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ignorant

Form & Grammatik

AdjektivFremdwort
Lemma
ignorant
Wortart
Adjektiv
Worttrennung
igno·rant; auch ig·no·rant
Steigerung
ignoranter – am ignorantesten
Formen
eine ignorante Bemerkung; mit ignoranten Antworten
Gebrauch
Bildungssprachlich und abwertend. Eine bloße Wissenslücke ist noch kein hinreichender Grund für den Vorwurf.

ignorant bezeichnet eine als tadelnswert bewertete Unwissenheit oder ein Auftreten, das eine solche Unwissenheit erkennen lässt.

Bedeutungen

Tadelnswerte Unwissenheit erkennen lassend

Mit ignorant wird fehlendes Wissen kritisch bewertet. Im Zusammenhang kann besonders der selbstsichere oder abweisende Umgang mit dieser Unkenntnis den Vorwurf begründen.

„Seine ignorante Behauptung wiederholte ein Klischee, obwohl ihm die Fachfrau die tatsächlichen Abläufe erklärt hatte.“

Das Beispiel verbindet die Unkenntnis mit dem Übergehen zugänglicher Gegeninformationen. Wer seine Wissenslücke offen benennt und nachfragt, verhält sich nicht schon deshalb ignorant.

ignorant: Synonyme und andere Wörter

Den Wissensstand beschreiben

ahnungslos · uninformiert

Uninformiert bezeichnet den Kenntnisstand neutraler. Ahnungslos kann ebenfalls ohne denselben Vorwurf auskommen. Keine dieser Umschreibungen darf die konkrete Haltung ungeprüft ergänzen.

„Sie wirkte ignorant gegenüber den Hinweisen.“ – „Sie war über die Hinweise nicht informiert.“ Die zweite Fassung lässt offen, wie sie auf eine Erklärung reagieren würde.

Die Haltung genauer unterscheiden

arrogant · unbelehrbar

Arrogant betrifft Überheblichkeit, die auch bei Sachkenntnis auftreten kann. Unbelehrbar passt zum beharrlichen Abweisen von Korrekturen.

„Er zeigte sich in dieser Frage ignorant.“ – „Er zeigte sich in dieser Frage unbelehrbar.“ Die zweite Fassung braucht einen erkennbaren Umgang mit Erklärungen oder Einwänden.

Beispiele und Verwendung

Seine ignorante Behauptung über den Beruf beruhte auf einem Klischee, das er trotz der Erklärung einer Fachfrau wiederholte.

So ist es gemeint: Die Unkenntnis verbindet sich mit dem Übergehen einer sachlichen Korrektur.

Sie kannte das Verfahren nicht und fragte offen nach; ignorant verhielt sie sich damit gerade nicht.

So ist es gemeint: Eine eingeräumte Wissenslücke wird von der abwertenden Zuschreibung getrennt.

Er ignorierte das Klingeln während der Prüfung, war aber keineswegs ignorant gegenüber dem Stoff.

So ist es gemeint: Das Verb des Nichtbeachtens und das wertende Adjektiv haben unterschiedliche Funktionen.

Typische Verbindungen: eine ignorante Bemerkung, ignorant gegenüber Hinweisen, ignorant auftreten, eine ignorante Haltung.

Grammatik und Beugung

Das kleingeschriebene Adjektiv ignorant ist von den großgeschriebenen Personenbezeichnungen Ignorant und Ignorantin zu unterscheiden. Diese Nomen haben eigene Formen und bezeichnen Personen.

Das Adjektiv endet auf -ant, das verwandte Nomen Ignoranz auf -anz. Die Vergleichsformen lauten ignoranter und am ignorantesten. Sie können das Ausmaß des kritisierten Auftretens vergleichen; dabei muss deutlich bleiben, worin es besteht.

Vor einem Nomen wird ignorant gebeugt. Nach sein oder wirken bleibt die Grundform. Die gemischte Pluralspalte gilt beispielsweise nach keine; ein hat keinen Plural.

Stark – ohne Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativignoranterignoranteignorantesignorante
Genitivignorantenignoranterignorantenignoranter
Dativignorantemignoranterignorantemignoranten
Akkusativignorantenignoranteignorantesignorante
Schwach – mit bestimmtem Artikel
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativder ignorantedie ignorantedas ignorantedie ignoranten
Genitivdes ignorantender ignorantendes ignorantender ignoranten
Dativdem ignorantender ignorantendem ignorantenden ignoranten
Akkusativden ignorantendie ignorantedas ignorantedie ignoranten
Gemischt – mit ein oder kein
FallMaskulinFemininNeutrumPlural
Nominativein ignorantereine ignoranteein ignoranteskeine ignoranten
Genitiveines ignoranteneiner ignoranteneines ignorantenkeiner ignoranten
Dativeinem ignoranteneiner ignoranteneinem ignorantenkeinen ignoranten
Akkusativeinen ignoranteneine ignoranteein ignoranteskeine ignoranten

Herkunft

Das Adjektiv gehört zu lateinisch ignorans, einer Partizipform von ignorare für nicht wissen. Zur Wortfamilie gehören Ignoranz und ignorieren. Die heutigen Bedeutungen sind nicht deckungsgleich: Eine störende Ablenkung bewusst zu ignorieren muss keine Unwissenheit zeigen.

Ignorant in einer Charakterisierung

Die folgende Szene und die Musterformulierung sind eigens erfunden. Sie stammen aus keinem literarischen Werk.

Beispielsituation

In einer erfundenen Gesprächsszene erklärt Nils, in der Stadt gebe es keine barrierefreien Zugänge. Eine Mitarbeiterin zeigt ihm aktuelle Lagepläne mit mehreren Eingängen. Nils sieht sie nicht an und wiederholt, er kenne solche Einrichtungen schließlich gut genug. Die Frage nach einem konkreten Gebäude beantwortet er nicht.

  1. Beobachtung: Nils gibt ein umfassendes Urteil ab, prüft die bereitgestellte Information nicht und kann seinen Anspruch nicht konkret begründen.
  2. Deutung: Sein Auftreten wirkt ignorant, weil die Behauptung trotz zugänglicher Korrekturmöglichkeit unverändert bleibt.
  3. Grenze der Aussage: Die Szene beweist nicht, dass alle Zugänge tatsächlich uneingeschränkt nutzbar sind. Sie zeigt zunächst Nils unzureichende Prüfung seiner pauschalen Aussage.

Musterformulierung

Nils tritt ignorant auf, indem er an seiner pauschalen Behauptung festhält, ohne die vorgelegten Lagepläne zu prüfen. Der Hinweis auf seine angebliche Erfahrung ersetzt eine konkrete Begründung. Seine Unkenntnis wird damit besonders durch die verweigerte Auseinandersetzung mit Gegeninformationen problematisch.

Der Absatz beurteilt den Umgang mit Wissen. Er muss dazu nicht behaupten, sämtliche Angaben der Mitarbeiterin seien bereits unabhängig überprüft.

Übertrage diese Vorgehensweise auf deine Lektüre: Nenne die konkrete Handlung oder Äußerung und belege sie am vorliegenden Text. Die Anleitung zur Charakterisierung zeigt, wie du solche Einzelbeobachtungen zu einem begründeten Gesamtbild verbindest.