein bloßer ordnungsgemäßer Spurwechsel wäre keine passende Umschreibung.

6 Linien oder Verläufe kreuzen

Linien, Kurven und andere geometrische Gebilde können sich schneiden. Sie haben dabei gemeinsame Schnittpunkte beziehungsweise einen gemeinsamen Schnittbereich; ein bloßes nahes Nebeneinander reicht dafür nicht.

„In der Zeichnung schneiden sich die beiden Geraden im Punkt P.“

Die Geraden besitzen hier einen gemeinsamen Punkt. Parallele verschiedene Geraden in der gewöhnlichen euklidischen Ebene würden das nicht tun.

7 Einem Ball Drall geben

In Ballspielen wie Tennis oder Tischtennis bedeutet einen Ball schneiden, ihm bei der entsprechenden Schlagbewegung Drall zu geben. Der Ball wird dabei nicht mit einer Klinge zerteilt.

„Im Spielbericht wird ein stark geschnittener Ball beschrieben.“

Die Beschreibung betrifft seine Drehung und deren Wirkung, nicht eine Beschädigung des Materials.

8 Eine Grimasse hervorbringen

Eine Grimasse schneiden heißt, das Gesicht entsprechend zu verziehen. Das Verb bezeichnet hier das Hervorbringen des Gesichtsausdrucks.

„Für die lustige Szene schnitt die Darstellerin eine übertriebene Grimasse.“

Gemeint ist ein gespielter Ausdruck. Der Satz beschreibt keine Schnittverletzung.

9 Schneidfähig sein oder scharf schmerzen

Ohne genanntes Objekt kann schneiden die Schneidfähigkeit eines Werkzeugs beschreiben. Übertragen können Kälte, Wind, ein Gurt oder auch eine Stimme als schneidend empfunden werden: Die Wirkung wird als scharf oder schmerzhaft beschrieben.

„Die alte Schere schneidet nur noch an ihrer Spitze.“

Hier wird ihre Funktionsfähigkeit beurteilt. Schneidende Kälte wäre dagegen eine übertragene Schmerzbeschreibung.

10 Jemanden demonstrativ nicht beachten

Jemanden schneiden bedeutet, die Person bei einer Begegnung absichtlich und auffällig nicht zu beachten. Damit kann man zeigen, dass man nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte.

„Nach dem Streit schnitt sie ihn bei der nächsten Begegnung.“

Die Nichtbeachtung wird als bewusst beschrieben. Ein bloß versehentliches Übersehen wäre eine andere Aussage.

11 Im Kartenspiel gezielt stechen

Im Skat kann schneiden bedeuten, mit einer Karte zu stechen und dabei eine höhere Karte zunächst zurückzuhalten, um sie später günstiger einzusetzen. Der Fachgebrauch gehört zur Spielweise, nicht zum Zerteilen der Karten.

„Im Spielbericht wird erklärt, warum der Spieler mit der niedrigeren Karte schneidet.“

Der Bericht beschreibt einen spieltechnischen Zug. Welche Karte sinnvoll ist, hängt von der tatsächlichen Spielsituation ab.

schneiden: Synonyme und andere Wörter

Schneiden, zerteilen oder abschneiden?

Zerteilen bezeichnet das Teilen allgemeiner: Das kann auch durch Brechen geschehen. Abschneiden betont das Abtrennen eines Teils. Schneiden kann dagegen auch ein Formen, Kürzen oder Einschneiden meinen.

„Sie zerteilt den Karton.“ – „Sie schneidet den Karton mit der Schere.“

Die zweite Fassung legt das Verfahren ausdrücklich fest. Diese Zusatzinformation darf nur eingefügt werden, wenn sie bekannt ist.

Schneiden oder cutten?

Cutten ist im Bereich von Bild- und Tonaufnahmen eine nahe Bezeichnung. Bearbeiten ist weiter und kann auch die Lautstärke oder Farbe betreffen. Ein Wort für die Aufnahmeherstellung selbst wäre damit nicht austauschbar.

„Das Team schneidet den Beitrag.“ – „Das Team cuttet den Beitrag.“

Beide können dieselbe Bearbeitung meinen. Das spätere Ergebnis muss dennoch nicht dieselbe Länge oder Reihenfolge wie das Rohmaterial haben.

Absichtlich ignorieren oder übersehen?

Demonstrativ ignorieren erklärt die soziale Bedeutung von jemanden schneiden. Übersehen allein kann auch versehentliches Nichtbemerken heißen. Das bewusste Verhalten darf beim Umschreiben nicht verloren gehen.

„Sie schnitt den früheren Kollegen.“ – „Sie beachtete den früheren Kollegen demonstrativ nicht.“

Die zweite Fassung macht den Absichtshinweis deutlich. „Sie bemerkte ihn nicht“ wäre gerade keine gleichbedeutende Erklärung.

Beispiele und Verwendung

„Sie hat das Band geschnitten; das abgeschnittene Stück liegt daneben.“

Grundverb und trennbares Verb unterscheiden Vorgang und das ausdrücklich abgetrennte Ergebnis.

„Die schneidende Stimme der Figur unterbricht die ruhige Unterhaltung.“

Schneidend beschreibt hier den scharfen Klang beziehungsweise Ton. Eine tatsächliche Klinge gehört nicht zur Szene.

„Die beiden Straßen schneiden sich auf der Karte, die Termine überschneiden sich im Kalender.“

Räumlicher Verlauf und zeitliche Überschneidung sind verwandt bildlich, aber nicht dieselbe konkrete Situation.

Grammatik und Beugung

Die starken Hauptformen lauten schneidet – schnitt – hat geschnitten. Die Worttrennung lautet schnei·den. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Der Konjunktiv II lautet ich schnitte; eine würde-Verbindung kann verständlicher sein.

Bei der zweiten Person im Präteritum sind du schnittest und du schnittst belegt. Die Aufforderung lautet schneid! oder schneide!, im Plural schneidet!. Keine dieser Formen enthält ein zusätzliches e im Partizip: geschnitten.

Beim betroffenen Gegenstand oder bei einer demonstrativ nicht beachteten Person steht der Akkusativ: den Stoff schneiden; einen Bekannten schneiden. Bei der Verletzung sind ich habe mir in den Finger geschnitten und ich habe mich in den Finger geschnitten möglich. Sich kann außerdem die wechselseitige Lage von Linien ausdrücken: Die Linien schneiden sich.

Die Tabellen zeigen die nichtreflexive aktive Reihe. Die Ergänzungen bestimmen die konkrete Lesart. Der Film wird geschnitten ist dagegen Passiv; das ist etwas anderes als die aktive Zukunft das Team wird den Film schneiden.

Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich schneideich schnitt
dudu schneidestdu schnittest / du schnittst
er/sie/eser/sie/es schneideter/sie/es schnitt
wirwir schneidenwir schnitten
ihrihr schneidetihr schnittet
siesie schneidensie schnitten
Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe geschnittenich hatte geschnitten
dudu hast geschnittendu hattest geschnitten
er/sie/eser/sie/es hat geschnittener/sie/es hatte geschnitten
wirwir haben geschnittenwir hatten geschnitten
ihrihr habt geschnittenihr hattet geschnitten
siesie haben geschnittensie hatten geschnitten
Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde schneidenich werde geschnitten haben
dudu wirst schneidendu wirst geschnitten haben
er/sie/eser/sie/es wird schneidener/sie/es wird geschnitten haben
wirwir werden schneidenwir werden geschnitten haben
ihrihr werdet schneidenihr werdet geschnitten haben
siesie werden schneidensie werden geschnitten haben
Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich schneideich schnitte
dudu schneidestdu schnittest
er/sie/eser/sie/es schneideer/sie/es schnitte
wirwir schneidenwir schnitten
ihrihr schneidetihr schnittet
siesie schneidensie schnitten
Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I PerfektKonjunktiv II Vergangenheit
ichich habe geschnittenich hätte geschnitten
dudu habest geschnittendu hättest geschnitten
er/sie/eser/sie/es habe geschnittener/sie/es hätte geschnitten
wirwir haben geschnittenwir hätten geschnitten
ihrihr habet geschnittenihr hättet geschnitten
siesie haben geschnittensie hätten geschnitten
Konjunktiv: Verbindungen mit werden und würde
PersonKonjunktiv I Futur Iwürde + Infinitiv
ichich werde schneidenich würde schneiden
dudu werdest schneidendu würdest schneiden
er/sie/eser/sie/es werde schneidener/sie/es würde schneiden
wirwir werden schneidenwir würden schneiden
ihrihr werdet schneidenihr würdet schneiden
siesie werden schneidensie würden schneiden
Konjunktiv: zusammengesetzte Formen
PersonKonjunktiv I Futur IIwürde + Infinitiv Perfekt
ichich werde geschnitten habenich würde geschnitten haben
dudu werdest geschnitten habendu würdest geschnitten haben
er/sie/eser/sie/es werde geschnitten habener/sie/es würde geschnitten haben
wirwir werden geschnitten habenwir würden geschnitten haben
ihrihr werdet geschnitten habenihr würdet geschnitten haben
siesie werden geschnitten habensie würden geschnitten haben
Imperativ
AnredeForm
duschneid! / schneide!
ihrschneidet!
Sieschneiden Sie!
Infinitiv und Partizipien
FormtypForm
Infinitivschneiden
Infinitive mit zu (Präsens / Perfekt)zu schneiden / geschnitten zu haben
Infinitiv Perfektgeschnitten haben
Partizip Ischneidend
Partizip IIgeschnitten

Da hast du dich geschnitten!

Die umgangssprachliche feste Verbindung bedeutet: Da täuschst du dich gründlich. Der entsprechende Täuschungsgebrauch von sich schneiden ist landschaftlich belegt.

„Du glaubst, ich erledige alles allein? Da hast du dich geschnitten!“

Die Erwiderung weist eine Erwartung zurück. Sie kann schroff wirken; eine wirkliche Verletzung ist nicht gemeint.