annehmen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- annehmen
- Präsens
- nimmt an
- Präteritum
- nahm an
Annehmen heißt etwas entgegennehmen, akzeptieren oder für wahrscheinlich halten. Man kann eine Sendung, einen Vorschlag oder eine Vermutung annehmen. In der Verbindung sich einer Sache annehmen bedeutet es, sich darum zu kümmern.
Empfangen, zustimmen oder vermuten?
Wer eine Sendung annimmt, nimmt sie entgegen. Wer einen Vorschlag annimmt, stimmt ihm zu. Das sichtbare Entgegennehmen einer Unterlage ist nicht automatisch Zustimmung zu ihrem Inhalt. Gerade in Berichten über Gespräche sollte dieser Unterschied klar bleiben.
„Ich nehme an, dass der Raum frei ist“ kennzeichnet eine Vermutung. Die sprechende Person stellt den freien Raum nicht als nachgewiesene Tatsache dar. In einem Gedankengang kann annehmen außerdem heißen, etwas vorläufig vorauszusetzen, um die Folgen zu untersuchen.
Weitere Verwendungen betreffen Veränderungen: Ein Vorgang nimmt eine bestimmte Form an, eine Person nimmt eine Gewohnheit an. Bei sich einer Aufgabe annehmen rückt die Betreuung oder Bearbeitung in den Mittelpunkt. Die reflexive Verbindung folgt einem anderen Satzbau als das Entgegennehmen.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| entgegennehmen | Eine Sendung, Unterlage oder Gabe annehmen | Benennt den Empfang; Zustimmung zum Inhalt ist nicht notwendig. |
| akzeptieren | Einen Vorschlag oder eine Regelung annehmen | Passt zum Geltenlassen oder Einverständnis, nicht zur bloßen Vermutung. |
| vermuten | Annehmen, dass etwas zutrifft | Macht den unsicheren Wissensstand deutlich. |
| sich kümmern um | Sich einer Person oder Aufgabe annehmen | Erklärt den betreuenden Sinn und verlangt einen anderen Anschluss. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Eine Gabe entgegennehmen
Ausgangssatz: Die Gastgeberin nimmt die mitgebrachte Zeichnung an.
Alternative: Die Gastgeberin nimmt die mitgebrachte Zeichnung entgegen.
Beide Fassungen beschreiben den Empfang. Ob ihr das Bild gefällt, ist noch nicht gesagt. Akzeptieren könnte dagegen stärker das ausdrückliche Billigen hervorheben.
Beispielpaar 2: Eine offene Vermutung
Ausgangssatz: Ich nehme an, dass die Besprechung im Nebenraum stattfindet.
Alternative: Ich vermute, dass die Besprechung im Nebenraum stattfindet.
Die zweite Fassung markiert den unsicheren Wissensstand ausdrücklich. „Ich weiß“ wäre keine gleichbedeutende Ersetzung, weil es einen anderen Anspruch an die Sicherheit der Aussage erhebt.
Nimmt an, nahm an, hat angenommen
Annehmen ist ein starkes, trennbares Verb. Die Präsensformen du und er/sie/es enthalten i und doppeltes m. Im Präteritum steht nahm, im Partizip genommen mit vorangestelltem an-.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | nehme an | nahm an |
| du | nimmst an | nahmst an |
| er / sie / es | nimmt an | nahm an |
| wir | nehmen an | nahmen an |
| ihr | nehmt an | nahmt an |
| sie / Sie | nehmen an | nahmen an |
Das Perfekt lautet hat angenommen. Ein direkt angenommenes Objekt steht im Akkusativ. Die Verbindung sich einer Sache annehmen hat dagegen ein Reflexivpronomen im Akkusativ und eine Genitivergänzung: „Sie nimmt sich des Problems an.“ Mit einer Umschreibung heißt es „Sie kümmert sich um das Problem“.
Anzunehmen wird zusammengeschrieben
Der Infinitiv mit zu lautet anzunehmen. Im Hauptsatz steht an getrennt: „Wir nehmen den Vorschlag an.“ Im Nebensatz wird zusammengeschrieben: „weil wir den Vorschlag annehmen“. Das Partizip angenommen enthält zwei m.
Den Grad der Sicherheit erkennen lassen
Eine Annahme kann gut begründet sein und dennoch eine Annahme bleiben. Auch eine plausible Erklärung ist nicht allein deshalb bewiesen. Wer eine Nachricht schreibt, kann eine offene Vermutung gezielt zur Bestätigung vorlegen.
Die Wendung Gehe ich recht in der Annahme? bietet dafür eine förmlichere Form. Wichtig ist, die Frage wirklich für eine Korrektur offen zu halten. Weitere Verben findest du im Verbenwörterbuch.
