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verraten

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
verraten
Worttrennung
ver·ra·ten
Präsens
er/sie/es verrät
Präteritum
er/sie/es verriet
Partizip II
verraten
Perfekt
hat verraten
Hilfsverb
haben
Infinitiv
verraten
Trennbarkeit
Untrennbar; zu verraten.

Starkes Verb. Auch reflexiv: sich verraten. Im Sinne von mitteilen umgangssprachlich, oft scherzhaft oder ironisch.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Verraten kann heißen, etwas Geheimes preiszugeben, jemandem oder einer Überzeugung untreu zu werden oder etwas erkennen zu lassen. Nicht jeder Gebrauch enthält einen schweren Vorwurf: In einer scherzhaften Frage kann verraten einfach mitteilen bedeuten.

Bedeutungen

1 Ein Geheimnis preisgeben

Wer etwas verrät, teilt etwas mit, das verborgen bleiben sollte. Ob das absichtlich geschieht, ergibt sich erst aus dem Zusammenhang. Nicht jede weitergegebene Information war vorher geheim. Auch eine Person kann verraten werden, indem jemand etwa ihren Aufenthaltsort einer Instanz mitteilt, die sie verfolgt. Dann ist nicht die Person selbst ein Geheimnis, sondern die preisgegebene Information setzt sie der Verfolgung aus.

„Bitte verrate niemandem, wo wir die Überraschung versteckt haben.“

Die Bitte setzt voraus, dass der Ort vorerst verborgen bleiben soll. Sie beweist noch nicht, dass jemand die Bitte später missachtet.

2 Sich ungewollt zu erkennen geben

Sich verraten heißt, etwas durch ein Wort, eine Reaktion oder ein anderes Merkmal unbeabsichtigt erkennen zu lassen. Das kann auch die eigene Herkunft oder Identität betreffen.

„Als die geheime Feier erwähnt wird, verrät er sich durch sein Lächeln.“

Das Lächeln lässt vermuten, dass er bereits von der Feier weiß. Ob alle Anwesenden den Hinweis verstehen, bleibt offen.

3 Etwas mitteilen

Umgangssprachlich, oft scherzhaft oder ironisch, bedeutet verraten auch schlicht sagen oder erklären. Es muss dabei kein echtes Geheimnis geben.

„Verrätst du mir, mit welchem Stift du diese feine Linie gezeichnet hast?“

Die Frage bittet um eine Auskunft. Sie unterstellt der angesprochenen Person weder einen Treuebruch noch eine Pflicht zur Geheimhaltung.

4 Treue oder Überzeugungen aufgeben

Eine Person, eine Gemeinschaft oder eigene Ideale verraten heißt, sich gegen eine bestehende Bindung oder Überzeugung zu verhalten. Das Wort bewertet die Handlung deutlich.

„Für den schnellen Vorteil verriet die Figur ihre zuvor verteidigten Grundsätze.“

Die Aussage stellt einen Widerspruch zwischen früherer Überzeugung und späterem Handeln fest. Welche Absicht dahintersteht, müsste der Text belegen.

5 Etwas erkennen lassen

Ein Verhalten, ein Gesichtsausdruck oder ein Werk kann Gefühle, Eigenschaften oder Einflüsse verraten: Es macht sie für andere erkennbar. Reflexiv kann es heißen, dass sich etwas in einem Merkmal zeigt.

„Die sorgfältige Skizze verrät viel Erfahrung mit räumlichem Zeichnen.“

Die Gestaltung liefert einen Hinweis auf Erfahrung. Sie nennt weder die Dauer der Ausbildung noch die genaue Person, die die Skizze angefertigt hat.

verraten: Synonyme und andere Wörter

Verraten oder preisgeben?

Preisgeben passt zur Weitergabe geschützter Informationen. Verraten kann zusätzlich Untreue ausdrücken. Andere Bedeutungen von preisgeben, etwa jemanden einer Gefahr aussetzen, sind damit nicht automatisch gemeint.

„Sie gab das Kennwort preis.“ – „Sie verriet das Kennwort.“

Beide Sätze benennen die Offenlegung. Verraten lässt den Bruch erwarteter Verschwiegenheit besonders deutlich anklingen.

Verraten oder mitteilen?

Mitteilen ist bei einer sachlichen Auskunft meist neutraler. Verraten wirkt in einer freundlichen Frage oft spielerisch, kann in einem anderen Zusammenhang aber einen ernsten Vorwurf enthalten.

„Teilen Sie uns die Uhrzeit mit.“ – „Verraten Sie uns die Uhrzeit?“

Die Information kann dieselbe sein; die zweite Bitte ist persönlicher oder scherzhafter. Eine amtliche Mitteilung braucht diesen Ton nicht.

Beispiele und Verwendung

„Seine zitternde Stimme verriet die Anspannung.“

Eine wahrnehmbare Eigenschaft wird als Hinweis auf ein Gefühl gedeutet. Das Verb bedeutet hier nicht, dass jemand ein Geheimnis weitererzählt.

„Mit diesem einen Wort habe ich mich verraten.“

Das Reflexivpronomen bezeichnet dieselbe Person wie das Subjekt. Ein Wort hat eine zuvor verdeckte Information über sie erkennen lassen.

„Sie wollte ihre Freundin nicht verraten.“

Ohne weiteren Zusammenhang bleibt offen, ob sie eine vertrauliche Information nicht preisgeben oder die Freundin allgemein nicht im Stich lassen wollte.

Grammatik und Beugung

Das starke Verb bildet verrät – verriet – hat verraten. In der zweiten und dritten Person Singular des Präsens steht ä: du verrätst, er verrät. Der Konjunktiv II lautet verriete, zum Beispiel sie verriete das Geheimnis nicht.

Ver- bleibt mit dem Verb verbunden. Es heißt zu verraten und als Partizip II ebenfalls verraten, ohne zusätzliches ge-. Im Präteritum sind du verrietest und du verrietst belegt.

Bei einer Information kann eine Person im Dativ und der Inhalt im Akkusativ stehen: jemandem ein Geheimnis verraten. Beim Treuebruch steht der betroffene Bezug im Akkusativ: eine Freundin verraten. Dieselbe Wortstellung garantiert also nicht dieselbe Bedeutung.

Reflexiv heißt es ich verrate mich, du verrätst dich, sie verrät sich. In In der Antwort verrät sich Unsicherheit ist dagegen Unsicherheit das Subjekt; sich bezeichnet das Sichtbarwerden dieses Zustands. Die Tabellen zeigen die gewöhnlichen Aktivformen.

Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichich verrateich verriet
dudu verrätstdu verrietest / du verrietst
er/sie/eser/sie/es verräter/sie/es verriet
wirwir verratenwir verrieten
ihrihr verratetihr verrietet
siesie verratensie verrieten
Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe verratenich hatte verraten
dudu hast verratendu hattest verraten
er/sie/eser/sie/es hat verratener/sie/es hatte verraten
wirwir haben verratenwir hatten verraten
ihrihr habt verratenihr hattet verraten
siesie haben verratensie hatten verraten
Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichich werde verratenich werde verraten haben
dudu wirst verratendu wirst verraten haben
er/sie/eser/sie/es wird verratener/sie/es wird verraten haben
wirwir werden verratenwir werden verraten haben
ihrihr werdet verratenihr werdet verraten haben
siesie werden verratensie werden verraten haben
Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichich verrateich verriete
dudu verratestdu verrietest
er/sie/eser/sie/es verrateer/sie/es verriete
wirwir verratenwir verrieten
ihrihr verratetihr verrietet
siesie verratensie verrieten
Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I PerfektKonjunktiv II Vergangenheit
ichich habe verratenich hätte verraten
dudu habest verratendu hättest verraten
er/sie/eser/sie/es habe verratener/sie/es hätte verraten
wirwir haben verratenwir hätten verraten
ihrihr habet verratenihr hättet verraten
siesie haben verratensie hätten verraten
Konjunktiv: Verbindungen mit werden und würde
PersonKonjunktiv I Futur Iwürde + Infinitiv
ichich werde verratenich würde verraten
dudu werdest verratendu würdest verraten
er/sie/eser/sie/es werde verratener/sie/es würde verraten
wirwir werden verratenwir würden verraten
ihrihr werdet verratenihr würdet verraten
siesie werden verratensie würden verraten
Konjunktiv: zusammengesetzte Formen
PersonKonjunktiv I Futur IIwürde + Infinitiv Perfekt
ichich werde verraten habenich würde verraten haben
dudu werdest verraten habendu würdest verraten haben
er/sie/eser/sie/es werde verraten habener/sie/es würde verraten haben
wirwir werden verraten habenwir würden verraten haben
ihrihr werdet verraten habenihr würdet verraten haben
siesie werden verraten habensie würden verraten haben
Imperativ
AnredeForm
duverrat! / verrate!
ihrverratet!
Sieverraten Sie!
Infinitiv und Partizipien
FormtypForm
Infinitivverraten
Infinitive mit zu (Präsens / Perfekt)zu verraten / verraten zu haben
Infinitiv Perfektverraten haben
Partizip Iverratend
Partizip IIverraten

Was bedeutet verraten und verkauft sein?

Verraten und verkauft sein heißt, sich hilflos ausgeliefert oder im Stich gelassen zu sehen. Die feste Verbindung beschreibt keine notwendige tatsächliche Verkaufshandlung.

„Ohne Unterstützung fühlte sich die Figur vor dem Ausschuss verraten und verkauft.“

Der Satz schildert ihre empfundene Schutzlosigkeit. Dass eine konkrete Person sie absichtlich hintergangen hat, ist damit noch nicht bewiesen.