großkotzig

Großkotzig: Auf eine aufdringliche und überhebliche Weise angeberisch. Das saloppe Wort drückt deutliche Ablehnung gegenüber jemandes Auftreten aus.

Was bedeutet großkotzig?

Wer großkotzig auftritt, stellt den eigenen Wert, Besitz oder Einfluss demonstrativ heraus und vermittelt dabei leicht den Eindruck, andere seien weniger wichtig. Das Wort beschreibt deshalb mehr als eine selbstsichere Haltung. Es enthält den Vorwurf, dass jemand sich unangemessen aufspielt. Die Bezeichnung kann eine Person treffen, aber ebenso eine Bemerkung, eine Geste oder eine Ankündigung.

Nicht jede selbstbewusste Aussage ist großkotzig. Wer die eigenen Fähigkeiten sachlich benennt, muss andere damit nicht abwerten. Problematisch wird die Selbstdarstellung etwa dann, wenn sie mit Verachtung, aufdringlichem Protzen oder unbegründeten Überlegenheitsansprüchen verbunden ist. Ob jemand viel Geld besitzt, ist dafür nicht entscheidend. Auch ohne Besitz kann man sich großkotzig geben.

Das Wort gehört zu einer saloppen, deutlich wertenden Ausdrucksweise. In einem sachlichen Text ist es oft genauer, das beobachtete Verhalten zu beschreiben. In einer Figurenanalyse kann großkotzig passen, wenn gerade die unangenehm überhebliche Selbstdarstellung untersucht wird. Wird das Wort von einer Figur benutzt, zeigt es zunächst auch deren Ablehnung des Gegenübers.

Auf den PunktEntscheidend ist die Verbindung von Selbstdarstellung und demonstrativer Überlegenheit. Selbstvertrauen allein genügt als Beleg nicht.

Beispiele und Verwendung

Der Gast erklärte großkotzig, für einen Menschen mit seinen Beziehungen seien die Regeln ohnehin bedeutungslos.

So ist es gemeint: Die behaupteten Beziehungen dienen dazu, sich über gemeinsame Regeln und die anderen Gäste zu stellen.

Sie zeigte ihre neue Uhr herum und fragte großkotzig, ob sich hier überhaupt jemand so etwas leisten könne.

So ist es gemeint: Die Frage setzt die anderen herab. Der bloße Besitz der Uhr würde die Wertung nicht begründen.

Seine großkotzige Ankündigung wirkte besonders unangenehm, weil er die Arbeit des Teams als seine eigene Leistung ausgab.

So ist es gemeint: Der Vorwurf betrifft die überhebliche Vereinnahmung fremder Leistung, nicht nur einen lauten Ton.

Typische Verbindungen: großkotzig auftreten, großkotzig daherreden, eine großkotzige Bemerkung, sich großkotzig geben.

Synonyme und Bedeutungsunterschiede

angeberisch
Der allgemeinere Ausdruck für das übermäßige Herausstellen eigener Vorzüge. Großkotzig klingt gröber und betont stärker die unangenehme Überheblichkeit.
arrogant
Betont das Gefühl oder Auftreten der Überlegenheit. Eine arrogante Person kann auch kühl und wortkarg sein; großkotzig wirkt meist demonstrativer.
großmäulig
Rückt prahlerisches Reden und überzogene Ankündigungen in den Vordergrund. Großkotzig kann sich auch an einer Geste oder am Umgang mit anderen zeigen.

Als Gegenbeschreibungen passen je nach Situation bescheiden oder respektvoll. Zurückhaltendes Sprechen allein schließt Überheblichkeit allerdings nicht aus.

Großkotzig in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

Bei der Vorstellung eines Gruppenprojekts legt Malte seinen Entwurf auf den Tisch. Er erklärt, die übrigen müssten nur noch seinen Anweisungen folgen: Ihre Ideen seien für jemanden mit seinem Talent ohnehin belanglos. Als eine Mitschülerin eine Frage stellt, lächelt er spöttisch und spricht weiter.

  1. Beobachtung: Malte beansprucht die Leitung, erklärt die Ideen der anderen für wertlos und übergeht eine Nachfrage.
  2. Deutung: Sein großkotziges Auftreten verbindet Selbstlob mit der Herabsetzung der Gruppe.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene zeigt sein Verhalten in dieser Besprechung. Sie beweist weder, dass sein Entwurf schlecht ist, noch dass er in jeder Lebenslage so auftritt.

Musterformulierung

Malte tritt in der Besprechung großkotzig auf. Indem er seine Begabung hervorhebt und die Vorschläge der anderen pauschal abwertet, beansprucht er eine Überlegenheit, die er sachlich nicht begründet. Sein spöttisches Lächeln bei der Nachfrage verstärkt den Eindruck, dass er die Mitschüler nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner behandelt.

Die Formulierung nennt zuerst das Urteil und erklärt anschließend seine Grundlage. Das Spöttische und die pauschale Abwertung tragen die Deutung. Ein bloßes „Malte hält seinen Entwurf für gut“ wäre dafür zu wenig: Auch eine begründete Überzeugung von der eigenen Arbeit wäre möglich.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.

Grammatik und richtige Schreibweise

Wortart
Adjektiv (Eigenschaftswort)
Worttrennung
groß·kot·zig
Verwandtes Nomen
die Großkotzigkeit

In Deutschland und Österreich wird der Bestandteil groß mit ß geschrieben: großkotzig. Das ganze Adjektiv bleibt klein. Beispiele sind ein großkotziger Auftritt und sie antwortet großkotzig. In der Schweiz steht anstelle von ß ein ss.

Grundformgroßkotzig
Komparativgroßkotziger
Superlativam großkotzigsten

Beugung: Welche Endung passt?

Vor einem Nomen erhält das Wort eine Endung. Sie richtet sich nach Fall, Geschlecht, Zahl und Begleitwort. Die Endungen sind unten hervorgehoben.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativgroßkotzigergroßkotzigegroßkotzigesgroßkotzige
Genitivgroßkotzigengroßkotzigergroßkotzigengroßkotziger
Dativgroßkotzigemgroßkotzigergroßkotzigemgroßkotzigen
Akkusativgroßkotzigengroßkotzigegroßkotzigesgroßkotzige
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder großkotzigedie großkotzigedas großkotzigedie großkotzigen
Genitivdes großkotzigender großkotzigendes großkotzigender großkotzigen
Dativdem großkotzigender großkotzigendem großkotzigenden großkotzigen
Akkusativden großkotzigendie großkotzigedas großkotzigedie großkotzigen
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein großkotzigereine großkotzigeein großkotzigeskeine großkotzigen
Genitiveines großkotzigeneiner großkotzigeneines großkotzigenkeiner großkotzigen
Dativeinem großkotzigeneiner großkotzigeneinem großkotzigenkeinen großkotzigen
Akkusativeinen großkotzigeneine großkotzigeein großkotzigeskeine großkotzigen

Die Pluralformen der gemischten Beugung sind mit kein gezeigt, weil ein keinen Plural hat. Nach einem Verb wie sein oder wirken steht das Eigenschaftswort normalerweise ohne diese Endung. Mehr dazu: Adjektive verwenden und beugen.

Wortbildung und Herkunft

Großkotzig gehört zur Wortfamilie von Großkotz, einer abwertenden Personenbezeichnung. Der erste Bestandteil unterstreicht im heutigen Gebrauch das überzogene Sichwichtigmachen. Das Wort lässt sich als Ganzes verstehen; seine Bedeutung bezeichnet keine wörtliche körperliche Größe.

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